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Teddy-Klinik in Halle will Angst vorm weißen Kittel nehmen

Teddy-Klinik in Halle will Angst vorm weißen Kittel nehmen

Auf dem OP-Tisch in der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg liegt auf einem weichen Kissen der „Patient" Herr Bär mit einer Sauerstoffmaske. Ganz gespannt und mucksmäuschenstill verfolgen zehn kleine Mädchen in grünen Kitteln und Häubchen auf dem Kopf das, was der Teddy-Arzt Christian Blodan mit dem Holzspatel ganz akkurat macht.

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Eine Medizinstudentin (r.) versorgt die Wehwehchen von Stofftieren am Montag in Halle (Saale). Die kleinen und großen Wehwehchen von Teddy, Puppe und Kuscheltier werden ab heute in Halle behandelt.

Quelle: dpa

Halle/Leipzig. Damit schneidet der Medizinstudent symbolisch dem Teddybär den Kullerbauch auf. In Wahrheit öffnet er an dem Demonstrationsobjekt einen Reißverschluss, und einzelne Organe wie ein rotes Herz aus Plüsch kommen zum Vorschein.

Bereits zum achten Mal öffnete am Montag für einige Tage das spielerische Krankenhaus an der Uni. Die Idee dafür reifte laut den Organisatoren bereits vor mehreren Jahren in Halle. „Teddy-Kliniken" gibt es aber auch in anderen Städten, etwa in Leipzig oder Magdeburg.

In Halle beantworten die Mädchen eifrig die Fragen des angehenden Mediziners, etwa was sich im Bauchraum eines Menschen befindet. Wie sich bei der simulierten Operation herausstellt, hat es den „Patienten" arg getroffen, der Blinddarm ist entzündet. Aus dem Lehrteddy wird ein gelber Wurmfortsatz per Klettverschluss und Holz-Spatel abgetrennt, der Bauch wieder zugemacht.

Die Kinder atmen hörbar auf und ziehen dann mit ihrem eigenen Spielzeug unterm Arm in die weitere Räume der Station, um ihre Lieblinge einem anderen der etwa zehn Medizinstudenten vorzustellen - ob wegen eines gebrochenen Rüssels beim Elefanten oder Rückenschmerzen einer Puppe.

Die künftigen Ärzte aus dem zweiten und dritten Studienjahr betreuen seit Montag eine Woche lang in den ehemaligen Räumen der Hals-Nasen-Ohren-Klinik der Universität in der Teddy-Klinik täglich etwa fünf Gruppen mit je 20 bis 25 Jungen und Mädchen aus Kindergärten der Region.

Im Vorjahr kamen mehr als 1000 Kinder in das zeitweilige Teddy-Krankenhaus, wie Juliane Beckmann, eine der Organisatorinnen, erklärte. Neben Sprechzimmern und einer symbolischen Röntgenabteilung gibt es dort auch eine Apotheke, wo Tabletten für den Teddy Bonbons sind. In einem anderen Raum für den Zahnarzt erklärt Studentin Luise Wilke den Kindern spielerisch die Mundhygiene.

„Wir wollen mit der Teddy-Klinik den Kindern die Angst vorm weißen Kittel nehmen, und zugleich Wissen vermitteln", sagte die angehende Medizinerin Christin Luther, die bei der Bärchen-OP assistierte. Gleichzeitig wollen die Studenten lernen, wie man mit Kindern angemessen kommuniziert, wie man ihnen etwas erklärt und sie dabei mit ihren Sorgen und Ängsten um ihr Kuscheltier oder die Puppe auch ernst nimmt.

„Wir zeigen hier alles, was ein Hausarzt macht, schauen dem Teddy ins Ohr, horchen ihn ab, legen einen Verband an oder schicken ihn zum Röntgen", sagte die junge Frau. „Das macht mit den Kindern aber auch unglaublichen Spaß, sie sind voll bei der Sache", sagte „Operateur" Blodan, dessen Berufswunsch Kinderarzt sei.

Der weiße Teddy von Linn hat Glück gehabt, er muss nicht auf den OP-Tisch. Eine weiße Binde hat er am Arm, es ist nur eine Prellung, so die Diagnose. Die Fünfjährige drückt ihren Teddy ganz vorsichtig an sich und geht wie andere der Gruppe mit ihren Betreuern zum Rettungswagen vor das Klinikgebäude, um sich dort den Ernstfall von einer angehenden Notärztin erklären zu lassen.

Petra Buch, dpa

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