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Thüringer Schüler sollen mehr zur DDR-Geschichte lernen

Lehrplan Thüringer Schüler sollen mehr zur DDR-Geschichte lernen

Es ist ein wichtiges Vorhaben der Regierung, die von der Linken geführt wird: die Aufarbeitung der DDR-Diktatur. Nun sollen die Schüler im Unterricht mehr über den untergegangenen Staat erfahren.

Ein Trabant vor einem DDR-typischen Plattenbau.

Quelle: dpa-Zentralbild

Erfurt . Nach dem Willen der rot-rot-grünen Landesregierung sollen Schüler in Thüringen mehr über die DDR wissen. Es sei denkbar, dass die Geschichte des 1989 untergegangenen Staates künftig für alle Schulformen prüfungsrelevant werde, erklärte Kulturstaatssekretärin Babette Winter (SPD). An Regelschulen stehe das Thema bislang nur selten auf dem Stundenplan. „Die Lehrpläne sind sehr bruchstückhaft“, sagte Winter. Allein an Gymnasien sei die jüngste deutsche Geschichte fester Bestandteil des Unterrichts.

Änderungen im Lehrplan soll es aber vorerst nicht geben. „Wir haben festgestellt, dass so etwas vier bis sechs Jahre in Anspruch nimmt. Das dauert einfach zu lange“, begründete Winter. Zumal der Lehrplan für Geschichte erst kürzlich überarbeitet worden sei. Deshalb sei nach Alternativen geschaut worden. Das Wissen über die DDR werde aber frühestens ab dem Schuljahr 2017 verpflichtend in Prüfungen abgefragt, erklärte Winter, die seit März eine interministerielle Arbeitsgruppe zur Aufklärung über das DDR-Unrecht leitet.

„Noch ist es dem Zufall oder dem Engagement des einzelnen Lehrers überlassen, ob ein Schüler der Klasse neun oder zehn etwas über die DDR erfährt oder nicht“, kritisierte die Staatssekretärin. Sie plant zunächst, dass alle Schulen den Schulämtern berichten sollen, wie sie die DDR-Diktatur im Unterricht erklären - zum Beispiel durch Besuche in Gedenkstätten oder durch Gespräche mit Zeitzeugen. „Die Form ist mir egal. Hauptsache, die DDR wird thematisiert.“

Verpflichtende Aufenthalte in Grenzmuseen wird es nach den Worten der Staatssekretärin zumindest vorerst nicht geben. „Da bin ich mir noch nicht abschließend sicher. Am Ende des Tages könnte das auch zu einem Mittel der Wahl werden.“ Allerdings wären die Gedenkstätten aktuell personell überfordert, wenn alle Schüler der neunten Klassenstufen dorthin fahren würden, gab sie zu bedenken. „Wenn doppelt so viele Schüler kämen, wäre schon viel erreicht.“ Bei verpflichtenden Besuchen müsste das Land seine Unterstützung erhöhen.

Zum Geschichts- und Sozialkundeunterricht an authentischen Orten sagte die Staatssekretärin, die vom Land bereitgestellten Fördergelder zur Finanzierung von Schulfahrten in Gedenkstätten seien in den vergangenen Jahren nicht komplett ausgeschöpft worden. Sie will außerdem über Fortbildungen von Lehrern erreichen, dass mehr Pädagogen mit ihren Klassen freiwillig in Einrichtungen zur DDR-Geschichte fahren. Ob es Pflichtfortbildungen geben sollte, „darüber diskutieren wir noch“.

Darüber hinaus will das Land bei den Universitäten Erfurt und Jena dafür werben, dass sich angehende Lehrer in ihrer Ausbildung mehr mit der DDR beschäftigen. Dieses Kapitel der Geschichte komme zu kurz, findet Winter. Direkten Einfluss auf Hochschulen kann das Land jedoch nicht nehmen: „Es gilt das Prinzip der Freiheit von Forschung und Lehre“, unterstrich die SPD-Politikerin. Wenn die Thüringer Hochschulen die Lehrerausbildung mit Blick auf die DDR-Diktatur verstärken würden, „könnten wir das als Vorschlag in die Kultusministerkonferenz einbringen und bundesweit etablieren“.

In diesem Jahr will das Land außerdem ein neues Format von Zeitzeugen-Gesprächen auflegen. „Dabei soll es nicht um Täter-Opfer-Dialoge gehen“, kündigte Winter an. Solche Gespräche hätten in der Vergangenheit nicht funktioniert. Vielmehr wolle man sich künftig über bestimmte Themen der Diktatur nähern, zum Beispiel über Jugendweihe. „Über das Erzählen darüber komme ich ins Gespräch, wie die DDR hinter den Kulissen funktionierte.“

Von Christian Thiele

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