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Schüler beklagen zu wenig DDR-Alltag im Geschichtsunterricht

Schüler beklagen zu wenig DDR-Alltag im Geschichtsunterricht

Aufarbeitung von Geschichte ist ein schwieriges Metier - vor allem, wenn sie noch jung ist und sich Betroffene selbst mit der nachfolgenden Generation darüber auseinandersetzen müssen.

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In der neu eröffneten DDR-Musterwohnung des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR im brandenburgischen Eisenhüttenstadt steht am Freitag (22.08.2008) die Mitarbeiterin Christine Beschoner in der Küche.

Quelle: dpa

Rostock. Seit 20 Jahren beschäftigen sich Pädagogen mit der Frage, wie sie ihren Schülern das Leben in der DDR vermitteln können, das geprägt war von den Restriktionen der SED-Diktatur und dem normalen Alltagsleben in oft selbst gewählten Nischen.

Viele haben sich, so der Eindruck von Teilnehmern einer Lehrerfortbildung am Montag in Rostock, vor klaren Stellungnahmen gedrückt. „Es war nicht alles schlecht ...?! - Alltag und Herrschaft in der DDR“ lautete das Motto der Tagung, zu der auch Schüler eingeladen waren.

Die Frage „Was war die DDR?“ hat eine umfassende und abschließende Antwort wohl noch nicht gefunden. Die scheidende Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen der ehemaligen DDR, Marianne Birthler, machte gleich zu Beginn ihrer Rede klar, was sie von einem  „Schlussstrich“ unter der Aufarbeitung von DDR- und Stasi-Geschichte hält: „Das ist eine lächerliche Forderung.“

Birthler sieht die Gesellschaft eher am Anfang der Debatte, bestenfalls mittendrin. Umso mehr komme den Lehrern eine zentrale Aufgabe dabei zu, Schüler zu einem unbefangenen Umgang mit diesem Teil der Geschichte anzuleiten.

Es hänge nicht nur von den Lehrplänen und Materialien ab, sondern davon, welcher Geist unter Lehrern und im Umfeld der Schule herrscht. „Ich kenne Lehrer, die Angst haben, kritisch über die DDR zu sprechen, weil sie dann Ärger mit den Eltern kriegen“, beklagte Birthler, die ihr Amt am 14. März an den frühere DDR-Bürgerrechtler Roland Jahn übergibt.

Die Faktenlage zur DDR werde schon vermittelt, sagte die Rostocker Abiturientin Luisa Marbach. „Aber die persönlichen Dinge der Menschen, das Alltagsleben in der DDR kommen viel zu kurz“, beklagte die Schülerin der 12. Klasse. Für sie gebe es kaum eine Verbindung zwischen der DDR-Politik und den Menschen aus der Generation ihrer Eltern beziehungsweise Großeltern. Einer ihrer Mitschüler ist mit dem Umfang, den der Lehrplan der DDR-Zeit einräumt, gänzlich unzufrieden. „Wir haben gerade angefangen und noch fünf Wochen Schule, dann ist Schluss.“

„Das Hauptproblem ist die Stofffülle in der Oberstufe“, erklärte Thomas Möller, Geschichtslehrer am Innerstädtischen Gymnasium, und bestätigt damit den Eindruck der Schüler. Aber kein Kollege werde freiwillig sagen, sein Fach sei jetzt nicht so wichtig. Das Lehrplan zum Fach Geschichte sei zusammen mit Berlin und Brandenburg ausgearbeitet worden. Dort stehe allerdings eine Wochenstunde mehr zur Verfügung. Warum nicht auch an der Küste, das sei für ihn nicht nachvollziehbar.

Die Schüler seien beim Thema DDR aufgeschlossen, sie diskutierten auch oft mit ihren Eltern, berichtete Möller. Sie würden sich daran reiben, welche Position ihre Lehrer vermitteln. Viele hätten aber ein eher romantisierendes, unreflektiertes Verhältnis zur DDR entwickelt. Nach dem Motto: Vielleicht war ja doch nicht alles schlecht. „Es ist die Aufgabe eines Lehrers, das ein wenig geradezurücken und zu sagen, wir müssen uns einmal die Fakten anschauen, was diesen Staat geprägt hat.“

Birthler berichtete, dass sie ein zunehmend offeneres Klima in den Schulen beobachte. „Das hat mit dem zeitlichen Abstand zur DDR zu tun“, meinte sie. Es gebe Schulen, in denen zu merken sei, dass Lehrer und Schüler ernsthaft versuchten, sich dem Thema zu nähern. „Dann gibt es Schulen, da hat sich nichts bewegt, das ist wie so eine konservierte DDR.“ Aber einen genauen Einblick in die Aufarbeitung der DDR-Geschichte an den Schulen hat sich auch nicht. Dazu gebe es keine fundierten Untersuchungen, bedauerte sie.

Joachim Mangler, dpa

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