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Schrumpfende Gemeinden und wenig Geld: Sachsens Kirchen droht der Verfall

Schrumpfende Gemeinden und wenig Geld: Sachsens Kirchen droht der Verfall

Konzerte, Musicals, Tagungen, Bibliotheken - längst werden Sachsens Kirchen nicht mehr nur für Gottesdienste genutzt. Angesichts schwindender Mitgliederzahlen müssen sich immer mehr Gotteshäuser nach einer alternativen Nutzung umschauen.

Dresden. Noch sind die rund 1600 Kirchen und Kapellen in Sachsen zwar in einem überwiegend guten baulichen Zustand. Aber gerade auf dem Land droht ihnen zunehmend der Verfall. Vielen Gemeinden bleibt nur eine Nutzung für kulturelle Veranstaltungen - in bisher eher seltenen Fällen auch der Verkauf an einen privaten Investor.

„In den nächsten Jahren können leerstehende Kirchen in echten Größenordnungen auf uns zukommen“, sagt Michael Kirsten, stellvertretender sächsischer Landeskonservator. Sämtliche Initiativen zur Umnutzung seien daher zu begrüßen. Gelinge es nicht, mit pfiffigen Ideen den alten Gotteshäusern neues Leben einzuhauchen, drohe vielerorts ein Leerstand. Allerdings stehe Sachsen im Vergleich zu anderen Bundesländern wie etwa Mecklenburg-Vorpommern noch recht gut da. Dort schrumpften die Kirchgemeinden schneller, hieß es.

Als erste Kirche in Sachsen wurde 2006 die St. Martinskirche der Gemeinde Elstertrebnitz (Kreis Leipzig) verkauft. Zwei Privatinvestoren versuchten sich seitdem an dem Objekt. „Kirchenbänke wurden herausgerissen, das Dach neu gedeckt, die Fassade gestrichen“, berichtet eine Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung. Doch offensichtlich fehlten ein Konzept und das nötige Kleingeld: Seit Ende 2010 wird die Kirche wieder zum Verkauf angeboten, laut Immobilienportal geeignet als „Atelier oder Restaurant“. Rund 140 000 Euro soll das mehr als 200 Jahre alte Haus kosten.

Bereits seit Mitte der 60er-Jahre stand auch die Kirche Franken im Muldental leer, Mitte der 90er-Jahre wurde das verfallene Gotteshaus entweiht und ging an die Kommune über. Ein Förderverein kümmerte sich um den Ausbau als Begegnungs- und Veranstaltungszentrum, 2000 wurde die Kirche als Kulturhaus neu eröffnet. „Seitdem ist sie ein wichtiger zentraler Treffpunkt für alle umliegenden Dörfer“, sagt Bernd Pohlers vom Förderverein. Hochzeiten, Familienfeiern, Kindermusicals, Folk-Konzerte und Silvestertanz - die Liste der Veranstaltungen ist lang.

Einen neuen Weg schlug auch die Zittauer Kreuzkirche ein: Seit 1999 wird sie als Museum für das Große Fastentuch aus dem 15. Jahrhundert genutzt. Zudem finden in der Kirche auch Konzerte und Lesungen statt. „Eine tolle Symbiose“, sagt Volker Dudeck, Geschäftsführer des Vereins Zittauer Fastentücher. Die Museumskirche sei geradezu ein Paradebeispiel, wie ein Gotteshaus, das von der Gemeinde nicht mehr gehalten werden könne, sinnvoll umfunktioniert werde. Dudeck ist sich sicher, dass künftig immer mehr Kirchen in Sachsen diesen Weg gehen müssen.

Auch andere Kirchen haben sich etwas einfallen lassen: So ist etwa die Nikolaikirche in Freiberg seit 2002 eine Konzert- und Tagungshalle. Firmen feiern hier Jubiläen, regelmäßig finden klassische Konzerte oder Opernaufführungen statt. In Weßnig bei Torgau will sich die Kirche wegen des nahe gelegenen Elberadweges als erste Radfahrerkirche Deutschlands etablieren. Die ehemalige Alltagskirche in Torgau wird als Bibliothek genutzt, die Löbauer Johanniskirche als Kulturzentrum, in der Kamenzer Klosterkirche wird noch in diesem Jahr eine neue Dauerausstellung eingerichtet.

„Wir wollen natürlich keine Kirchen aufgeben“, sagt Matthias Oelke, Sprecher der evangelischen Landeskirche Sachsen. Dennoch kennt er die Probleme, vor allem in den kleineren und mittelgroßen Städten. „Gemeinden werden kleiner, Kirchen bleiben gleich groß“. Vielerorts gebe es sogar mehrere Kirchen. Wenn dann in einer davon Veranstaltungen wie etwa Konzerte oder Abschlussfeiern für Schulklassen stattfinden, sei dagegen nichts einzuwenden. „Solange sie dem Sinn der Kirche nicht widersprechen“, betont Oelke.

dpa

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