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Scherbe führt Forscher zum ältesten Haus Sachsens - Leipziger Studenten graben bei Oschatz

Scherbe führt Forscher zum ältesten Haus Sachsens - Leipziger Studenten graben bei Oschatz

Ein Heimatforscher hat die Archäologen auf die richtige Spur gebracht. Bei einem Spaziergang über nordsächsische Felder las der Mann vor einigen Jahren eine zwei Zentimeter große Scherbe mit eingeritzten Linien auf.

Salbitz. Jetzt haben die Wissenschaftler dort in Salbitz die Reste der ältesten Häuser Sachsens nachgewiesen. Rund 7500 Jahre sollen sie alt sein. Harald Stäuble vom Landesamt für Archäologie sagt, er wolle das Wort „Wunder“ nicht in den Mund nehmen. Aber bedeutend sei der Fund allemal.

Stäuble hält eine Art Röntgenbild des Bodens in die Höhe und zeigt, wo und wie die ersten Ackerbauern Sachsens ihre Häuser gebaut haben. Demnach errichteten sie längliche Gebäude, die von zahlreichen Pfosten im Inneren gestützt wurden. „Wir erkennen die Pfostengruben im Boden“, sagt Stäuble und zeigt auf kleine Punkte auf seinem schwarz-weißen geomagnetischen Bild. Holzreste oder gar Gebeine haben die Forscher nicht entdeckt. Das verhinderten die Böden in der Gegend. „Die Böden sind sehr sauer und kalkarm, das frisst die ganzen Knochen auf“, sagte Stäuble.

Etwa 80 Zentimeter unter der Ackerkrume finden die Archäologen andere Hinterlassenschaften unserer Vorfahren: Kleine Scherben der typischen Linienband-Keramik und Feuerstein-Splitter, die die Bauern damals in Knochen einsetzten, um eine Art Schneidemesser fürs Getreide zu bekommen.

Die Ausgrabungen machen seit vier Wochen Studenten der Universität Leipzig. Sie haben viereckige Gruben auf dem abgegrasten Maisfeld ausgehoben und dokumentieren und vermessen sorgfältig jeden Zentimeter. 368 Funde haben sie bislang gemacht - von Scherben bis Hüttenlehm. „Das bestätigt das Bild, das wir von der frühen Besiedlung hatten“, sagt Stäuble.

Bis zu der Entdeckung in Salbitz seien drei bäuerliche Besiedlungen in Sachsen bekanntgewesen, die als älteste galten, berichtet der Forscher. Ein Fund wurde an der Thomaskirche in Leipzig gemacht, einer im Tagebau Zwenkau im Kreis Leipzig und einer in Dresden-Mockritz.

Die drei Salbitzer Häuser sollen aber noch etwas älter sein: Laut Stäuble stammen sie aus der Zeit um 5500 bis 5300 vor Christus, der ältesten Epoche der Bandkeramik. Die Archäologen nennen die Zeit so, wegen der Linien - oder Bänder -, mit denen damals Tongefäße verziert wurden. 300 bis 400 Jahren sollen die frühen Bauern in der Gegend gesiedelt haben.

Nächste Woche wollen die Wissenschaftler ihre Grabung beendet haben. Dann werden die Löcher wieder zugeschüttet und das Feld von seinem Besitzer neu bestellt. Nichts wird mehr auf den kulturhistorischen Schatz im Boden hinweisen. Die Archäologen haben aber Vorsorge getroffen, dass er nicht unter Traktor-Räder gerät. Mit dem Landwirt haben sie vereinbart, dass dieser das Feld nicht zu tief umackert.

„Das Archiv liegt im Boden und muss erhalten werden“, sagt Gebietsreferent Michael Strobel vom Landesamt für Archäologie. „Was anderes haben wir nicht aus diesen schriftlosen Zeiten.“ Eventuell sollen einige Stücke auch ausgestellt werden, möglicherweise im künftigen Haus der Archäologie in Chemnitz. Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht.

Birgit Zimmermann, dpa

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