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Susann Heide-Ludwig hat die schweren Züge am Haken - 35-Jährige aus Großenhain fährt eine Rangierlok

Susann Heide-Ludwig hat die schweren Züge am Haken - 35-Jährige aus Großenhain fährt eine Rangierlok

Eigentlich wollte sie Krankenschwester werden. "Eben ein typischer Frauenberuf, in dem man anderen Menschen hilft", sagt Susann Heide-Ludwig lächelnd. Stattdessen fährt die 35-Jährige heute 1300 PS starke Lokomotiven und zieht Güterzüge, die manchmal mehr als einen halben Kilometer lang sind.

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Susann Heide-Ludwig vor einer Rangierlok, mit der sie schwere Güterzüge bewegt.

Quelle: Heidi Gruner

Zeithain. Bei ihrem Arbeitgeber, der Firma Captrain in Zeithain im Kreis Meißen, ist sie die einzige Lokführerin unter vielen Männern.

Schon während der Ausbildung war sie fast allein unter Männern. "Wir waren 100 Lehrlinge, darunter nur vier Mädchen", erinnert sich Heide-Ludwig. Ausbildungsplätze als Krankenschwester seien Mitte der neunziger Jahre rar gewesen. Die Bahn hingegen suchte Nachwuchs, "auch wenn von Anfang an klar war, dass wir nach der Lehre nicht übernommen werden", erzählt sie. Die Ausbildung machte der gebürtigen Großenhainerin Spaß, auch die Spezialisierung auf Güterverkehr. Doch einen vernünftig bezahlten Vollzeitjob fand die junge Lokführerin in Ostdeutschland nicht. 1999 ging sie deshalb für drei Jahre nach Baden-Württemberg, fuhr dort Nahverkehrszüge im Großraum Stuttgart. 20 Jahre war sie damals alt und muss bis heute über eine Begebenheit lachen. "Als ich an einer Endstation kurz ausstieg, schauten mich zwei ältere Damen mit großen Augen an und fragten, ob ich den Zug zurück nach Tübingen fahren würde", erzählt Heide-Ludwig. Als sie wenig später losfahren will, weigern sich die Damen, bei der jungen Frau einzusteigen. "Sie wollten lieber eine Stunde auf den nächsten Zug warten, doch da hätte wieder ich dringesessen", sagt sie schmunzelnd. Den beiden blieb nichts anderes übrig, als mitzufahren - sonst hätten sie auf die nächste Verbindung bis zum nächsten Morgen warten müssen.

Vom ersten Tag an plagte die Sächsin in Süddeutschland jedoch das Heimweh. Ihren Freund und heutigen Ehemann sah sie zu dieser Zeit nur alle zwei Wochen. Für die beiden stand fest, dass der Job im Westen nur eine Zwischenstation sein sollte. Als sich im Jahr 2002 Sohn Lucas ankündigte, kehrte Heide-Ludwig ins sächsische Großenhain zurück. Schon bald danach wurde Tochter Hannah geboren. Die junge Mutter hatte Glück: Nach der Elternzeit fand sie im nahen Zeithain eine Anstellung als Lokführerin im Transportverkehr. Die Schicht- und Wochenenddienste, die der Beruf mit sich bringt, machten das Familienleben nicht immer einfach. Auch der Ehemann arbeitet im Schichtdienst, nur ein Wochenende im Monat sind alle vereint. "Dann dürfen allein die Kinder entscheiden, was gemacht wird", so Heide-Ludwig, "denn sie müssen ja sonst viel zurückstecken."

Ihren Beruf liebt die junge Frau trotzdem über alles und möchte nichts anderes machen. Nur manchmal, wenn sie abends allein auf dem dunklen Bahngelände zu ihren Zügen läuft und es irgendwo im Gebüsch raschelt, überfällt sie ein leichter Grusel. "Bislang waren das aber immer nur Rehe", lacht sie, "wenn die dann aus dem Gebüsch gesprungen kommen, erschrecken sie mindestens genauso wie ich." Bislang hat sie ihre Züge unfallfrei gefahren und hofft, dass das auch so bleibt. Dass sie nicht Krankenschwester geworden ist, hat Heide-Ludwig keinen Moment bereut. "Ich würde jederzeit alles wieder so machen", sagt die Lokführerin und strahlt übers ganze Gesicht: "Ich bin richtig glücklich und zufrieden."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.11.2013
Heidi Gruner

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