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Toter Junge in Eilenburg: Jugendamt hatte schon im November Hinweise auf Misshandlung

Toter Junge in Eilenburg: Jugendamt hatte schon im November Hinweise auf Misshandlung

Nach dem tragischen Tod des kleinen Lion in Eilenburg werden nun Fragen danach laut, warum die Tragödie nicht verhindert werden konnte. Fest steht: Seit November 2009 wurde die Familie aus der Windmühlenstraße vom Jugendamt betreut.

Eilenburg/Leipzig. Mit Verdacht auf Schweinegrippe wurde Lion vor neun Monaten in die Universitätsklinik Leipzig eingeliefert. „Bei der Untersuchung bemerkten die Ärzte parallel noch andere Erscheinungen", erklärte Hans-Günter Sirrenberg, Dezernent für Soziales im Landkreis Nordsachsen, gegenüber LVZ-Online.

So habe man bei dem Jungen unter anderem Hämatome unklarer Herkunft an Hand, Fuß und im Gesicht festgestellt. Zudem sei das Kind bereits vier Wochen vorher wegen eines Spiralbruches am Oberarm in stationärer Behandlung gewesen, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes. Die Ärzte, die Kindesmisshandlung als Ursache der Abzeichen nicht ausschließen konnten, verständigten daraufhin das Jugendamt.

„Die Schwierigkeit lag darin, dass der Junge wie zwei seiner Onkel unter der Erbkrankheit Muskeldystrophie litt", sagte Sirrenberg. Bei dieser Krankheit handelt es sich um eine fortschreitende Muskelschwäche. Dadurch konnte nicht mit 100-prozentiger Sicherheit gesagt werden, ob Lion seine Verletzungen durch die Krankheit oder durch Fremdeinwirkung bekam, so der Dezernent weiter. Mit regelmäßigen Besuchen versuchte die zuständige Sachbearbeiterin des Jugendamtes einen Einblick in das Leben der Familie zu bekommen. „Vor allem nach dem Krankenhausaufenthalt gab es intensive Betreuung, die Kollegin war in dieser Zeit mindestens zwei Mal im Monat bei der Familie", erklärte Sirrenberg weiter. Der letzte persönliche Besuch in der Wohnung läge allerdings schon fünf Monate zurück. Einen weiteren Vor-Ort-Besuch habe das Amt aufgrund der guten Entwicklung der Familie nicht für zwingend nötig gehalten, so Sirrenberg. Aus Sicht der Behörde sei die Familie demnach in den vergangenen Monaten auf einem guten Weg gewesen. So konnte die Mutter des Kindes eine Ausbildung als Verkäuferin beginnen. Zwischenzeitlich habe auch der mittlerweile in U-Haft sitzende 20-jährige Lebensgefährte nicht mehr in der Wohnung in der Windmühlenstraße gelebt. „Das haben wir als sehr positiv aufgenommen", sagte Sirrenberg. Weil alles so vielversprechend aussah, reduzierte die zuständige Sachbearbeiterin ihre Besuche. Kontakt zum Kind gab es noch über den Kinderarzt und über die Kindertagesstätte "Bummi - Kneipp" in Eilenburg, die der 19-monatige Lion besuchte. Das Paar hatte sich jedoch scheinbar wieder versöhnt. Nachbarn wollen beobachtet haben, dass der mutmaßliche Täter inzwischen wieder bei der Mutter gelebt hat. Der 20-Jährige ist der Polizei kein Unbekannter, bisher fiel er jedoch nicht wegen Gewalttaten auf. Der leibliche Vater des kleinen Lion lebt laut Sirrenberg gleich um die Ecke. „Aber für das Kind hat er sich nie interessiert und er hat sich bis jetzt auch noch nicht gemeldet", so der Dezernent.

Julia Wick

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