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Stacheldraht und Selbstschussanlagen: Teistunger Museum zeigt Originalschauplätze

Stacheldraht und Selbstschussanlagen: Teistunger Museum zeigt Originalschauplätze

Stacheldraht und Selbstschussanlagen, erschossene Menschen und geglückte Flucht: Das Eichsfelder Grenzlandmuseum in Teistungen will die Geschichte rund um die frühere innerdeutsche Grenze zwischen Thüringen und Niedersachsen so lebendig wie möglich erhalten.

Teistungen. Dafür erneuerte und vergrößerte das Museum die Ausstellung. Im Mittelpunkt stehen Originalschauplätze, um den Besuchern einen Eindruck von den beklemmenden Zuständen an der Grenze zu vermitteln. Die Eröffnung ist am 20. August geplant.

„Vor allem junge Menschen sollen verstehen, wie im Laufe der Jahrzehnte aus einem Weidezaun ein Bollwerk entstand“, sagt Ausstellungskuratorin Stefanie Wahl aus Berlin. Dabei setzt sie auch auf ein Interview-Projekt, bei dem Zeitzeugen zu Wort kommen und das Leben in der Fünf-Kilometer-Sperrzone des Grenzgebietes erklären.

Der Grenzübergang war am 21. Juni 1973 nördlich von Teistungen eröffnet worden. Bis 1989 passierten im kleinen Grenzverkehr 5,5 Millionen Reisende den Posten. Damit zählte er zu den meist genutzten innerdeutschen Übergängen. Zur Geschichte gehören aber auch die Grenztoten. Elf Menschen starben bei Fluchtversuchen an diesem Abschnitt.

Exemplarisch wird der Fall eines 19 Jahre alten NVA-Soldaten aus Sachsen geschildert, der im nahen Mühlhausen stationiert war und 1976 seinen ersten Urlaub für einen Fluchtversuch nutzte. Er starb rechts der Bundesstraße 247 durch drei Splitterminen. Glücklich endete dagegen die Massenflucht in Böseckendorf im Oktober 1961, bei der 53 Menschen unbemerkt nach Niedersachsen entkommen konnten. Viele von ihnen leben heute noch in Angerstein bei Göttingen.

Der Geschäftsführer des Museums, der Duderstädter Paul Schneegans, kennt den Grenzübergang als Besucher. Bis zu 50 Mal pro Jahr kam er, um seine Verwandten in der DDR zu besuchen. Nach der Wiedervereinigung setzte er sich dafür ein, dass ein 300 Meter langer Grenzabschnitt für die Nachwelt erhalten wird. „Als Erinnerung für jene, die die Zeit noch erlebt haben, aber auch für die jungen Leute, die die DDR nur vom Hören-Sagen kennen.“

Auf beiden Seiten der Grenze fand der Verein zur Gründung eines Museums schnell Fürsprecher. „Wir konnten nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, erinnert sich Teistungens Bürgermeister Horst Dornieden. „Uns war klar, dass wir das alles für die Nachwelt erhalten müssen. Nur so können wir heute erklären, warum es in beiden Teilen Deutschlands so unterschiedliche Entwicklungen gab.“ Dorniedens Großvater war 1952 zwangsausgesiedelt worden und nur einmal noch 1987 mit einem „Rentnerbus“ in die DDR gereist.

„Von Anfang an habe ich mit meinem Amtskollegen Lothar Koch aus Duderstadt an einem Strang gezogen und so den Rückbau gestoppt“, erzählt Dornieden. So blieben viele Meter Grenzzaun, ein Beobachtungsturm und das Abfertigungsgebäude erhalten. Diese Ensemble nutzte der Verein als Grundlage für sein Museum, das 1995 eröffnete. Seitdem zählte es rund 900 000 Besucher. „Nach 15 Jahren mussten wir das Konzept jetzt aktualisieren und neue Forschungsergebnisse einarbeiten“, sagt Paul Schneegans.

Die Ausstellungsfläche wurde von 600 auf 1000 Quadratmeter aufgestockt. Für 700 000 Euro entstand ein neues Besucherzentrum. Insgesamt kostete das länderübergreifende Projekt 2,5 Millionen Euro. Davon steuerte der Bund eine Million bei, Thüringen 900 000 und Niedersachsen 400 000 Euro. Der Rest stammt aus Spenden. Zur Eröffnung am 20. August und dem anschließenden Wochenende werden rund 10 000 Besucher erwartet.

Claudia Götze, dpa

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