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Sommerliches Badevergnügen in Gefahr? - Naunhofer Strand ist abgetaucht

Sommerliches Badevergnügen in Gefahr? - Naunhofer Strand ist abgetaucht

Naunhof. Bald wird es wärmer. Dann bewegt sich die Karawane der Erholungssuchenden wieder Richtung Naunhof. Sowohl Ammelshainer- als auch Naunhofer See sind heiße Adressen für all jene, die Wasser und Wald schätzen.

. Doch das Entsetzen könnte diesmal groß sein. Zwar ist das kühle Nass gewohnt kristallklar. Doch wegen des gestiegenen Grundwassers gibt es derzeit so gut wie keinen Strand mehr.

Stadtrat Harry Eichhorn schlägt Alarm: „Der Pegel war noch nie so hoch. Zum Teil stehen sogar Bäume im Wasser. Ich frage mich, wo demnächst all die Badegäste liegen sollen." Der 70-Jährige radelt regelmäßig an seine geliebten Seen, die eigentlich Grillen- und Moritzsee heißen. Er kommt nicht nur wie andere im Sommer hierher, sondern auch im Winter. „Die Überflutungen im angrenzenden Freizeit- und Bildungszentrum ,Grillensee‘ waren schon schlimm genug. Was viele aber nicht wissen: Auch große Teile des Waldes direkt an den Seen standen noch im Februar unter Wasser. Mancher Hauptweg war nur mit Gummistiefeln passierbar. An verschiedenen Stellen strömte das Wasser auch in die Seen." Eichhorn kritisiert den Zustand des Erholungsgebietes: „Die Badeseen sollen so naturnah wie möglich bleiben. Das ist Konsens im Stadtrat. Um allerdings konkurrenzfähig zu sein, muss schnellstens ein Konzept her. Das sollte bezahlbar sein, wir kassieren schließlich auch Parkgebühren." Eichhorn führt einmal komplett um beide Seen. Er moniert den verwahrlosten Volleyballplatz, niveaulose Sprühereien und von Wildschweinen aufgewühlte Grasflächen: „Wenn es schon keinen Strand mehr gibt, sollten zumindest die Liegewiesen auf den Anhöhen gepflegt sein."

Naunhofs Bürgermeister Uwe Herrmann kennt das Problem: „Wir als Stadt waren sowohl am Ammelshainer- als auch am Naunhofer See nicht untätig. Wie jedes Jahr begradigte unser Bauhof gemeinsam mit der Fuchshainer Agrargesellschaft auch diesmal wieder die Wildschweinsuhlen. Demnächst wird wieder Gras darüber wachsen. Wir müssen uns noch etwas gedulden." Der hohe Wasserspiegel, so Herrmann weiter, sei auf den derzeit hohen Grundwasserstand zurückzuführen, der See pegele sich auf diesen ein.

Davon ist der langjährige Grimmaer Flussmeister Siegfried Nowak überzeugt: „Früher gab es Streit wegen des abgesunkenen Grundwassers in der Naunhofer Region. Das hing natürlich mit der starken Entnahme durch die Wasserwerke zusammen. Nach der Wende verteuerte sich das Wasser, außerdem gingen viele Betriebe krachen. Heutzutage werden in Naunhof nur noch etwa 60 Prozent der Wassermengen aus DDR-Zeiten gefördert." Der Trebsener Frank Haubold war bis vor kurzem Leiter des Freizeit- und Bildungszentrums „Grillensee" und ist inzwischen pensioniert: „Ich glaube nicht, dass der Wasserstand in nächster Zeit merklich fallen wird. Ein großes Problem. Die extrem starken Niederschläge sind das eine – ich denke, es liegt aber auch an der Flutung der ehemaligen Braunkohlentagbaue." Das kann der Nerchauer Wasserbauingenieur Andreas Apelt nur bestätigen: „Mancher denkt, bei der Flutung der Restlöcher werde von irgendwoher Wasser herantransportiert, das dann wie in eine Badewanne geleitet werde. Das ist nicht so. Es werden nur die Pumpen abgeschaltet, durch die früher der Wasserspiegel abgesenkt wurde, um Braunkohle abbauen zu können." Somit steige das Wasser nicht nur in den Restlöchern, sondern pegele sich auch in der ganzen Region entsprechend höher ein. Und zwar mindestens auf den Stand, wie er mal vor 200 Jahren war."

Der Nitzschkaer Jens Haubner vom Landesvorstand des Bundes für Umwelt- und Naturschutz hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass der Strand bald wieder auftauchen könnte: „Die Vegetationsperiode erhöht die Transpiration der Pflanzen. Diese können bis zu fünf mal mehr verdunsten als das über einer Wasserfläche geschieht. Die Landschaft fängt quasi an zu schwitzen."

Haig Latchinian

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