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Terrorangst: Jeder Vierte will auf Gottesdienste verzichten

Studie zur islamistischen Gewalt Terrorangst: Jeder Vierte will auf Gottesdienste verzichten

Nach einer Umfrage will jeder Vierte aus Angst vor einem islamistischen Terroranschlag in nächster Zeit Kirchenbesuche oder Gottesdienste meiden. Leipzigs Thomaspfarrerin Britta Taddiken warnt indes vor Hysterie: Verschärfte Kontrollen werde es in der Thomaskirche nicht geben.

Großer Andrang beim Katholikentag in Leipzig: Zehntausende kamen im Mai zu den großen Gottesdiensten unter freiem Himmel. Doch die Angst vor einem Anschlag schwingt bei vielen mit, wenn sie Massenveranstaltungen besuchen.
 

Quelle: André Kempner

Erfurt/Leipzig.  Die Terrorangst erreicht auch die christlichen Gemeinden in Deutschland. Gut jeder vierte regelmäßige Gottesdienstbesucher in Deutschland (27,5 Prozent) möchte aus Angst vor islamistischen Anschlägen in nächster Zeit keine Kirchen oder anderen religiösen Stätten besuchen. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA-Consulere (Erfurt) im Auftrag der evangelischen Nachrichtenagentur idea. Abgesehen von der Häufigkeit des Gottesdienstbesuchs wollen 18 Prozent der Befragten einen Bogen um Kirchengebäude machen; mehr als die Hälfte (57 Prozent) sieht dafür keinen Grund.

Ostdeutsche und Frauen haben die größte Terrorangst

Innerhalb Deutschlands scheint die Terrorangst im Osten noch ein gutes Stück größer zu sein als im Westen. So wollen besonders in Ostdeutschland, wo ohnehin nur eine Minderheit zur Kirche gehört, in den nächsten Wochen noch mehr Menschen Gotteshäuser meiden als sonst. Auch zwischen den Geschlechtern gibt es Unterschiede: So fürchten sich Frauen (19,7 Prozent) stärker vor möglichen Anschlägen als Männer (17 Prozent). Zudem scheint das Alter eine Rolle zu spielen: Je älter die Befragten waren, desto größer war die Angst vor Terror. Wollen unter den 18- bis 24-Jährigen lediglich 12,8 Prozent Kirchen meiden, so ist es unter den 55- bis 64-Jährigen fast jeder Fünfte (19,8 Prozent).

Magdeburger Bischöfin Junkermann: Wir wollen mehr offene Kirche

Dennoch will beispielsweise die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) am Konzept der offenen Kirchen festhalten. Zu Jahresbeginn hatte die EKM eine entsprechende Initiative gestartet und für die Gemeinden eine Handreichung erstellt, die Sicherheitsfragen klären sollen. EKM-Bischöfin Ilse Junkermann sagte, Ziel sei es, das bis zum Reformationsjubiläum 2017 alle Kirchen verlässlich geöffnet sind. Derzeit sind in Mitteldeutschland nur 3,5 Prozent aller Gotteshäuser ständig geöffnet, 12 Prozent werden bei Nachfrage von Besuchern außerhalb der Gottesdienstzeiten punktuell geöffnet. EKM-Sprecher Friedemann Kahl sagte, er beobachte in der Praxis keine zunehmenden Ängste der Menschen vor Kirchenbesuchen. „Im Gegenteil: Ich kenne auch genügend Beispiele, wo zu Friedensgebeten nach den terroristischen Anschlägen mehr Menschen als sonst in die Kirchen kommen.“

Keine Taschenkontrollen in der Leipziger Thomaskirche

Die Leipziger Thomaspfarrerin Britta Taddiken warnt ebenfalls vor übertriebenen Ängsten: In der Thomaskirche seien jedenfalls keine verschärften Sicherheitsmaßnahmen wie Taschenkontrollen oder Metalldetektoren geplant. Vielmehr käme es jetzt darauf an, dass die Kirchen und Gemeinden bei den Grundeinsichten des Glaubens blieben: „Ohne Nächsten- und ohne Feindesliebe gibt es auch keine Gottesliebe. Aufmerksam zu sein für den anderen – auch wenn einem das schwerfällt – das ist unser kirchliches Sicherheitskonzept“, sagte Taddiken. Gerade Christen dürften sich nicht aus einem Gefühl der Verunsicherung heraus zum Hass verleiten lassen. „Wenn wir dazu nicht von vornherein bereit sind, dann hilft es auf Dauer auch nicht, unsere Kirchen abzuriegeln wie den Petersplatz in Rom mit Metalldetektoren, Röntgengeräten und Taschenkontrollen“, so die Leipziger Pfarrerin.

Mehrheit vermisst klare Absage der Muslime an Terror

Die Idea-Umfrage ergab zudem, dass die Deutschen sich eine klare Absage der islamischen Gläubigen an jede Form der Gewalt wünschen. Eine deutliche Mehrheit (61 Prozent) vermisst eine klare Distanzierung der Muslime und ihrer Verbände in Deutschland und Europa von den Terroranschlägen der vergangenen Wochen; nur 16 Prozent halten das nicht für notwendig. Während zwei Drittel der Männer eine solche Absage an Gewalt erwarten, sind es unter den Frauen nur 56 Prozent. Ältere sehen die muslimische Gemeinschaft stärker in der Pflicht als Jüngere: Während unter den 18- bis 24-Jährigen gut ein Drittel (38,5 Prozent) eine klarere Abgrenzung von islamistisch motivierten Anschlägen vermisst, sind es unter den über 65-Jährigen mehr als Dreiviertel (77,8 Prozent). Im Osten Deutschlands ist die Erwartung etwas ausgeprägter (63,7 Prozent) als im Westen (60,1 Prozent).

Am 26. Juli hatten islamistische Terroristen in der französischen Stadt Saint-Etienne-du-Rouvray (Normandie) einen Priester ermordet und drei Personen verletzt, eine davon schwer. Die Tat ereignete sich während der Morgenmesse. Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) bekannte sich dazu.

Von Olaf Majer

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