Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Solarunternehmen Sovello aus Bitterfeld-Wolfen stellt Produktion ein - 1200 Jobs sind weg

Solarunternehmen Sovello aus Bitterfeld-Wolfen stellt Produktion ein - 1200 Jobs sind weg

Es ist ein ganz schwarzer Tag für die deutsche Solarindustrie. Große Schilder mit der Aufschrift „Solar Valley“ weisen zu den modernen Hallen im Süden Sachsen-Anhalts - einer der größten Solarstandorte in Europa, hieß es immer stolz.

Voriger Artikel
20 Jahre Randale von Rostock-Lichtenhagen: "Wir hatten Angst um unser Leben"
Nächster Artikel
Erhebung in Sachsen: Ein Angestellter erzeugt etwa zwölf Tonnen Müll

Das nächste Solarunternehmen steht am Abgrund. Nach wochenlanger Unsicherheit wissen nun die Beschäftigten von Sovello, dass sie sich einen neuen Job suchen sollten.

Quelle: Jan Woitas/Archiv

Bitterfeld-Wolfen. Doch nun droht einer der früheren Vorzeigefirmen das endgültige Aus. Die insolvente Sovello GmbH aus Bitterfeld-Wolfen (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) muss laut Insolvenzverwalter Ende August die Produktion einstellen - die einst 1200 Jobs fallen komplett weg.

Hoffnungsvolle Blicke richten sich nun auf den Solarkonzern Q-Cells. Der hatte mit seinen 1300 Beschäftigten zwar ebenfalls Insolvenz anmelden müssen, ist aber weiter im Gespräch mit Investoren für einen Neuanfang. Der einstige Börsenstar hatte das Areal begründet, eine Solarzellen-Produktion auch in Malaysia aufgebaut.

„Solar Valley darf nicht sterben“, betont der Bezirksvorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Erhard Koppitz, vor dem Werkstor auch angesichts der Millionen von Steuergeldern, die an Subventionen für die Branche geflossen sind. Nötig sei jetzt aber nicht nur eine moderne Forschung und Entwicklung für die Solarbranche, es müsse auch in Systemlösungen investiert werden. Dies fordern auch Branchenkenner seit längerem.

Für die im Unternehmen Sovello verbliebenen Beschäftigten kam unterdessen am Dienstag auf einer Belegschaftsversammlung endgültig die Stunde der Wahrheit. Allen 1000 Mitarbeitern muss laut Insolvenzverwalter Lucas Flöther gekündigt werden. Am Haupteingang des riesigen videoüberwachten und abgeriegelten Geländes von „Solar Valley“ fuhren Beschäftigte mit ihren Autos zur nicht öffentlichen Belegschaftsversammlung. Versteinerte Mienen, keiner wollte etwas sagen, auch der Betriebsrat hielt sich bedeckt.

„Für die Mitarbeiter ist das ganz dramatisch, weil die Branche Fuß gefasst hatte und sie für sich und ihre Familien eine echte Perspektive in der Solarbranche gesehen haben“, sagt Koppitz. In der Region herrschte schon vorher Fassungslosigkeit angesichts des schnellen Endes der Firma. Denn noch vor wenigen Monaten hatte sie angekündigt, der chinesischen Billigkonkurrenz mit Investitionen von mehr als 30 Millionen Euro trotzen zu wollen. Nun kam die Kehrtwende.

„Das ist furchtbar, wo soll das noch hinführen?“, fragt eine Verkäuferin in einer Fleischerei in der nur einen Steinwurf entfernten Ortschaft Thalheim. Es treffe ja nicht nur die Solar-Beschäftigten, sondern auch ganz viele andere, meint sie auch mit Blick auf die Handwerks- und Zulieferfirmen, die mit dem Standort verbunden sind.

Für die von hoher Arbeitslosigkeit gebeutelte Chemieregion in Sachsen-Anhalt ist es besonders bitter, denn auch gut 20 Jahre nach der deutschen Einheit sind die Erinnerungen an Massenentlassungen in der Braunkohle- und Chemieindustrie - vor allem der Schließung der einstigen Filmfabrik Orwo Wolfen - allgegenwärtig.

Im modernen Chemiepark Bitterfeld-Wolfen haben zwar weit mehr als 11.000 Menschen in rund 300 neuen Firmen, darunter dem Pharmakonzern Bayer aus Leverkusen, einen neuen Job. Das ist aber dennoch nur ein Bruchteil der Beschäftigtenzahlen damals in den maroden DDR-Betrieben. Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld betrug die Arbeitslosenquote laut Arbeitsagentur im Juli 11,6 Prozent.

„Das ist ein ganz großer wirtschaftlicher Tiefschlag“, sagt Landrat Uwe Schulze (CDU) zu der Hiobsbotschaft von Sovello. Die Firma sei nicht irgendein Unternehmen, sie habe zu den Vorzeigeunternehmen der Solarbranche in Deutschland gehört. „Dass Sovello so schnell eingemottet werden soll, das ist ein heftiger Schlag ins Kontor“, sagt er. Die Insolvenz sei bekannt gewesen, aber die Hoffnung auf eine Übernahme durch einen Investor habe es auch gegeben. Die gefürchtete Konkurrenz aus Asien galt dadurch sogar als Hoffnungsschimmer.

Der Landrat fordert von der Bundespolitik mehr Verlässlichkeit. „Wir hier haben alles getan, um die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu schaffen, ich wünsche mir, dass die Sprunghaftigkeit aufhört“, sagt er an die Adresse des Bundes und erinnert an die Kürzungen für die Solarbranche. Diese galt nach dem Ende der Braunkohle im Bitterfelder Revier und dem dramatischen Strukturwandel der ostdeutschen Chemie als Hoffnungsträger für die Region. „Die Hoffnung stirbt zum Schluss“, sagt Gewerkschafter Koppitz, denn bei Sovello sollen die Anlagen zumindest im Bereitschaftsbetrieb bleiben - für den Investor, wenn er denn kommt

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr