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Schulterschluss mit den Linken? Widerstand aus der ersten SPD-Generation

Schulterschluss mit den Linken? Widerstand aus der ersten SPD-Generation

In der SPD grummelt es, seit der Vorsitzende Martin Dulig eine Koalition unter Führung der Linken nicht mehr ausschließt. Gerade ein Teil der ersten Generation sächsischer Sozialdemokraten zeigt sich darüber irritiert.

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Gunter Weißgerber

Quelle: André Kempner

Leipzig. Sie halten den Schulterschluss mit der Linken im Freistaat für fatal. Die SPD könne Wahlen nur in der Mitte der Gesellschaft gewinnen.

Gunter Weißgerber gehört zu den Gründungsmitgliedern der sächsischen SPD. Fast 20 Jahre saß der 58-Jährige für seine Partei im Bundestag. Die jüngsten Entwicklungen in Sachen Linke haben ihn dann aber doch überrascht. "Was soll ich sagen? Politischer Selbstmord ist nicht verboten", sagt Weißgerber. Er habe bisher immer den Eindruck gehabt, dass Martin Dulig gegen eine Zusammenarbeit mit den Linken gewesen sei. Aber da habe er sich wohl getäuscht.

Der langjährige Bundestagsabgeordnete, der die SPD in Sachsen mit aus der Taufe gehoben hat, rät seiner Partei entschieden davon ab, sich im kommenden Landtagswahlkampf zu stark an die Linke zu halten. "Wenn die Linke und die SPD nicht zu unterscheiden sind, dann hat die SPD verloren", so Weißgerber. "Dann sind die Linken das Original, und die SPD ist die Fälschung." Seine Partei gebe dann die Mitte der Gesellschaft preis. "Wir müssen der Union die Wähler in der Mitte streitig machen, wenn wir ein starkes Ergebnis erzielen wollen. Die werden von der Diskussion aber abgeschreckt." Die aktuelle Debatte ist für Weißgerber sowieso nur eine "reine Labordiskussion". Laut den aktuellen Umfragewerten sei ein rot-rot-grünes Bündnis derzeit überhaupt nicht denkbar. "Die SPD kann von Glück sagen, wenn sie von der CDU in eine Koalition genommen wird."

Auch Rainer Fornahl, wie Weißgerber langjähriger Bundestagsabgeordneter und Sozialdemokrat der ersten Stunde in Sachsen, hat klare Worte für eine rot-rot-grüne Koalition unter Führung der Linken: "Für die sächsische SPD ist das überhaupt keine sinnvolle Option." Die Sozialdemokraten müssten mit dem Anspruch in die Landtagswahl ziehen, selbst stärkste Kraft zu werden. Möglichst viele Wählerstimmen ließen sich aber nicht am linken Rand gewinnen, ist sich der 66-Jährige sicher. Zumal er einer Zusammenarbeit mit der Linken generell nichts abgewinnen kann. Dort spielten immer noch Kräfte eine große Rolle, die den Sozialismus in der DDR als "interessantes Experiment" ansähen.

Doch so denken nicht alle in der ersten Generation sächsischer Sozialdemokraten. Es gibt auch einige, die die Linie des jetzigen Parteivorsitzenden für richtig erachten. Zuspruch erhält Martin Dulig beispielsweise von Thomas Jurk. Der ehemalige sächsische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident hat die SPD selbst in einen Wahlkampf geführt. Im Jahr 2009 war er Spitzenkandidat seiner Partei. Am Ende kam es nicht zu einer Wiederauflage der schwarz-roten Koalition im Freistaat. In der Öffnung der SPD zur Linkspartei kann er nichts Falsches erkennen: "Ich finde, es ist legitim. Ich unterstütze Martin Dulig. Irgendwann muss dieses Thema auch durch sein", sagt der 51-Jährige. Für den Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Görlitz ist Rot-Rot-Grün eine wirkliche Option. "Wenn die politische Alternative unter Führung der Linken besser ist als der jetzige Zustand, bin ich dafür." Die sächsische Union solle auch einmal wissen, was Opposition ist.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.02.2014

Kai Kollenberg

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