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Tierschützer fordern Stubenarrest für nicht kastrierte Katzen

Bisher nur in Thüringen Tierschützer fordern Stubenarrest für nicht kastrierte Katzen

Die Thüringer Regierung hat eine entsprechende Verordnung erlassen: nicht kastrierte Katzen müssen in Zukunft drinnen bleiben. Anders denkt die sächsische Sozialministerin darüber. Für eine solche Regelung sieht sie keinen Bedarf.

Kein Freigang mehr für nicht kastrierte Katzen – allerdings nur in Thüringen.

Quelle: dpa

Chemnitz/Leipzig. Das stellt jeden Casanova in den Schatten: Kater können in einer Nacht bis zu 30 Katzen schwängern. „Die Folgen sind gerade jetzt in der Frühlingszeit, der Hauptpaarungszeit für Katzen, vielerorts zu sehen“, sagt Antje Schmidt, frisch gewählte Vorsitzende des sächsischen Landestierschutzverbandes. Die Zahl der herrenlosen, freilebenden Tiere nehme überhand. Aber anders als in Thüringen wird in Sachsen keine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen aus Privathaushalten eingeführt, wie eine Nachfrage beim Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz in Dresden ergab. „Wir sehen für eine landesweite Verordnung keine Notwendigkeit“, so Sprecherin Annett Hofmann.

Von 13 befragten Landkreisen und Kommunen hätten acht mitgeteilt, dass bei ihnen kein Handlungsbedarf bestehe. In den anderen gebe es bereits Polizeiverordnungen oder andere Maßnahmen zum Schutz der Katzen. Grundsätzlich bestehe die Möglichkeit, den Kommunen die Zuständigkeit zu übertragen, dass diese Katzenschutzgebiete ausweisen. Wie in den Vorjahren fördere der Freistaat  auch in diesem Jahr Tierheime mit 580 000 Euro, damit diese herrenlose Katzen aufnehmen können. Zudem stelle man den Tierschutzvereinen für die Kastration und Sterilisation rund 280 000 Euro zur Verfügung.

„Wir halten die Entscheidung für nicht ausreichend“, sagt Tierschützerin Schmidt. Der Verein sei für eine generelle Kastrationspflicht. Halter von Katzen sollten ihre Tiere nur noch dann vor die Tür lassen dürfen, wenn sie kastriert sind. Vor allem in ländlichen Gebieten gebe es zahlreiche Straßenkatzen, die unterernährt und krank seien. Deutschlandweit geht der Tierschutzverband von rund zwei Millionen Katzen ohne Herrchen oder Frauchen aus. Sie leben vor allem in Industriegebäuden, Parks und Hinterhöfen.

„Auf dem Land ist es besonders krass“, weiß Doreen Gärtner, die Chefin vom Verein Pfotenhilfe Sachsen. „Ich kenne Bauernhöfe, da wimmelt es von Katzen. Keiner kümmert sich um die Tiere. Sie sind mehr tot als lebendig.“ Es halte sich vehement das Vorurteil, kastrierte Katzen seien faul, wären keine guten Mäusefänger mehr. Das sei Quatsch. Wild lebende Katzen seien scheu, jagen außer Mäusen auch Vögel und leben von Abfällen.  „Viele leiden unter Katzenschnupfen und Parasiten. Jungtiere werden oft nicht alt“, weiß Doreen Gärtner.

Thüringen hat nun darauf reagiert: Das Erfurter Kabinett hat in dieser Woche eine Kastrationspflicht für Katzen erlassen, die Freilauf haben. Damit soll verhindert werden, dass sich freilaufende Katzen in Thüringen ungebremst vermehren, hieß es aus dem Sozialministerium in Erfurt. Die Katzenschutzverordnung sei deshalb ein wichtiger Beitrag zum Tierschutz. Kreise und kreisfreie Städte sollen ermitteln, ob in ihrem Territorium der Katzenbestand überhand nimmt. Anschließend sollen sie die Kastration für alle Katzen und Kater vorschreiben dürfen, die Freigang haben. Nach den Angaben des Thüringer Landestierschutzverbandes gibt es einige Zehntausend wildlebende Katzen im ganzen Land.

In Chemnitz, sagt Antje Schmidt, habe man das Problem seit einiger Zeit im Griff. Der Tierschutzverein arbeite eng mit der Stadt zusammen. In Leipzig sei das ebenso. Es gebe gemeinsame Kastrationsaktionen bei streunenden Katzen. Der Erfolg sei im Chemnitzer Tierheim zu sehen, sagt Schmidt, die dort als Pflegerin  arbeitet. „Zurzeit leben bei uns rund 30 Katzen. Vor Jahren waren das im Frühling drei Mal so viele.“

Das Tierheim sei die erste Anlaufstelle für aufgegriffene freilebende Tiere. Hier erhalten sie Futter und medizinische Versorgung. Viele fühlten sich dennoch nicht wohl. Ihre Vermittlung gestalte sich oft schwierig, da sie nicht auf Menschen sozialisiert seien. Dieser Kreislauf müsse durchbrochen werden. Im Interesse „dieser wunderbaren Geschöpfe“.

Die Kastration oder Sterilisierung erfolge ambulant und sei risikoarm. Der Eingriff mache Kater ruhiger und weniger aggressiv, bei Katzen sinke das Risiko, dass sie im Alter Tumore oder Entzündungen bekommen, teilt der Landestierschutzbund mit. „Kater stellen außerdem meistens das geruchsintensive Markieren ihrer Umgebung ein, bei Katzen schwinden die Symptome der Rolligkeit, wie das nächtliche Schreien.“

Von Andreas Dunte

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