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Schäden der Flut in Sachsen schlimmer als erwartet - Görlitz stellt Strafanzeige

Schäden der Flut in Sachsen schlimmer als erwartet - Görlitz stellt Strafanzeige

Die Hochwasserkatastrophe in Sachsen hat weit größere Schäden angerichtet als angenommen. Als erster Landkreis listete am Freitag Bautzen die Verluste konkret auf.

Dresden. „Vorläufige Schätzungen belaufen sich auf 196 Millionen Euro“, teilte das Landratsamt mit. Den größten Posten in der Schadensbilanz bilden die Unternehmen (115,3 Mio Euro). An Wohngebäuden entstand ein Schaden von 36,7 Millionen Euro. „Nach jetzigem Stand sind mindestens 6 Familien obdachlos, über 100 Wohngebäude beschädigt, 11 Unternehmen mit überfluteten Betriebsgeländen und Technikschäden betroffen“, hieß es.

Der Landkreis Görlitz rechnet damit, dass der Gesamtschaden am Ende bei rund 200 Millionen Euro liegen wird. Bisher hätten die Flutschäden hier bereits die 100-Millionen-Euro-Grenze erreicht, sagte Sprecherin Marina Michel. Allein der Schaden an der kommunalen Infrastruktur belaufe sich auf 75 Millionen Euro. Sachsens Regierung hatte am Freitag dagegen noch keine Übersicht über alle im Freistaat entstandenen Zerstörungen. Am Donnerstag ging man in der Regierungszentrale noch von 100 bis 150 Millionen Euro Gesamtschaden aus.

Unterdessen bot die EU Hilfe an. Die EU-Kommission sei „voll engagiert, um alle verfügbaren Instrumente auf europäischer Ebene zu mobilisieren, um die von dieser Naturkatastrophe betroffenen Menschen zu unterstützen“, schrieb Präsident José Manuel Barroso am Freitag in einem Brief an Bundespräsident Christian Wulff. Ähnliche Schreiben schickte er an die Präsidenten Polens und Tschechiens. Die EU hatte nach der Flutkatastrophe 2002 einen Solidaritätsfonds aufgelegt.   

Bisher ist unklar, ob Sachsen Flutopfern doch noch Direkthilfe in Form von Bargeld auszahlt. Das Deutsche Rote Kreuz sowie SPD und Linke forderten die Regierung nochmals auf, den Betroffenen Bargeld statt Krediten in die Hand zu geben. Selbst im Lager der schwarz- gelben Koalition gibt es entsprechende Stimmen. Wie schon am Dienstag hieß es von der Regierung erneut, dass über Details einer Härtefallregelung noch beraten werde.

Die SPD verlangte zudem ein Sonderprogramm für betroffene Kommunen im Umfang von mindestens 100 Millionen Euro un dreichte einen entsprechenden ANtrag im Landtag ein. Die Grünen forderten die Sächsische Aufbaubank sowie Banken und Sparkassen auf, Tilgungs- und Zinszahlungen für Kredite von Flutopfern bis Jahresende zu stunden: „Die Steuerzahler haben im letzten Jahr die Finanzbranche gerettet, jetzt können Banken und Sparkassen mal etwas davon zurückzahlen.“

Görlitz will die Betreiber des polnischen Witka-Stausees für den Dammbruch am vergangenen Samstag juristisch zur Verantwortung ziehen. Die Staatsanwaltschaft solle klären, ob Fahrlässigkeit der Verantwortlichen im Kraftwerk Turow zu den Überschwemmungen geführt habe, teilte die Stadt mit. Deswegen habe man Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Görlitz erstattet, die dort am Freitag aber noch nicht eingegangen war. Nach dem Dammbruch waren enorme Wassermassen in die Neiße geströmt und hatten unter anderem Teile der Stadt Görlitz und ihrer polnischen Schwesterstadt Zgorzelec überschwemmt.   

Da neue Regenwolken über dem Freistaat aufziehen, geben die Experten weiter keine Entwarnung. Am Wochenende werden in Sachsen weitere starke Niederschläge erwartet. Das Umweltministerium rechnet damit, dass für einige Fließgewässer die Werte der Alarmstufe 2 oder sogar 3 erreicht werden. „Die Situation bleibt nach wie vor angespannt“, sagte der zuständige Abteilungsleiter Ulrich Kraus.

dpa

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