Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Suche nach Neonazi-Trio: Rolle von Zielfahndern umstritten

Suche nach Neonazi-Trio: Rolle von Zielfahndern umstritten

Das Handeln des Thüringer Landeskriminalamtes (LKA) bei der Verfolgung des Jenaer Neonazi-Trios wirft weiter Fragen auf. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) berichtete am Freitag, eine geplante Festnahme der abgetauchten Bombenbauer sei Ende der 1990er Jahre in letzter Minute gestoppt worden.

Erfurt. Zielfahnder hätten zwischen 1998 und 1999 die drei Tatverdächtigen in Chemnitz aufgespürt, berichtete MDR Thüringen am Freitag. Dagegen erklärte das LKA mit Hinweis auf den Zeitraum 1998 bis 2000, Zielfahnder hätten das Jenaer Neonazi-Trio nach seinem Abtauchen gar nicht im Visier gehabt.

Die Zielfahnder hätten in den Jahren 1998 bis 2000 zu keinem Zeitpunkt Kenntnis vom konkreten Aufenthaltsort von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe gehabt, teilte das LKA am Freitagabend mit. Zunächst war nur von den Jahren 1999 und 2000 die Rede. Später präzisierte die Behörde dann ihre Angaben und teilte mit, dass die Angaben „auch den Zeitraum der Fahndung im Jahr 1998“ umfassten.

Weil der Aufenthaltsort des Trios unbekannt gewesen sei, sei auch kein Einsatz des Spezialeinsatzkommandos (SEK) für eine Festnahme in Chemnitz geplant gewesen. Es sei deshalb auch nicht richtig, dass eine „Festnahme auf Weisung der vorgesetzten Stelle nicht durchgeführt wurde“. Das LKA verwies zudem auf die vom Innenministerium eingesetzte Untersuchungskommission, die ihre Arbeit am kommenden Mittwoch (23. November) aufnehme.

Der MDR hatte berichtet, das alarmierte SEK des Thüringer Landeskriminalamtes habe einen fertigen Einsatzplan für die Festnahme gehabt, sei aber kurz vor dem Aufbruch nach Sachsen gestoppt worden. Laut MDR soll das LKA damals auch die Zielfahnder zurückgerufen haben. Das Thüringer Innenministerium wollte den Bericht mit Verweis auf die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft und die Untersuchungskommission nicht kommentieren.

Nach den MDR-Informationen sollen sich die beteiligten LKA-Beamten massiv beschwert haben, woraufhin es ein Gespräch zwischen „hohen Vertretern des Innenministeriums“ und den Polizisten gegeben habe. Unklar sei, ob ihnen dabei ein Grund für den Abbruch der Aktion genannt worden sei. Die drei Mitglieder der späteren Terrorzelle waren der Polizei als mutmaßliche Bombenbauer ins Visier geraten. Bei einer Razzia Anfang 1998 fanden die Ermittler eine Werkstatt mit vier funktionsfähigen Rohrbomben und 1,4 Kilogramm des Sprengstoffs TNT. Das Trio tauchte unmittelbar nach dem Fund der Werkstatt unter.

Thüringens ehemaliger Innenminister Richard Dewes (SPD) wollte den Bericht nach MDR-Angaben nicht kommentieren, da er „rechtliche Regeln“ beachten müsse. Dewes war in der CDU/SPD-Koalition in Thüringen von 1994 bis 1999 Innenminister. Sein Nachfolger Christian Köckert (CDU) war nach der für die SPD verlorenen Landtagswahl am 1. Oktober 1999 als Innenminister vereidigt worden. Köckert hatte zuletzt gesagt, dass er sich an die Fahndung nach den flüchtigen Bombenbauern nicht erinnere. Es sei eine „anachronistische“ Annahme, dass ein Minister über alle derartigen Vorgänge informiert sei. Die Ermittlungen gegen das Trio waren 2003 wegen Verjährung eingestellt worden.

Vor knapp einer Woche hatte Thüringens Innenminister Jörg Geibert (CDU) in einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ die Vermutung eines LKA-Zielfahnders aus dem Jahr 2001 erwähnt, wonach einer der mutmaßlichen Täter durch eine Behörde gedeckt werde. Damals sei vermutet worden, dass eine der gesuchten Personen eine Quelle des Verfassungsschutzes gewesen sei. Daraufhin habe der Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz reagiert und dienstliche Erklärungen in seinem Hause zu dem Vorwurf eingeholt. Die Auskünfte hätten ergeben, dass der Kriminalbeamte falsch gelegen habe.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr