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Spurensuche nach Brandanschlag auf Polizeiautos

Spurensuche nach Brandanschlag auf Polizeiautos

Statt sich über neue Mannschaftswagen freuen zu können, muss die Thüringer Polizei nun einen Fall in eigener Sache aufklären: Bei einem Brandanschlag sind Sonntagnacht in Erfurt 15 fabrikneue Polizeitransporter in Flammen aufgegangen.

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Ermittlungen in eigener Sache: In Erfurt gingen am Wochenende 15 fabrikneue Polizeifahrzeuge in Flammen auf.

Quelle: dpa

Erfurt. Landesinnenminister Jörg Geibert (CDU) spricht von einer "niederträchtigen Tat" und einem Angriff auf die Thüringer Bevölkerung. Wer hinter dem Anschlag steckt, ist noch immer unklar. Das Landeskriminalamt hatte noch am Sonntag eine Sonderkommission eingerichtet, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Brandstiftung gegen Unbekannt.

Die 15 Mannschaftswagen der Marke VW T5 standen auf dem Parkplatz eines Autohauses und sollten ursprünglich heute ausgeliefert werden. Neuwert inklusive Sonderausstattung und bereits eingebauter Technik: 750 000 Euro. Die Wagen brannten vollständig aus. Durch die enorme Hitze zerbrachen die Scheiben, die Reifen platzten. Eine benachbarte Tankstelle musste für mehrere Stunden geschlossen werden. Die Feuerwehr hatte den Brand jedoch im Griff. Menschen wurden nicht verletzt.

Zu möglichen Tätern äußert sich die Staatsanwaltschaft Erfurt zurückhaltend. Sprecherin Anette Schmitt-ter Hell knapp: "Wir ermitteln in alle Richtungen, wir schließen nichts aus." Man gehe jedoch von einem gezielten Angriff aus, da die Brandsätze ausschließlich die Polizeiautos beschädigten. Fünf weitere Fahrzeuge, die in unmittelbarer Nähe standen, seien durch die Hitze nur leicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Wie viele Brandsätze verwendet wurden, könne sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Unklar sei noch, wie lange die Fahrzeuge schon auf dem Parkplatz standen und möglicherweise beobachtet werden konnten.

Die Polizei rief gestern die Bevölkerung zur Mithilfe auf. Bisher gebe es bis auf zwei Bürger, die den Brand in der Nacht zum Sonntag beobachtet hatten und der Polizei meldeten, sowie den Wachschutz des Autohauses keine Zeugen. Ob es Videomaterial gibt, lässt die Staatsanwaltschaft offen. Das Autohaus wollte sich nicht äußern.

Inzwischen wird über ein angebliches Bekennerschreiben im Internet gerätselt. Darin heißt es: "Wir, einzelne nicht namentlich genannte Mitarbeiter vom Landesrechnungshof Thüringen bekennen uns zum Brandanschlag." Als Motiv werden Verstöße bei der Ausschreibung sowie Fahrzeugmängel genannt, auf die man hinweisen wollte. Die Staatsanwaltschaft hegt zwar Zweifel an der Authentizität des Schreibens, möglich sei auch ein Trittbrettfahrer, prüfe aber dessen tatsächliche Herkunft, so Sprecherin Schmitt-ter Hell.

CDU-Generalsekretär Mario Voigt vermutet die Täter im politischen Spektrum: "Es liegt nahe, dass hier linksextreme und polizeifeindliche Kreise am Werk waren. Das ist ein klarer Angriff auf den Staat." Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Dirk Adams nannte den Anschlag "bemerkenswert und beunruhigend." Niemand dürfe in diesem Land irgendetwas anzünden, seien es Polizeiautos, Telefonzellen oder Mülltonnen. Der SPD-Abgeordnete Heiko Gentzel reagierte entrüstet: "Ungeachtet des großen finanziellen Schadens: Hier wurde in jeder Hinsicht eine Grenze überschritten, die nicht relativiert werden darf. Wenn die Täter ermittelt sind, müssen sie mit aller Konsequenz bestraft werden."

Vergleichbare Fälle dieser Größenordnung sind in Thüringen praktisch unbekannt. Ostern 2010 hatten Unbekannte einen Molotow-Cocktail auf einen Streifenwagen im Hof der Polizeidirektion Jena geworfen und einen Sachschaden von 5000 Euro verursacht. Die Täter blieben unbekannt. Im Januar 2000 warfen Unbekannte einen ähnlichen Brandsatz auf den Fußweg vor dem Innenministerium, richteten aber keinen Sachschaden an. Ähnliche, noch ungeklärte Fälle gab es aber in Sachsen, wo 2009 in einer Dresdner Bundeswehrkaserne mehrere Fahrzeuge angezündet wurden, sowie in Havelberg (Sachsen-Anhalt), wo ebenfalls in einer Kaserne Bundeswehr-Fahrzeuge einem Brandanschlag zum Opfer fielen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.10.2013

Robert Büssow

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