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Prinzen-Sänger Jens Sembdner: „Ich wäre gerne nicht erfolgreich gewesen“

Leipziger Band Prinzen-Sänger Jens Sembdner: „Ich wäre gerne nicht erfolgreich gewesen“

Mit der Leipziger Band Die Prinzen feierte Jens Sembdner große Erfolge. Vor 15 Jahren verlor er seine Frau durch einen Suizid. Seitdem macht er sich Vorwürfe. Ihn quält die Frage: „Was wäre gewesen, wenn …?“

Jens Sembdner, Gründungsmitglied von Die Prinzen, hat durch den Glauben zurück ins Leben gefunden.
 

Quelle: privat

Leipzig.  Seit einem Vierteljahrhundert steht Jens Sembdner mit der Musikgruppe Die Prinzen auf der Bühne, feiert große Erfolge. Trotzdem sagt er heute: „Ich wäre gerne nicht erfolgreich gewesen.“ Hinter dieser Aussage verbirgt sich ein Drama, über das der Sänger, der als Neunjähriger dem Dresdner Kreuzchor beitrat, jetzt in der Talkshow von Markus Lanz zum ersten Mal öffentlich gesprochen hat.

Es ist eine intensive und bewegende Geschichte. Vor 15 Jahren verlor Sembdner seine Ehefrau Silva durch einen Suizid. Drei Wochen danach erlitt er einen Nervenzusammenbruch, musste mit einer Überdosis Tabletten ins Krankenhaus. Der Tod seiner Frau nagte schwer an ihm. Seitdem quält den Musiker die Frage: „Was wäre gewesen, wenn …?“ Wenn er kein Popstar gewesen wäre, sondern Kfz-Mechaniker. Wenn er jeden Tag nach acht Stunden Arbeit nach Hause gekommen wäre und Probleme mit seiner Frau hätte besprechen können?

Fast 300 Tage im Jahr unterwegs

Seine Frau hatte Sembdner in einer Disco kennengelernt, die Hochzeit folgte bei einem Urlaub in Kanada. Beide wollten Kinder, doch dieser Wunsch wurde ihnen auf normalem Wege versagt. Die entsprechenden Untersuchungen hätten sich über Jahre hingezogen. „Man konnte regelrecht zugucken, wie meine Frau den Glauben, die Lust und die Kraft verlor“, sagt der 49-Jährige heute. Er selbst war damals nach eigener Aussage fast 300 Tage im Jahr unterwegs: „Ich schwebte auf einer Pop-Wolke und sie sprach über Familie.“ Als Silva dann aber tagelang nicht ans Telefon ging, sei im klar geworden, etwas ändern zu müssen.

Das Ehepaar adoptierte nacheinander zwei Kinder aus einem Heim: einen Jungen (Dominik) und ein Mädchen (Emmy), beide Geschwister, beide wurden misshandelt. Danach habe Sembdner gedacht, jetzt sei alles gut, jetzt sei alles perfekt: „Wir hatten diese Werbefamilie“, auch ein Hund gehörte dazu. Dass der Kinderwunsch jedoch nicht das Grundproblem darstellte, musste der Prinzen-Sänger in der Nacht zum 18. November 2001 schmerzlich erkennen.

Zurück ins Leben durch den Glauben

Bei der Heimkehr von einer Geburtstagsfeier fand er seine Frau im Schlafzimmer vor, mit einer Überdosis Aspirin-Tabletten im Blut. Er habe ihr den Finger in den Hals gesteckt, um alles herauszuholen, und den Notarzt gerufen. „Dann ging aber alles schief, was schief gehen konnte.“ Die Intensivstation beim ersten Krankenhaus, das angefahren wurde, sei überfüllt gewesen, beim zweiten ebenfalls. Zwischenzeitlich habe es vom toxikologischen Institut geheißen, Silvas Zustand sei nicht lebensgefährlich. Ein tragischer Irrtum, denn wenig später verstarb sie im Alter von 34 Jahren. „Der Tod meiner Frau wäre höchstwahrscheinlich zu verhindern gewesen“.

Ins Leben zurückgefunden habe Sembdner durch den Glauben. Er sei zwar kein regelmäßiger Kirchgänger, unterhalte sich aber von Zeit zu Zeit mit Gott. Inzwischen glaube er, dass es nach dem Tod etwas gibt, „das hält mich.“ Mit den beiden Kindern wohnt der Musiker nicht mehr zusammen. Dominik habe eine eigene Wohnung, Emmy lebe seit Sembdners Suizid-Versuch bei einer anderen Familie. „Wir sehen uns aber zwei-, dreimal im Jahr“, so der Sänger. Seinen großen Verlust hat Sembdner in dem Buch „Von unten betrachtet geht es nur nach oben: Mein Weg zurück ins Leben“ verarbeitet. Es erschien im Oktober dieses Jahres.

Cover des Buches „Von unten betrachtet geht es nur nach oben

Cover des Buches „Von unten betrachtet geht es nur nach oben: Mein Weg zurück ins Leben“ von Prinzen-Sänger Jens Sembdner.

Quelle: Gütersloher Verlagshaus

Von mkl

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
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