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Torgau sucht frühere DDR-Heimkinder für Projekt

Torgau sucht frühere DDR-Heimkinder für Projekt

Die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau sucht frühere DDR-Heimkinder für ein Forschungsprojekt. Mit Hilfe von Interviews soll ein authentisches Bild vom Alltag in den Heimen, den Gefühlswelten ihrer Bewohner und Folgen der Heimerziehung entstehen, teilte die Gedenkstätte am Samstag mit.

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Quelle: dpa

Torgau. Hintergrund ist eine aktuelle Auswertung von „Sonderakten“ in Torgau. Sie schreiben die Geschichte der Heime quasi „von oben“ - aus Sicht der damaligen Betreiber. „Eine umfassende und differenzierte Darstellung der DDR-Heimerziehung wird nur mit Ihrer Hilfe möglich sein. Wir möchten Sie herzlich bitten, mit Ihrem persönlichen Schicksal und Ihren Erfahrungen aus der Heimzeit unser Projekt zu begleiten“, hieß es.

In Torgau befand sich der einzige Geschlossene Jugendwerkhof der DDR - eine Disziplinierungsanstalt der Jugendhilfe, die direkt dem Ministerium für Volksbildung unterstand. Von Mai 1964 bis November 1989 waren dort mehr als 4000 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren einquartiert. Sie waren in anderen staatlichen Erziehungseinrichtungen negativ aufgefallen. „Doch hatten sie weder Straftaten begangen, noch gab es eine richterliche Anordnung für die Einweisung. Eiserne Disziplin und paramilitärischer Drill sollten eine Veränderung ihres Verhaltens bewirken, vor allem die Bereitschaft, sich den „sozialistischen Lebensnormen“ unterzuordnen“, schilderte die Gedenkstätte das damalige Ziel.

Nach der Wende stand das Gebäude zunächst leer, 1996 wurde es an einen privaten Investor verkauft. Beim Umbau zur Wohnanlage blieb zwar die Bausubstanz erhalten, der Charakter des Gebäudes verschwand jedoch. 1998 wurde dort die „Erinnerungs- und Begegnungsstätte im ehemaligen Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau“ eingerichtet, die sich seit 2009 Gedenkstätte nennt. Am 10. September findet das jährliche Treffen ehemaliger Heimkinder statt.

dpa

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