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Staffordshire-Bullterrier beißen Dreijährige tot - Ermittlungen gegen Tante

Staffordshire-Bullterrier beißen Dreijährige tot - Ermittlungen gegen Tante

Es ist eine furchtbare Tragödie, die das idyllische Sachsenburg im thüringischen Kyffhäuserkreis in eine Art Schockstarre versetzt: Ein dreijähriges Mädchen wurde am Freitagabend totgebissen - von den vier Kampfhunden seiner Tante.

Sachsenburg. Warum die Staffordshire-Bullterrier urplötzlich über die Kleine herfielen, vermag derzeit keiner zu sagen. Thüringens Innenminister Peter Huber (CDU) hofft, dass Polizei und Staatsanwaltschaft die Hintergründe des schrecklichen Vorfalls aufdecken können. „Mein ganzes Mitgefühl gilt den Eltern des kleinen Mädchens“, kondoliert der Minister am Samstag.

Der kleine Oldislebener Gemeindeteil trauert um das Kind, das so grausam starb. In Sachsenburg herrscht Totenstille. Viele Einwohner haben Tränen in den Augen, als sie von Journalisten angesprochen werden. „Wir sind tief erschüttert“, spricht der Bürgermeister von Oldisleben, Joachim Pötzschke, für die Gemeinde. Zugleich fordert er strengere Vorschriften für die Hundehaltung. Die Bullterrier seien nicht bei den Behörden gemeldet gewesen. Eine Nachbarin erzählt, dass sie schon immer Angst vor den Hunden hatte, die von der Tante des Opfers gezüchtet und im Zwinger gehalten worden seien.

Das kleine Mädchen besucht am Freitagabend mit seiner Urgroßmutter die Tante, die gerade mit ihren Hunden im Garten ist. Als die beiden das Einfamilienhaus betreten, geht alles ganz schnell. Wie wild greifen die Hunde unvermittelt an. Sie verbeißen sich derart in dem Mädchen, dass es noch an Ort und Stelle stirbt. Die Tiere fügen dem Kind massive Verletzungen an Kopf und Oberkörper zu. „Das Gesicht des Mädchens wurde regelrecht zerfetzt“, sagte Polizeisprecherin Jeanette Schwahn-Witzenhausen. Den Beamten bietet sich ein blutiges Bild: „Auch für die Rettungs- und Einsatzkräfte ist so etwas nicht alltäglich, sie müssen erstmal den Schock verkraften.“

Die Uroma hatte verzweifelt versucht, das Mädchen zu schützen. Sie wirft sich auf ihre Urenkelin, um die Hunde abzuwehren - vergebens. Die Tiere zerfleischen das Mädchen vor ihren Augen. Die 70-Jährige wird ebenfalls angefallen und trägt Bisse im Gesicht und an den Armen davon. Sie liegt im Krankenhaus, schwebt aber nicht in Lebensgefahr. Gegen die 44 Jahre alte Hundehalterin wird indes wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Sie sollte noch am Samstag vernommen werden. Die Eltern und die Familie des Mädchens werden seelsorgerisch betreut.

Die vier Hunde waren unmittelbar nach der Tragödie vom Amtstierarzt eingeschläfert worden. Bei vorangegangenen Besuchen der Uroma und des Mädchens habe es nie Probleme mit den Tieren gegeben, berichtete die Polizei. Dennoch wird nun auch unter Thüringer Parlamentariern der Ruf nach Konsequenzen laut.

Zwar gibt es im Freistaat seit dem Jahr 2000 eine Gefahrenhundeverordnung. Diese legt jedoch keine besonderen Auflagen für bestimmte Rassen fest. Die Gefahreneinstufung bestimmter Rassen ist in den Ländern höchst unterschiedlich geregelt. „Wir haben damals bewusst darauf verzichtet, denn nicht die Hunde sind das Problem, sondern die Halter“, verteidigt der Sprecher des Innenministeriums, Bernd Edelmann, die Verordnung.

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Wolfgang Fiedler, sieht genau darin allerdings ein Versäumnis. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, sagt er dem MDR 1 Radio Thüringen. Auch der SPD-Abgeordnete Heiko Gentzel erklärt, die bisherige Praxis müsse überdacht werden. Gentzel wolle sich dafür einsetzen, dass eine Liste der gefährlichen Hunde erarbeitet werde, für die besondere Regeln gelten. Die Hundehalter müssten mehr in die Pflicht genommen werden. Erst Ende April hatte in Brandenburg ein Hund ein acht Wochen altes Baby totgebissen. Das kleine Mädchen aus Sachsenburg hätte in wenigen Tagen seinen vierten Geburtstag gefeiert.

Annett Gehler, dpa

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