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Selbst ist das Dorf - Ministerpräsident Tillich besucht Bürgerkonsum in Falkenau

Selbst ist das Dorf - Ministerpräsident Tillich besucht Bürgerkonsum in Falkenau

Der Bürgermeister darf sich seine Zigarillos trotzdem noch beim Discounter einen Ort weiter holen. Zwar besitzt Martin Müller gemeinsam mit knapp 300 anderen Dorfbewohnern einen eigenen Laden.

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Der Dorfkonsum im mittelsächsischen Falkenau gehört den Einwohnern selbst. Und das Beste daran: Der Laden läuft. Am Donnerstag gab es sogar Besuch vom Ministerpräsidenten. Unterstützt wurde das Projekt vom Mitteldeutschen Genossenschaftsverband.

Quelle: dpa

Falkenau. Der aber hat seine Lieblingszigarillos leider nicht im Angebot. Aber sonst scheint schon alles Wichtige da zu sein. Jedenfalls fällt die Bilanz nach einem Jahr Bürgerkonsum im mittelsächsischen Falkenau ziemlich gut aus.

Der Laden werde angenommen, sagt Vorstandschef Thilo Walther am Donnerstag - „und zwar von allen Schichten“. Zur Gründung hatten sich die Falkenauer entschlossen, nachdem vor drei Jahren das letzte größere Lebensmittelgeschäft geschlossen hatte und mehrere Handelsketten die Neueröffnung einer Filiale danach ablehnten. Für sie ist das Geschäft im 1900-Einwohner-Ort unrentabel.

Dies drohte vor allem für die Senioren in Falkenau ein Problem zu werden. Für sie war der Weg zum etwa acht Kilometer entfernten Supermarkt einfach zu weit. An sie sei damals in erster Linie gedacht worden, nun ließen sich aber auch regelmäßig junge Leute und Familien im Laden blicken, sagt Walther und verkündet stolz die ersten Zahlen:

Mit monatlichen Umsätzen zwischen 35 000 und 42 000 Euro liege der Laden deutlich über den Erwartungen. Fast jeder dritte Falkenauer kaufe dort ein.

Im Markt arbeiten nur ortsansässige Verkäuferinnen - drei halbtags, eine ganztags, zudem gibt es eine Aushilfskraft für die Urlaubszeit. Walther liebäugelt damit, im Herbst 2011 einen ersten Lehrling einzustellen: „Wir müssen auch an die Zukunft denken.“

Unterstützt wurde das Projekt vom Mitteldeutschen Genossenschaftsverband, der am Donnerstag in Chemnitz seinen 19. Verbandstag abhielt - und zuvor Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) nach Falkenau lotste. Der machte bei der halbstündigen Visite einen interessierten Eindruck und eigentlich nur einen Fehler: Er ließ der Abordnung aus dem Kindergarten, die für ihn einen „Wackelpudding“-Song geträllert hatte, spontan Süßigkeiten kaufen - und entschied sich dabei ausgerechnet für Gummibärchen aus Westdeutschland. Die Falkenauer setzen in ihrem Ladensortiment ganz bewusst auf die Herkunft: 500 der 5000 gelisteten Artikel stammen aus der Region.

Vor Falkenau war schon im erzgebirgischen Bad Schlema ein gemeinschaftlich von Einwohnern betriebener Markt eröffnet worden. Auf einen Trend hofft der Genossenschaftsverband. Das Potenzial sei da, heißt es unter Verweis auf eine 2007 vom Wirtschaftsministerium des Freistaats in Auftrag gegebene Studie, wonach es damals in 74 sächsischen Orten keine ausreichenden Möglichkeiten gab, Waren des täglichen Bedarfs zu kaufen.

„Die Leute können das Sortiment bestimmen, die Öffnungszeiten - und dann auch selbst noch für den Umsatz sorgen“, warb Verbandssprecher Wolfgang Allert für das Genossenschaftsmodell. Der Falkenauer Vorstandschef Walther, der für die FDP im Gemeinderat sitzt, gibt sich ganz liberal. „Jeder in Falkenau hat das Recht, dort einzukaufen, wo er will.“ Er ist überzeugt: „Die kommen sowieso alle zurück in unseren Laden.“

Tino Moritz, dpa

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