Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 9 ° heiter

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Thüringer Blockadehaltung bei Stromtrasse

Thüringer Blockadehaltung bei Stromtrasse

Thüringen will den Bau einer Stromautobahn durch den Freistaat verhindern. Die Regierung von Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) ist überzeugt, dass der Freistaat genug für die Energiewende leiste.

Voriger Artikel
Rund 15.000 Menschen gestalteten friedlichen 13. Februar in Dresden
Nächster Artikel
Affäre Edathy: Alle 16 Landeskriminalämter waren bereits im Oktober 2013 informiert

Die bisher geplante Stromtrasse

Quelle: lox

Deshalb will die Staatskanzlei, dass die Leitung durch Westsachsen verläuft.

Thüringen schaltete am Dienstag in Berlin auf stur. Kanzleramtschef Peter Altmaier hatte den Erfurter Staatskanzleichef Jürgen Gnauck (CDU), Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU), Bayerns Energieministerin Ilse Aigner (CSU) sowie Vertreter der Netzbetreiber 50Hertz und Amprion in der Regierungszentrale empfangen. Lange beriet die Runde über die geplante Stromautobahn im Osten. Sie soll Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) und Meitingen (Bayern) miteinander verbinden. Ein Kompromiss kam nicht zustande. Thüringen blieb hart und lehnt den Bau in seiner jetzigen Form weiterhin ab, weil die Trasse rund 100 Kilometer durch den Freistaat laufen soll. Damit nicht genug: Die Staatsregierung fordert eine Alternativroute durch Westsachsen, wie das zuständige Bauministerium bestätigte.

In Verhandlungskreisen zeigten sich manche gestern fast sprachlos über diesen Vorstoß. Schließlich ist die Trasse - offiziell "Gleichstrompassage Süd-Ost" genannt - seit knapp einem Jahr beschlossen. Ein entsprechendes Gesetz passierte im April 2013 den Bundestag. Der Bundesrat rief den Vermittlungsausschuss nicht an, auch Thüringen stimmte nicht dafür. Die Blockadehaltung von Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht können sich viele nur mit dem anstehenden Landtagswahlkampf erklären. Die Landesmutter wolle sich wohl auf diese Art und Weise profilieren, um ein Bündnis von Linken und SPD zu verhindern, heißt es spöttisch. Lieberknecht ficht das nicht an. Sie erklärt: "Wir haben unser Soll erfüllt."

Thüringen sieht sich durch die Energiewende mehr als genug gefordert. In unguter Erinnerung sind die Auseinandersetzungen mit Naturschützern und Anwohnern, die es um die 380-Kilovolt-Leitung quer durch den Thüringer Wald gab. Ein zweites derartiges Vorhaben sei zu viel, argumentiert das Bauministerium in Erfurt. "Thüringen kann nicht der Lastesel der Energiewende in Deutschland sein", so ein Sprecher.

Allerdings sieht der Stromnetzbetreiber 50Hertz keine Alternative zu einer Route durch den Freistaat, der lange mit dem Slogan "Das grüne Herz Deutschlands" warb. In einer aufwendigen Analyse haben Experten in den vergangenen Monaten mehrere potenzielle Korridore geprüft. Nicht nur die Beschaffenheit des Geländes wurde dabei miteinbezogen. Auch Naturschutzgebiete, Krankenhäuser, Flughäfen oder andere Bebauungen schränkten die mögliche Trassenführung ein. Der Netzbetreiber ist deswegen überzeugt, dass die östlichste der drei Stromautobahnen nur durch einen von drei Korridoren in Thüringen verlaufen kann. Optimal wäre nach Überzeugung von 50Hertz, wenn die Leitung entlang der Autobahn 9 gezogen würde. Erfurt ist darüber nicht erfreut. Schon Ende November machte das Kabinett seine Ablehnung deutlich.

Mit der offensiven Forderung nach einer Ausweichmöglichkeit, um Thüringen zu entlasten, erreicht der Streit jetzt eine neue Eskalationsstufe. Die Staatsregierung riskiert einen handfesten Streit mit ihren sächsischen Partnern. In Dresden war nämlich niemand darauf gefasst. Die Fachabteilung des Innenministeriums zeigte sich überrascht. Im benachbarten Bundesland nahmen die Verantwortlichen das billigend in Kauf: Man habe in dieser Sache nicht mit Sachsen und Sachsen-Anhalt geredet, erklärte der Sprecher des thüringischen Bauministeriums.

Bisher ist die Option Westsachsen aber nur ein Gedankenspiel. 50Hertz schließt diese Variante ausdrücklich aus. Die Prüfungsergebnisse sprächen nicht dafür. Der Netzbetreiber will weiterhin an dem bisherigen Modell festhalten und es der Bundesnetzagentur bei einer sogenannten Antragskonferenz zur Genehmigung vorschlagen. Die Planer rechnen fest damit, dass bei der öffentlichen Sitzung Thüringen eine westsächsische Version ins Spiel bringen werde. Die Netzagentur müsse diese dann im Prüfverfahren einbeziehen. Diese Taktik hat aber einen Haken: Einen genauen Weg für den Strom werden die Erfurter Behörden nicht präsentieren. Doch auch hier bleibt die Staatsregierung um Christine Lieberknecht auffallend gelassen. Das Bauministerium betont, dass es sich nicht darum kümmern müsse. Das sei Aufgabe des Netzbetreibers.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.02.2014

Kai Kollenberg

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Farbspiele
    Die Sparkasse Leipzig sucht für Ihren Kalender 2018 farbenfrohe Fotos

    Beim Fotowettbewerb der Sparkasse Leipzig kann nun über die zwölf Kalendermotive abgestimmt werden. Das Voting endet am 31. August 2017. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr