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Sonnenfinsternis in Sachsen: Sternwarten-Leiter bucht Logenplatz über den Wolken

Sonnenfinsternis in Sachsen: Sternwarten-Leiter bucht Logenplatz über den Wolken

Strahlend blauer Himmel, kein Wölkchen in Sicht – bei solchem Wetter können Sternengucker in Sachsen am Freitag eine spektakuläre Sonnenfinsternis beobachten: Ab 9.37 Uhr schiebt sich der Mond vor die Sonne.

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Stefan Schwager (34), Sternwartenleiter, Pädagoge und HTWK-Dozent.

Quelle: Sternwarte Riesa Schwager

Leipzig. Stefan Schwager, Leiter der Sternwarte Riesa, schaut sich das von oben an: Er rast mit einem Jet in den Kernschatten des Mondes.

Am 20. März findet über Europa das seltene Ereignis einer totalen Sonnenfinsternis statt – in Deutschland als partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Im Sonnensystem ist das Phänomen der „Totalen SoFi“ einmalig: Nur auf der Erde gehe das Größenverhältnis am Himmel so auf, dass ein benachbarter Himmelskörper die Sonne komplett verdecken kann, erklärt Astronom Schwager. Für einen kurzen Zeitraum wird dann die Korona, die äußere Atmosphärenschicht der Sonne, sichtbar.

In Sachsen wird die Sonne am Freitag gegen 10.46 Uhr zu 72 Prozent bedeckt sein und erscheint als schmale Sichel. „Wer draußen ist, wird bei wolkenlosem Himmel ab zehn Uhr eine Veränderung des Tageslichts wahrnehmen.“ Doch nur von den Inseln um Spitzbergen aus kann man die totale Finsternis sehen. „Viele Astronomie-Begeisterte reisen deshalb dorthin“, weiß der 34-Jährige.

Weltweit nur vier Flüge zur „Schwarzen Sonne“

Doch das Wetter könnte ihnen einen Strich durch die Rechnung machen: Für die Region im stürmischen Nordatlantik ist aufgrund von Langzeitdaten starke Bewölkung vorausgesagt. Deshalb setzt Schwager auf den Logenplatz am Firmament. Weltweit starten nur vier Charterflüge aus Deutschland und den USA mit zig SoFi-Abenteurern Richtung Nordmeer. Mit zwei weiteren Mitgliedern des Sternwarten-Vereins hat Schwager jeden Cent für den Hochgeschwindigkeits-Ausflug gespart. Knapp 2000 Euro muss man dafür auf den Tisch legen. Jetzt läuft endlich der Countdown. Am Freitag startet in Düsseldorf gegen sieben Uhr früh die SoFi-Airbus. „Ich krieg schon Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagt Schwager.

40 Sekunden für einzigartige Fotos

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Totale Sonnenfinsternis 1999, aufgenommen mit einem 1000mm-Maksutov-Spiegelteleskop und einer Praktika VLC2 Kamera.

Quelle: Sternwarte Riesa Schwager

Nach rund dreieinhalb Stunden dürfte die Spannung im dem Flugzeug zum Greifen sein. „Nur wer auf der rechten Seite sitzt, kann alles beobachten“, erklärt Schwager. Auf der linken Seite sitzen Passagiere als „Ballast“ auf preiswerten Plätzen – sie können immerhin die Atmosphäre miterleben.

Mit Vollgas bewegt sich der Airbus in den Kernschatten des Mondes, der seinerseits mit 3500 Kilometer pro Stunde über die Nordhalbkugel rast. Um 10.37 Uhr beginnt die totale Finsternis. Dann folgen 2 Minuten und 46 Sekunden Glück: „Die schwarze Sonne.“ Und weil in mehr als elftausend Metern über dem Meer der Himmel viel dunkler als auf der Erde sein dürfte, hofft Schwager, sogar das Funkeln der Sterne zu sehen.

In diesem Wimpernschlag des Universums klicken im Airbus über den Wolken die Kameras, und es sollen einzigartige Aufnahmen entstehen. Schwager hat in der Regel sowohl digitale als auch analoge Spiegelreflexkameras mit verschiedenen Objektiven und Teleskopen im Gepäck. Aber am Freitag möchte der Astronom nur 30 bis 40 Sekunden durch die Linse seiner mit speziellen Filtern ausgestatteten Apparate blicken. Die restliche Zeit will er mit eigenen Augen beobachten, was so von Deutschland aus erst am 3. September 2081 auf der Erde wieder zu erleben sein wird. „Das sind göttliche Momente“, sagt er.

Live-Beobachtung in Sachsens Sternwarten

Schon am Mittag hat er dann wieder festen Boden unter den Füßen. Einen Tag später teilt der Pädagoge und Dozent zum bundesweiten „Tag der Astronomie“ die Eindrücke des Beobachtungsflugs mit allen SoFi-Fans: Ab 14 Uhr bietet die Sternwarte in der Riesaer Greizer Straße 2 ein vielfältiges Programm.

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Zur Sonnenfinsternis am 20. März unbedingt spezielle SoFi-Brillen zum Schutz der Augen tragen.

Quelle: Sternwarte Riesa

Wer am Freitag nicht abhebt, aber die SoFi mit Profi-Ausrüstung beobachten will, kann das bei den regionalen Sternwarten tun. Im Astronomischen Zentrum in Schkeuditz bei Leipzig stehen ab 9.45 Uhr rund 300 Plätze zur Verfügung. Die Eilenburger Sternwarte öffnet um 9.30 Uhr, Riesa lädt ab 9 Uhr die Sternengucker ein. „Immer dran denken: Nur mit spezieller SoFi-Brille in die Sonne schauen. Wegen des gefährlichen UV-Lichts riskiert man sonst sein Augenlicht“, warnt Schwager.

Bei Bewölkung wird hierzulande niemand das Phänomen wahrnehmen. Für Sachsen bleibt es spannend. Laut Deutschem Wetterdienst in Leipzig ist noch kein kräftiges Hoch in Sicht. Kleiner Trost: Die nächste partielle Sonnenfinsternis von ähnlichem Ausmaß findet in elf Jahren statt, am 12. August 2026.

Evelyn ter Vehn

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