Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Schnelle Sanierung der verseuchten Böden in Böhlen unmöglich

Umweltschäden Schnelle Sanierung der verseuchten Böden in Böhlen unmöglich

Mit einer Pressemitteilung hat Sachsens Umweltministerium auf kritische Berichte der LVZ und des MDR reagiert. Das durch über Jahrzehnte von ausgelaufenen Treibstoffen verseuchte Grundwasser in Böhlen könne nicht in absehbarer Zeit gereinigt werden, hieß es.

Das giftige Benzol im Boden, es könnte mit dem Grundwasser auch unter das Werksgelände von Vattenfall gelangen, dessen Baugrund aufwendig gereinigt worden war.

Quelle: MDR

Böhlen. Kritische LVZ- und MDR- „Exakt“-Berichte über eine drohende Umwelt-Katastrophe in Böhlen (Kreis Leipzig) haben das sächsische Umweltministerium aufgeschreckt. „Wegen der Größe der Grundwasserschäden und wegen des noch vorhandenen Potenzials des Bodens, weitere Schadstoffe in das Grundwasser freizusetzen, ist eine kurzfristige Sanierung nicht zu erwarten“, teilte das Ministerium gestern mit – und bestätigte damit die Medienberichte im Grundsatz.

„Das Ausmaß der Belastungen einerseits und die Durchführung der Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen bei laufender Produktion andererseits machen deutlich, dass es sich hier um einen sehr komplexen, schwierigen und umfangreichen Altlastenfall handelt“, hieß es.

Konkret geht es um eine Industrie-Hinterlassenschaft, die als größte Altlast Sachsens gilt. In Boden und Grund-wasser befinden sich giftige Mineralöl-Kohlenwasserstoffe, verursacht durch die jahrzehntelange Herstellung von Kraftstoffen, Energie und Chemieprodukten sowie die Zerstörung vieler Anlagen im Zweiten Weltkrieg. Schätzungen gehen von 4000 Tonnen aus. Aktuelle Laboranalysen ergaben, dass das hoch entzündliche Gemisch wegen seines Benzol-Anteils Krebs hervorrufen kann.

LVZ und MDR „Exakt“ berichteten, dass die Sanierung dieser Altlast zu langsam erfolgt. Dazu stellte das Ministerium nun fest: „Eine vollständige Beseitigung der Schadstoffe aus dem Boden und dem Grundwasser ist schlicht weder finanzierbar noch leistbar, die Forderung danach ist unverhältnismäßig.“ In einem Seitenhieb merkte der Sprecher an: „Die Annahme, bei Bodenaushub im Zuge von Baumaßnahmen (auf dem Vattenfall-Gelände – Anm. d. Red.) würde der darunter liegende Bereich bis hin zum Erdmittelpunkt mitsaniert, ist naiv.“ Agrarflächen seien bislang nicht verseucht worden: „Landwirte nutzen oberflächennahe Bodenschichten. Das kontaminierte Grundwasser befindet sich deutlich unterhalb.“ Auch für Anwohner bestehe keine Gefahr, hieß es aus Dresden, da die Trinkwasser-Versorgung aufwendig abgesichert werde.

Aber: Wie dramatisch die Lage werden kann, hatte der damalige Landrat Gerhard Gey (CDU) schon vor zwei Jahren dem anwesenden Umweltminister Frank Kupfer (CDU) mit auf den Weg gegeben. „Man muss sich eingestehen, dass das Schadstoffpotenzial sowie die Belastung des Grundwassers derart hoch und weit ausgebreitet sind, dass eine vollständige Dekontaminierung aus Gründen der Verhältnismäßigkeit ausscheidet“, machte Gey klar. Wichtig sei, „zunächst die Kontrolle über den Schaden zu gewinnen“.
Deshalb wird versucht, den Tagebau Peres – und den geplanten See – durch einen Drainage-Sperrriegel zu schützen. „Die Anlage läuft erfolgreich“, so das Ministerium.

Gleichzeitig wird in den Hauptschadherden auf dem Werksgelände hoch belastetes Grundwasser gehoben und gereinigt. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Wolfram Günther hielt dagegen: „Wir wissen, dass seit 2009 Pläne vorliegen, das Ausmaß einzudämmen – das passiert offensichtlich nicht.“ Gutachten besagen, dass trotz Sanierungsmaßnahmen bereits 366.000 Kubikmeter Grundwasser verseucht sind.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
MDR-Bericht
In Böhlen bei Leipzig gelangen offenbar Altlasten ins Grundwasser (Symbolbild).

Andreas Springer geht Öl zapfen. Nicht an einer Tankstelle, sondern aus dem Erdreich. Dort, wo eigentlich Grundwasser stehen müsste, stößt er auf giftiges Schmieröl und Benzin, das auf dem Grundwasser schwimmt - eine Phase, wie es der Fachmann von der Alenco GmbH nennt.

mehr
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr