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Thüringer Forschungsprojekt begibt sich auf die Spuren von Urzeit-Echsen

Thüringer Forschungsprojekt begibt sich auf die Spuren von Urzeit-Echsen

Der Fortbewegung urzeitlicher Echsen, die vor knapp 300 Millionen Jahren das Land eroberten, wollen Jenaer und Gothaer Forscher auf die Spur kommen. Ziel des Projektes sei es, Rückschlüsse auf die Entwicklung des Bewegungsapparates dieser „ersten echten Landgänger" zu gewinnen, sagte der Jenaer Evolutionsbiologe Martin Fischer am Mittwoch.

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Im Phyletischen Museum der Universität Jena ist ein Skink, Nachfahre einer Ur-Echse zu sehen.

Quelle: dpa

Jena. Ihnen komme eine Schlüsselstellung für die Entwicklung aller folgenden „Nabeltiere" vom Vogel bis zum Säugetier zu. Die „Hardware" in Form von versteinerten Ursaurier-Skeletten und Fußspuren liefert die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Die Funde stammen vom Bromacker im Thüringer Wald, laut Fischer eine Sensationsfundstelle.

Auf dem Bromacker konnten Fußabdrücke direkt einzelnen Tieren zugeordnet werden. Das sei weltweit einzigartig und mache die Funde für die Wissenschaft so wertvoll, sagte der Leiter des Instituts für spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Universität Jena. Seit über hundert Jahren werden dort in den Gesteinsschichten aus der Zeit des Unteren Perm Fährten gefunden. Seit rund 40 Jahren wird gezielt nach den Ursauriern gegraben.

Der Gothaer Paläontologe Thomas Martens hat mit seinen US-amerikanischen Kollegen bisher mehr als 40 Skelette von 13 überwiegend neuen Arten dieser primitiven vierbeinigen Landwirbeltiere freigelegt. Diese Fossilien öffneten ein erdgeschichtliches Fenster in eine Lebensgemeinschaft auf dem Urkontinent Pangaea, der vor fast 300 Millionen Jahren das Bild der Erde prägte.

Wie liefen diese urzeitlichen Echsen? Welche funktionell anatomischen Konsequenzen hatte die Abnabelung vom Wasser für das Bewegungssystem der Tiere? Diese Fragen wollen die Wissenschaftler um Projektleiter John Nyakatura in den kommenden zwei Jahren beantworten. Das Projekt, zu dem im Herbst noch der Londoner Paläo-Biomechaniker Vivian Allen stößt, wird von der Volkswagenstiftung mit 280 000 Euro gefördert.

„Wir haben bisher nur eine Ahnung, wie sich die Tiere vor Jahrmillionen fortbewegten", sagte Nyakatura. „Und wir hoffen, mit unseren Experimenten die wirklichen Bewegungen eingrenzen zu können. Vieles ist bisher Spekulation." Ziel sei es, die urzeitlichen Echsen als Animation wieder zum Laufen zu bringen.

„Was wir nicht versprechen können, ist, ob unser laufendes Skelett auch eine Haut haben wird und in welcher Farbe", betonte Evolutionsbiologe Fischer. Darin unterscheide sich die Arbeit von den „grauenvollen Animationen" von Dinosauriern im Fernsehen. Die Ergebnisse des Projektes sollen in Jena und Gotha in Ausstellungen der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Untersucht werden die zwei Echsenarten Orobates pabsti und Diadectes, von denen es mehrere Skelette und dutzende Fußspuren gibt. An der TU Dresden werden die durch die Erdmassen platt gedrückten Fossilien zuerst gescannt, um eine dreidimensionale Rekonstruktion zu bekommen.

Jena besitzt eine der schnellsten Röntgenvideoanlagen weltweit, mit denen die Bewegungsabläufe heute lebender Echsen - Skinke, Tiger-Salamander, Grüne Leguane und kleine Krokodile - genau untersucht werden können. Das Spuren-Protokoll wird dann mit den urzeitlichen Fußabdrücken verglichen. Somit könnten unter anderem Rückschlüsse auf Gewicht und Größe des Tieres gezogen werden.

Die Wissenschaftler erhoffen sich auch Erkenntnisse über die Bodenbeschaffenheit, das Klima und was sich damals zum Zeitpunkt des Todes der Tiere am Bromacker zugetragen hat. Zoologe Fischer ist sich sicher: Das Projekt ist der Beginn einer umfangreichen interdisziplinären Forschung.

dpa

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