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Streit um Landesgartenschau: Markkleeberg, Borna, Delitzsch und Wurzen wollen Zuschlag

Streit um Landesgartenschau: Markkleeberg, Borna, Delitzsch und Wurzen wollen Zuschlag

Alles fing so beschaulich an: Mitte Februar beschloss der Stadtrat Borna über eine Bewerbung für die Landesgartenschau 2015 nachzudenken. Damit war Borna zunächst allein, die möglichen Konkurrenten aus dem Landkreis Leipzig winkten erstmal ab.

Leipzig. „Zu allererst wollen wir uns auf das Landeserntedankfest und unser 1050-jähriges Stadtjubiläum im kommenden Jahr konzentrieren“, sagte Jörg Röglin, der Wurzener Oberbürgermeister. Wurzen habe zwar das Potenzial zur Ausgestaltung der Schau. Doch klar sei auch, dass dafür viel Geld locker zu machen sei. Und die kommenden Haushalte würden für die Stadt sehr, sehr eng. Auch Grimma hatte schon Pläne in der Schublade, doch Oberbürgermeister Matthias Berger bremste zunächst: Es gebe in der Stadt keine innerstädtische Industriebrache, die man mit einer Landesgartenschau aufwerten könne. Fest steht für ihn auch: Eine Bewerbung von drei Städten aus dem Landkreis wäre unklug. „Dann müsste man sich mal an einen Tisch setzen.“

Borna war da schon wesentlich weiter. Noch bevor klar war, ob es in Sachsen überhaupt 2015 eine Gartenschau geben werde – dies wollte der Freistaat erst nach der Abrechnung der Schau von 2009 in Reichenbach entscheiden – wurde die Gründung eines Fördervereins angeschoben. Am 25. Februar trafen sich Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Vereinen zum ersten Mal im „Goldenen Stern" in Borna CDU-Stadtrat Sylvio Weise pries die mögliche Ausrichtung der Landesgartenschau als „einen enormen Entwicklungssprung“ an. Und weiter: „Das bedeutet eine Weiterentwicklung in recht kurzer Zeit.“ Mit Blick auf die mögliche Konkurrenz stellte Weise fest, dass es für Borna aktuell egal sei, ob sich andere Städte im Landkreis wie Wurzen oder Grimma ebenfalls um die Landesgartenschau bemühen wollten. Immerhin, so Weise, habe sich Borna bisher als einzige Kommune konkret mit einem Stadtratsbeschluss zur Bewerbung bekannt.

Zusage des Landes löst Bewerberwettstreit aus

Doch mit der relativen Ruhe in Grimma und Wurzen war es bald vorbei. Spätestens als der Umwelt- und Landwirtschaftsminister Frank Kupfer am 12. April verkündete, Städte und Gemeinden aus Sachsen können sich um die Ausrichtung der 7. Landesgartenschau im Jahr 2015 bewerben, nahm die Sache fahrt auf. Die bis zu 3,5 Millionen Euro, die  das Land für die erforderlichen Investitionen bereit stellt, ließen in einigen Rathäusern Bedenken über geeignete Flächen und leere Kassen schwinden. Die Bornaer, die sich mit ihrem klaren Bekenntnis und dem bereits gegründeten Förderverein am Drücker wähnten, sahen sich auf einmal einer möglichen Allianz von Grimma und Wurzen gegenüber. Der Grimmaer Oberbürgermeister Matthias Berger und sein Wurzener Amtskollege Jörg trafen sich, „um eine gegenseitige Konkurrenz auszuschließen“. Ergebnis: Grimma unterstüttz Wurzen bei der Bewerbung um die LaGa, Grimma selbst hatte nun auf einmal festgestellt, dass die Landesgartenschau nichts für die Stadt sei. Der Tag der Sachsen dagegen sehr wohl. Um diesen wolle man sich mit Hilfe Wurzens bemühen, auch wenn Grimma diesen erst vor kurzem ausgerichtet hatte. Doch damit nicht genug. Nachdem sich Borna nun einer Allianz aus Grimma und Wurzen gegenüber sah, kam am 18. April ein weiterer Konkurrent hinzu. „Jetzt oder nie“ sagte der  Markkleeberger Rathauschef Bernd Klose mit Blick auf die Landesgartenschau 2015. Klose verspricht sich dabei auch Unterstützung für ein ambitioniertes Projekt: die Absenkung der Bundesstraße 2 im Markkleeberger Agra-Gelände, derzeit eine Hochstraße mit dringendem Sanierungsbedarf. Hinzu kommt das Ende des Stadtsanierungsprogramms in Markkleeberg. Da kämen die 3,5 Millionen für die Gartenschau ganz recht. Spätestens jetzt war den Bornaern klar, dass das Thema kein Selbstläufer ist. „Hier geht es nicht um eine Blümchen-Olympiade“, meinte Ex-Staatsminister Rolf Jähnichen der mittlerweile zum Vorsitzenden des Fördervereins Sächsische Landesgartenschau Borna erkoren worden war. „Vor uns steht eine knochenharte Arbeit“, sagte er wenige Tage nach dem Bekanntwerden der Markkleeberger Begehrlichkeiten.

Politische Rückversicherung und ein neuer Interessent

Nun war allen klar, dass mit schönen Konzepten allein nichts zu gewinnen ist. Die Bewerbungen mussten politisch flankiert werden, das Gerangel um die Unterstützung der Landtagsabgeordneten begann. Da schien Markkleeberg zunächst im Vorteil. Nicht weniger als vier Abgeordnete haben ihren Wohnsitz am Cospudener See: Oliver Fritzsche (CDU), Anja Jonas (FDP), Heike Werner (Linke) und nicht zuletzt die frühere Bornaer SPD-Landrätin Petra Köpping. Doch allein Fritzsche, der auch Stadtrat in Markkleeberg ist, bekennt sich klar zu seiner Heimatstadt. Heike Werner ist hin- und hergerissen: „Es ist ein Interessenkonflikt.“ Doch sie bekennt, dass die grüne Großveranstaltung für Borna wichtiger sei. Das sieht auch Petra Köpping so: „Borna hat es schwerer als Markkleeberg.“ In ihrer Gunst stehe Borna deshalb oben. Anja Jonas von der FDP will sich noch nicht festlegen, sondern erst die Bewerbungsunterlagen sichten. Enrico Stange (Linke) und Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) stehen als Bornaer selbstverständlich zu ihrer Stadt. Auf der Ebene der Landespolitik scheint das Pendel also zu Gunsten von Borna auszuschlagen. Wer es auf einen Zweikampf zwischen Borna und Markkleeberg herauslaufen sah, der muss enttäuscht werden. Mit aller Wahrscheinlichkeit wirft am Donnerstag auch Delitzsch seinen Hut in den Ring. Nach einer Beschlussvorlage der Stadt soll der gesamte Grüngürtel westlich und nördlich der Altstadt in das Projekt eingebunden werden. Der Schlossgarten würde zur Barock-Kunstlandschaft, am Rosental entstünde eine Blumenhalle und im Stadtpark ein Info-Weg der Bäume. So jedenfalls lauten die ersten Ideen der Stadtverwaltung. Delitzsch habe sehr gute Voraussetzungen für die Durchführung einer solchen Veranstaltung, heißt es in der Beschlussvorlage. Außerdem biete die Schau viele Chancen: Für die Delitzscher verbessere sich die Lebensqualität und für die Stadt an sich die Wahrnehmung als Touristen-Ziel. Unter anderem könnten Brachen aufgewertet und die Infrastruktur optimiert werden, heißt es. Gedanken die auch die Verantwortlichen in Wurzen, Borna und Markkleeberg haben. Welches Potential eine Landesgartenschau hat, zeigte das Beispiel Reichenbach „Dort waren das halbe Jahr über ständig 300 Hotelbetten belegt, 1500 Parkplätze und zwanzig Busparkplätze besetzt“, sagte Rolf Jähnichen Vorsitzender der Initiative in Borna. Zusammen mit den 3,5 Millionen vom Freistaat ist das kein Paket, was man einer anderen Kommune einfach kampflos überlässt. Als Voraussetzung für eine Bewerbung gilt ein Konzept mit Finanzierungsplan. Darüber hinaus müssen die Bewerber über ein zusammenhängendes Gelände von mindestens zehn bis 15 Hektar Größe verfügen. Bewerbungsschluss wird voraussichtlich der 30. September 2010 sein. Über den Ausrichter entscheidet bis Ende des Jahres das Kabinett.

Florian Ibrügger

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