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Solarworld ist in die Schieflage geraten und das Geld der Aktionäre ist verbrannt

Solarworld ist in die Schieflage geraten und das Geld der Aktionäre ist verbrannt

Über Solarworld sind tiefdunkle Wolken aufgezogen. Das einstige Vorzeigeunternehmen der Solarbranche hat nach eigenen Angaben im vorigen Jahr einen Verlust zwischen 520 und 550 Millionen Euro eingefahren.

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Der Photovoltaik-Produzent Solarworld AG - hier die Firmenzentrale in Bonn - ist in Schieflage geraten.

Quelle: Oliver Berg

Es sind Gegensätze. Solarworld-Vorstandschef Frank Asbeck (53), der 1979 in der Nähe von Bonn gemeinsam mit Petra Kelly und Gert Bastian zu den Gründungsmitgliedern des ersten Landesverbandes der Grünen gehörte, geht es privat offenkundig gut. Vor einigen Monaten kaufte der Diplom-Ingenieur dem Fernsehstar Thomas Gottschalk das Schloss Marienfels bei Remagen am Rhein ab. Geschätzte fünf Millionen Euro zahlte der einstige Sonnenkönig für 800 Quadratmeter Wohnfläche, 14 Zimmer, drei Terrassen sowie 100000 Quadratmeter Wald.

Deutlich schlechter geht es heute der 1998 von Asbeck gegründeten Bonner Solarworld AG. Der Konzern, den der Hobby-Jäger zu einem der weltweit größten Hersteller von Photovoltaik-Modulen formte, steckt tief in der Krise. Wie es in der Mitteilung von Solarworld hieß, wird sich das Eigenkapital "nach aktueller Schätzung" auf minus 20 Millionen bis 50 Millionen Euro belaufen. 2011 hatte in der Bilanz des Unternehmens noch eine Summe von 630 Millionen Euro gestanden. Das Eigenkapital der Gesellschaft ist somit komplett futsch und damit das Kapital der Aktionäre verbrannt.

Asbeck, der 27,8 Prozent an Solarworld hält, verhandelt seit Längerem mit Banken und Anleihegläubigern über eine Reduzierung der Schulden. "Wir befinden uns in konstruktiven und zielorientierten Gesprächen mit unseren Gläubigern", sagte der Manager. Was nichts daran ändert, dass Solarworld stark von den Geldgebern abhängt. Eine Insolvenzgefahr sieht er trotzdem nicht. Die aktuelle Liquidität gewähre eine positive Fortführungsprognose. Dazu passend: Gestern verkaufte Solarworld zwei solare Großprojekte, einer davon in Ribnitz-Damgarten. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt.

Die Krise in der deutschen Solarbranche hatte den Branchenprimus bereits im vergangenen Herbst erwischt. Schuld an der Misere sei China, sagte Asbeck damals. Preisdumping der dortigen Hersteller und unzulässige Subventionen des Staates würden es Produzenten in Deutschland unmöglich machen, profitabel zu arbeiten. Asbeck hatte zugleich den Sparkurs verschärft. Ihm sind am größten Produktionsstandort im sächsischen Freiberg bereits mehr als 220 der einst 1800 Stellen zum Opfer gefallen. Aktuell gebe es in Freiberg keine Pläne für einen weiteren Jobabbau, hieß es dort gestern.

Die Branchenkrise hatte speziell in Mitteldeutschland heftig eingeschlagen. Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen überlebte im vorigen Jahr nur dank der Übernahme durch den Mischkonzern Hanwha aus Südkorea. Von den einst 1300 Jobs blieben 800 erhalten. Nebenan bei Sovello gingen dagegen die Lichter aus, 1000 Arbeitsplätze gingen verloren. Bei Solarwatt in Dresden glückte die Sanierung in Eigenregie - aber 100 von 435 Jobs wurden gestrichen. Bundesweit ging 2012 die Zahl der Arbeitsplätze in der Solarbranche um 30000 auf 100000 zurück.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.04.2013

Ulrich Milde

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