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Streit um „Frühaufsteher“-Werbung in Sachsen-Anhalt

Streit um „Frühaufsteher“-Werbung in Sachsen-Anhalt

Ist es nun eine geniale Idee oder einfach nur peinlich? Seit fünf Jahren wirbt Sachsen-Anhalt mit dem Slogan „Wir stehen früher auf“, sieht sich damit in einer Liga wie Baden-Württemberg („Wir sprechen alles, außer hochdeutsch“).

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Ist es nun eine geniale Idee oder einfach nur peinlich? Seit fünf Jahren wirbt Sachsen-Anhalt mit dem Slogan „Wir stehen früher auf“, sieht sich damit in einer Liga wie Baden-Württemberg („Wir sprechen alles, außer hochdeutsch“).

Quelle: Land SachsenAnhalt

Magdeburg. Doch statt bundesweit für Aufsehen sorgt der Spruch jetzt für Ärger in der Heimat.

Denn Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) findet ihn nur noch nervig, das Land werde dafür vor allem belächelt. „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie ich diesen Slogan hasse“, zitierte ihn die „Mitteldeutsche Zeitung“. Linke-Fraktionschef Wulf Gallert sprang dem Minister am Donnerstag bei und forderte eine Ende des „Unfugs“. „Diese Kampagne ist unpassend und überflüssig.“

Staatskanzlei und CDU-Landtagsfraktion widersprachen vehement. „Die Kampagne hat den Bekanntheitsgrad Sachsen-Anhalts in den vergangenen Jahren deutlich erhöht“, sagte Regierungssprecherin Monika Zimmermann. „Sie wird in Fachkreisen als sehr gelungen eingestuft.“ Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) forderte die Kritiker auf, eigene Vorschläge zu machen. „Einfach platt zu machen und zu kritisieren, hat noch niemandem geholfen“, sagte er im MDR.

Die Werbeaktion wurde 2005 gestartet und kostete 2,5 Millionen Euro. Ausgangspunkt war eine Umfrage, nach der die Sachsen-Anhalter im Schnitt morgens um 6.39 Uhr aufstehen - und damit angeblich früher als alle anderen Deutschen. Seither ziert der Slogan zum Beispiel bundesweit Plakate, kommt in Kino- oder Internetspots vor. Autofahrer werden auf Autobahnen an der Landesgrenze „im Land der Frühaufsteher“ willkommen geheißen.

Die Idee dabei: Frühaufsteher - also die Sachsen-Anhalter - sollen tüchtiger und kreativer sein als Langschläfer. Das zündet offensichtlich nicht immer. Überall, wo er hinkomme, werde er darauf angesprochen, allerdings nicht positiv, beklagte Bullerjahn. „Das wird meist kritisch hinterfragt, im besten Fall nur milde belächelt.“ Und weiter: „Früh aufstehen ist ja noch kein Wert an sich.“ Eine Neuausrichtung sei dringend geboten.

Auch Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) will - passend zu den Begrüßungsschildern an der Autobahn - „mehr Drive“ in die Kampagne bekommen, wie er der Zeitung verriet. Nach innen habe der Slogan durchaus funktioniert, die Identifikation gerade junger Leute mit ihrem Bundesland habe deutlich zugenommen. Ein Problem sieht er aber beim Außenmarketing: „Gerade im Westen wirkt das abschreckend, die Leute dort wollen gerne mal vernünftig ausschlafen.“ Die neue Landesregierung müsse das Thema nach der Wahl 2011 neu anpacken.

Der Vorsitzende des Tourismusverbandes, Lars-Jörn Zimmer, findet die Kampagne gut. „Im überregionalen Marketing hat dem Land zuvor ein echter Aufhänger gefehlt. Wir haben kein Neuschwanstein, keine Lederhosen und wir sprechen auch nicht sächsisch“, erklärte der CDU-Landtagsabgeordnete. FDP-Fraktionschef Veit Wolpert sieht in dem Frühaufsteher-Spruch eine eingeführte Marke. Weiterentwickeln ja, neue Kampagne nein, denn: „Auch eine neue Landesregierung wird nicht viel Geld für bunte Bilder ausgeben können.“

Stefan Kruse, dpa

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