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Sparschweine aus aller Welt: Jonny Zojdz hat die größte Sammlung

Sparschweine aus aller Welt: Jonny Zojdz hat die größte Sammlung

Die Mär von den Deutschen als Sparweltmeister gilt zwar als widerlegt. Legt doch ein Chinese längst deutlich mehr vom Einkommen zurück als die gut elf Prozent, die hierzulande als üblich gelten.

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Über 2300 Sparschweine hat Jonny Zojdz gesammelt.

Quelle: Harald Lachmann

Auch das Sparschwein, seit Generationen Inbegriff für das Anhäufen von Notgroschen, ist kein deutsches Privileg. Immerhin trug Sammler Zojdz in Berthelsdorf bei Freiberg bereits Tierchen aus 65 Ländern zusammen. Natürlich ist auch China vertreten - ebenso wie die USA, Russland, Japan oder exotischere Länder wie Kenia, Jamaika, Indonesien oder auch die islamische Türkei, wo Schweine im Grunde als unrein gelten.

Doch zur Ehrenrettung seiner Landsleute kann der 52-jährige Dorfgastwirt versichern: Das Sparschwein ist eine deutsche Kreation - selbst wenn man auch im Englischen eine vergleichbare Entsprechung finde: "piggy bank". Doch um 1576, so fand er heraus, soll Wilhelm Spieß von Büllesheim, Burgherr auf der rheinischen Veste Schweinheim bei Euskirchen, das Sparschwein quasi in die deutsche Altersvorsorge- und Sparkassenlandschaft eingeführt haben. "Er hielt seine Frau, seine Kinder und das Gesinde dazu an, Münzen in Sparschweinen - aus Ton geformt und mit einem Schlitz versehen - für eventuell bevorstehende Notzeiten zu deponieren", berichtet Zojdz.

Zwar gruben Archäologen im thüringischen Billeben eine noch 300 Jahre ältere Schweine- skulptur aus, doch ist nicht bewiesen, dass darin jemals Taler oder Kreuzer ruhten. So oder so - das rosa Borstenvieh galt schon in der Antike ob seiner Fruchtbarkeit wie auch seiner Genügsamkeit beim Resteverwerten als Symbol kluger Vorsorge, gerade für die kargen Wochen des Winters.

Exakt 2356 Sparschweine umfasst zum diesjährigen Weltspartag am 30. Oktober Zojdz' Herde. Nicht alle sind aus Keramik oder Porzellan geformt. Auch Tiere aus Kunststoff, Holz, Stoff, Glas, Messing, Edelstahl, Gips, Bronze, Leder, Plüsch und sogar Kokosnussschalen finden sich darunter. Letztere stammen vom westafrikanischen Archipel Kapverden. Seine ältesten Schweine haben über 100 Jahre auf den Rippen, die kleinsten messen kaum 2,5 Zentimeter - und auf dem größten kann Zojdz sogar reiten. Da offenbar niemand weltweit mehr besitzt, meldete sich nun jüngst auch das Guinness-Buch der Rekorde bei ihm.

Manche Modelle hat der Sachse in seinen Vitrinen, die im Bürgerhaus von Berthelsdorf bereits ein kleines Museum bilden, auch thematisch gruppiert: Da finden sich Schweinchen in Polizeiuniformen, in Boxerpose oder in großen Badezubern. Andere aalen sich mit Sonnenbrille sowie mit und ohne Bikini am Strand oder vergnügen sich beim quasi ferkeligen Liebesspiel. Einen ganzen Block widmet der Fan von Dynamo Dresden den vierbeinigen Spardosen mit dem Logo des eigenen Lieblingsvereins.

Bei alledem kann sich Zojdz noch gut an sein erstes Sparschwein erinnern: Er wickelte es 1987 in der LPG St. Michaelis, in der er damals als Schlosser arbeitete, zur Weihnachtsfeier aus. Seither wuchs sein Zoo unaufhörlich. Freunde, Kollegen, Verwandte, selbst die eigenen Kinder, denen man als Vater ja eigentlich seinerseits mit pädagogischem Hintersinn solch ein Tierchen schenkt, bedachten ihn fortan damit. Und stets habe auch eine Münze darin geklappert - bei ausländischen Spezies eine aus dem jeweiligen Land.

Längst sammle er aber nicht mehr alles, betont der Sachse. Die Schweinchen müssten schon originell, "halt etwas Besonderes" sein. Vor allem den Erdball will er weiterhin intensiv abgrasen. So wähle er selbst seine Urlaubsziele mittlerweile danach, aus welchem Land ihm noch Exemplare fehlen, verrät Jonny Zojdz.

@www.jonnys-sparschweine.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.10.2013

Harald Lachmann

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