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Thüringen hält trotz Kritik weiter an umstrittenen Babyklappen fest

Thüringen hält trotz Kritik weiter an umstrittenen Babyklappen fest

Diskrete Hinweisschilder, ein Wärmebett, eine Alarmanlage fürs Klinikpersonal und ein Briefumschlag mit Codenummer für die Mutter: In drei Thüringer Kliniken in Erfurt, Eisenach und Saalfeld gibt es „Babykörbchen“ - umgangssprachlich auch „Babyklappe“ genannt.

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Das Angebot der Babyklappe ist umstritten. (Archivbild mit einer Puppe)

Quelle: dpa

Erfurt/Eisenach/Saalfeld. Sie bieten verzweifelten Müttern einen Ausweg für ihr unerwünschtes Baby. Schätzungen zufolge wurden bisher etwa 20 Kinder in den Babykörbchen abgelegt, drei davon allein in den ersten Monaten dieses Jahres. Landesregierung und Klinikbetreiber sind überzeugt, dass auf diesem Weg mit relativ geringem Kostenaufwand Menschenleben gerettet werden können, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab.

„Wenn ein Kind dort landet, was sonst ausgesetzt oder getötet worden wäre, hat sich so eine Einrichtung gelohnt“, sagte Bernd Ismer, Leiter des Klinischen Ethikkomitees des Eisenacher St.-Georg-Klinikums. Wichtig sei, dass solche Kinder in gute Hände kämen, erklärte der Erfurter Chefarzt Udo B. Hoyme, einer der Initiatoren des Projektes in Thüringen. Dabei sei es egal, ob überhaupt nur eins oder nur alle zwei Jahre ein Baby dem Körbchen anvertraut werde.

Die ersten beiden Babykörbchen wurden vor zehn Jahren im Helios-Klinikum in Erfurt und im St-Georg-Krankenhaus in Eisenach aufgestellt. Seit mehr als drei Jahren gibt es dieses Angebot auch an den Thüringen-Kliniken in Saalfeld. Die Babykörbchen wurden auch beibehalten, obwohl der Deutsche Ethikrat in seiner Stellungnahme vom November 2009 empfohlen hat, „Babyklappen und andere Angebote zur anonymen Geburt“ aufzugeben. Begründet wurde das mit Verletzung von Grundrechten des Kindes zur Kenntnis der eigenen Abstammung und auf Beziehung zu seinen leiblichen Eltern. Der Ethikrat bezweifelte, dass gefährdete Frauen über dieses Angebot erreicht würden.

„Wir bewegen uns  in einer rechtlichen Grauzone“, erläuterte Ines Wesselow-Benkert, Referatsleiterin im Thüringer Sozialministerium. Thüringen halte an den Babykörbchen und anonymen Geburten fest, für Fälle, wo die normalen Hilfsangebote die Frauen nicht erreichen. Die landeseigene Stiftung „Hand in Hand“ übernimmt laut Ministerium die Kosten für die anonymen Geburten; die Babykörbchen  werden von den Kliniken getragen.

Genaue Statistiken zu anonymen Geburten und der Zahl der Babys, die in Babykörbchen abgelegt werden, gibt es nicht. Eine Übersicht des Sozialministeriums geht von rund 40 anonymen Geburten im Freistaat seit 2002 aus. Schätzungsweise rund 20 Kinder wurden bisher in den Babykörbchen abgelegt.

Auch in Thüringen ist es schon mehrmals passiert, dass Neugeborene nach einer anonymen Geburt oder nach der Ablage in einem Babykorb später von ihren Müttern doch noch nach Hause geholt wurden. Ein Umschlag mit einer Code-Nummer, den die Mutter mitnehmen kann, garantiert, dass das Kind wieder erkannt wird.

In Saalfeld hat das Babykörbchen im März 2011 einen neuen Platz bekommen - ganz nahe an der Neugeborenen-Intensivstation. Dort wird das anonyme Baby so lange betreut, bis ein bleibendes zu Hause gefunden ist, verrät Stephan Breidt, Sprecher der Thüringen-Kliniken. In der Regel bemühen sich die Jugendämter um eine Pflegefamilie für das abgegebene Kind.

dpa

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