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Suche nach der Slawenburg Gana im Landkreis Leipzig: Die Spuren versinken im Acker

Suche nach der Slawenburg Gana im Landkreis Leipzig: Die Spuren versinken im Acker

Seit zehn Jahren untersuchen Archäologen einen Hügel zwischen Hof und Stauchitz im Kreis Meißen. Noch aber fand sich dort kein Beleg, dass hier tatsächlich die legendäre Slawenburg Gana stand, mit deren Eroberung im Jahr 929 die Herrschaft der Sachsen in Sachsen begann.

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Maria Rudolph von der Deutschen Stiftung für Denkmalpflege erläutert, wie künftig im Vorbeifahren Wissenswertes zur Grabung bei Stauchitz per Mobiltelefon zu empfangen ist.

Quelle: Sven Bartsch

Stauchitz. Jetzt müssen die Reste vor dem Verschwinden gerettet werden.

Der Zustand des Bodendenkmals bereitet den Archäologen Sorgen. Nach einem Jahrzehnt haben sie an der Grabungsstätte Hof-Stauchitz wieder den Boden geöffnet. Ein Ortsschild fand sich auch diesmal nicht - so etwas war bei den Daleminziern im frühen Mittelalter nicht üblich. Aber das, was hier auf dem Acker vor 1100 Jahren stand, war eine "herausragende Anlage", wie der Archäologe Thomas Westphalen sagt. "Das hier war kein Bürglein, das war eine Burg", so der Abteilungsleiter vom Dresdner Landesamt für Archäologie. "Aber eben nicht die einzige in der Nähe."

Seit fast 100 Jahren streiten Historiker und Archäologen darüber, ob die verkohlten Reste am Rande von Stauchitz zu der Festung gehörten, die der sächsische Chronist Widukind von Corvey als "urbs quae dicitur Gana" erwähnte. Dieses Gana, der Herrschaftssitz des Slawenstamms der Daleminzier, soll der Sachsenkönig Heinrich I. im Winter 928 belagert und erobert haben. Dann zog der Herrscher aus dem Harz weiter an die Elbe, gründete Meißen und damit quasi das Sachsenland. So schreibt es Widukind, der Haus-Reporter der Ottonen-Dynastie, der sich mit Ortsbeschreibungen nicht länger aufhält. Lag Gana nun also hier zwischen dem Flüsschen Jahna und der Bundesstraße 169, zwischen dem Edeka-Auslieferzentrum und dem Jungpflanzenbetrieb? Heimatforschersagen: Klar. Die Fachleute sagen: Kann sein. Auch der Burgberg in Zschaitz, 13 Kilometer weiter südlich, könnte Gana gewesen sein.

In Stauchitz griffen die Archäologen 2003 zum Spaten. Bei den Grabungen kam eine Wehranlage zum Vorschein, an der Generationen gebaut hatten. Die Wehranlage war zu ihrer Blütezeit etwa 75 mal 75 Meter groß. Der Archäologe Matthias Rummer spricht von mehreren Gräben und einem aufgeschütteten Erdwall, der durch eine Kastenkonstruktion aus Holz bewährt war. Alles in allem war die Befestigung 15 Meter hoch.

Auch ein Grab wurde 2003 gefunden. "Eine Hockerbestattung aus der Kugelamphorenkultur", erklärt Rummer, "daneben Reste von slawischer Keramik, mit denen sich die Blütezeit der Burg gut eingrenzen lässt." Das Stauchitzer Gana blühte demnach im 10. Jahrhundert - was zu Widukinds Bericht passen würde. Auch fanden sich Hinweise auf eine Zerstörung der Anlage. Aber wann genau - wer weiß? Was das Landesamt nach zehn Jahren Forschung vor Ort allerdings genau weiß: Das Bodendenkmal verschwindet langsam.

Das Gelände wird landwirtschaftlich genutzt - und somit die aussagekräftigen Reste der Daleminzier nach und nach vom Traktor plattgefahren. "Durch den Vergleich von Höhenmodellen wissen wir, dass der Wall in den letzten 40 Jahren erheblich geschrumpft ist", sagt Archäologe Westphalen. Mittlerweile ist nur noch eine flache Erhebung zu erkennen. Immerhin habe man den Landwirt überzeugen können, auf den Pflug zu verzichten. Der hat jahrzehntelang die oberen Schichten der Burg zerwühlt. So finden sich im Dreck immer wieder mal Bruchsteine aus Ostrauer Plattendolomit, die weiter unten einst verbaut waren.

Jetzt kommt es darauf an, das Bodendenkmal bekannter zu machen, um es dauerhaft zu sichern. Das Landesamt will dafür Konzepte entwickeln, die Archäologie, Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus unter einen Hut bekommen. So soll aktuell ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz den Zugang zu Gana erleichtern.

Mit dem internetfähigen Smartphone lassen sich schon beim Vorbeifahren Infos zur Grabungsstätte abrufen. Ob nun Gana oder nicht, das ist für den Oschatzer Heimatforscher Gert Jubisch zweitrangig. "Wir haben hier eine große Dichte slawischer Besiedlung, das steht fest."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.04.2013

Christine Keilholz

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