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"Schwarz-Grün ist eine nette Konstellation" - Interview mit Thüringens CDU-Fraktionschef

"Schwarz-Grün ist eine nette Konstellation" - Interview mit Thüringens CDU-Fraktionschef

Es grünt so grün: Die Thüringer CDU buhlt um die Sympathie der Grünen. Die seien zwar manchmal Besserwisser, sagt Mike Mohring, Chef der CDU-Landtagsfraktion, doch ein Bündnis nach der Thüringen-Wahl am 14. September könne er sich sehr gut vorstellen.

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Mike Mohring, Fraktionsvorsitzender der CDU im Thüringer Landtag

Quelle: dpa

Frage:

Erfurt. Sie wollen ein Fundament gießen: ein schwarz-grünes. Wann beginnt der Hausbau?

Mike Mohring:

Es ist wie im richtigen Leben: Das Haus wird gebaut, wenn die Verträge unterschrieben sind. Derzeit gibt es zwar in keiner Umfrage eine Mehrheit für Schwarz-Grün in Thüringen, aber es ist doch eine nette Konstellation, über die man ernsthaft reden muss.

Angenommen, es reicht bei der Landtagswahl doch?

Dann empfehle ich meiner Partei, auch mit Bündnis90/Grüne unbedingt in Sondierungsgespräche zu gehen.

Bitte bringen Sie folgende Parteien in ein persönliches Koalitionsranking: Linke, SPD, Grüne, AfD und FDP.

Die Frage gefällt mir (lacht). Sie unterstellt, dass die CDU den Regierungsauftrag bekommt. Natürlich müssen wir zuerst mit der SPD reden, weil sie unser bisheriger Partner ist und wir das Land gemeinsam gut vorangebracht haben. Dann mit der FDP, sollte sie die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Es bleibt die bürgerliche Kernkoalition. Und dann mit den Grünen.

Klingt pragmatisch. Oder ist echte Zuneigung ergrünt?

Ich möchte über Schwarz-Grün sprechen, damit sich unsere Partei und die Grünen an den Gedanken gewöhnen, dass wir miteinander regieren könnten. Das muss man der Basis ja früh kommunizieren, damit zwischen den Lagern eine Brücke gebaut wird. Hessen ist der beste Beweis: Schwarz-Grün ist trotz großer Differenzen am Anfang nun Realität.

Was finden Sie so toll an den Grünen?

Ach, ich will sie auch nicht über den grünen Klee loben. Mich nervt manchmal die oberlehrerhafte Gutmenschen-Attitüde. Aber es geht doch um unser Land. Und ich bin überzeugt, dass man Thüringen mit Schwarz-Grün gut voranbringen kann. Wir legen beide großen Wert auf Nachhaltigkeit. Das fängt bei soliden Finanzen ohne neue Schulden an, bis hin zu Bildung und Generationengerechtigkeit.

Was ist mit der AfD?

Ich weiß nicht einmal, wer in der AfD derzeit an der Führung ist. Binnen eines Jahres hat man dort zwei Landesvorstände verschlissen. Eine Partei, die in ihren Kinderschuhen steckt und sich schon so sehr streitet, ist nicht fähig, ein Land zu gestalten. Wer nur Populismus betreibt, hat im Parlament nichts verloren.

Bei der SPD zieht es viele zur Linkspartei. Droht der CDU die Opposition?

Mich überrascht, dass sich eine so alte und ehrwürdige Partei als Schoßhund der Linkspartei anbiedert. Ich halte es inzwischen für sehr wahrscheinlich, dass die Thüringer SPD auch Bodo Ramelow zum Ministerpräsidenten wählen würde. Die CDU muss den Menschen nun klar machen, was das bedeutet: ein finanziell handlungsunfähiges Land und ein Schulsystem, in dem die Ideologie im Mittelpunkt steht und nicht mehr das Kind.

Frau gegen Frau - die SPD tritt mit Sozialministerin Heike Taubert bei der Wahl an. Kann sie der CDU-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht gefährlich werden?

Wir wissen noch nicht, was Frau Taubert für dieses Land will. Ihre Bilanz im Sozialministerium ist bisher nicht gerade prickelnd. Matthias Machnig wäre der profiliertere Spitzenkandidat gewesen.

Im Jahr 2009 stürzte die CDU auf 31,2 Prozent ab. Sind absolute Mehrheiten wie 1999 noch realistisch?

Die CDU muss jetzt geschlossen sein und die Wahlkreise gewinnen. Dann erreichen wir 40 Prozent plus x. Wir hatten vor etwa einem Jahr sehr gute Umfragewerte. Das änderte sich, als die Zahl der schlechten Nachrichten zunahm. Jetzt ist ein Zeitpunkt gekommen, wo sich alle zusammenreißen müssen, damit wir mit besseren Schlagzeilen zeigen, dass wir bereit sind zu gewinnen. Rund alle zehn Jahre muss sich eine Partei oder Fraktion erneuern, das tun wir derzeit. Wir müssen jetzt jeden Tag kämpfen und das Land rocken. Und erklären, warum es den Menschen besser geht, wenn wir die Verantwortung tragen. Wichtig ist, dass wir den alten Grundsatz von Bernhard Vogel einhalten, dass uns das Land wichtiger ist als die Partei.

Interview: Robert Büssow

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