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Treppenmarathon in Radebeul: "Treppenläufer sind die Exoten unter den Exoten"

Treppenmarathon in Radebeul: "Treppenläufer sind die Exoten unter den Exoten"

Treppenstufen so weit das Auge reicht - ein Weinberg im sächsischen Elbtal ist für 66 Läufer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien und den USA der Weg zum Olymp.

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Der Treppenlauf in Radebeul ist für die Extremen der Extremläufer.

Quelle: dpa Sebastian Kahnert

Radebeul. In 24 Stunden zum „Dach der Welt“ - ohne Verschuldung, lange Anreise und Gefahren. „Für viele ist der Mount Everest eine unerreichbare Herausforderung“, sagt der Organisator des 11. Radebeuler Treppenmarathons, Ulf Kühne.

Am Wochenende vermittelte der Parcours über die Spitzhaustreppe am Elbhang Extremsportlern und Enthusiasten das Gefühl der Strapazen und die Euphorie geglückten Gipfelsturms. Der Lauf hat Kultstatus. War der Himmel beim Start noch wolkenverhangen, wärmte Sonne satt die nach kalter Nacht durchfrorenen Akteure aus Wien, Göttingen, Essen, Oldenburg, Nördlingen, Hradec Králové oder Lafayette Hill. Auf der Treppe zwischen Rebstöcken und Weinbergsmauern herrschte dichtes Gedränge. Wie eine Ameisenspur zogen sich Läuferketten in zwei Richtungen: durchtrainierte Typen im Laufschritt, zügig steigende Freizeitsportler oder sich fast hinauf schleppende Teilnehmer - wie Feuerwehrleute unter schwerem Atemschutz. Für die Kameraden, die je eine Runde schaffen mussten, war es eine Einsatzübung.

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Radebeul. Treppenstufen so weit das Auge reicht - ein Weinberg im sächsischen Elbtal ist für 66 Läufer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien und den USA der Weg zum Olymp. In 24 Stunden zum „Dach der Welt“ - ohne Verschuldung, lange Anreise und Gefahren. „Für viele ist der Mount Everest eine unerreichbare Herausforderung“, sagt der Organisator des 11. Radebeuler Treppenmarathons, Ulf Kühne.

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Der Jüngste des Feldes ist Jahrgang 1986, der Älteste Gunter Lanzsch. Der 70-Jährige wohnt am Fuß der Touristenattraktion. Die Verbindung vom Weingut Hoflößnitz zum Spitzhaus als Ort höfischer Feste ließ Kurfürst August der Starke (1670-1733) im 18. Jahrhundert anlegen. In den 1990er Jahren neu gebaut, bietet sie den Läufern festen Tritt - und abwärts Ausblicke in die Flusslandschaft. Schneidermeister Andreas Allwang wärmt sich hier für Gebirgsläufe in den Alpen auf und schätzt die Regelmäßigkeit der Stufen.

„Es ist durch das Bergablaufen sogar einfacher als in den Bergen, denn man setzt immer mit dem flachen Fuß auf“, sagt der 38-Jährige aus München. Das sei ideales Training, aber wegen Müdigkeit, Kälte und Erschöpfung eine Herausforderung. „Spätestens zwischen sechs und acht Uhr morgens wird es ganz schwer.“ Der Vorjahressieger hält mit 13:26:53 Stunden den Streckenrekord. Diesmal knackt er auch den Rundenrekord von 144 - zwei Stunden vor Rennende - und ist zudem wieder der Schnellste.

Bei den Frauen schafft Antje Müller aus Großpösna bei Leipzig die 100 Runden als Erste. Gunter Lanzsch wollte einfach durchhalten, was ihm auch gelang. Mit Temperaturen um 10 Grad und trockenem Wetter waren die Bedingungen ganz gut, als der Rentner zum vierten Mal über die Distanz ging. „Wenn ich es geschafft habe, klopfe ich mir immer auf die Schulter.“ Auch er kämpfte sich je Runde 397 Sandsteinstufen und 422 Meter hoch und runter. Insgesamt sechs Frauen und 37 Männer liefen 100 Runden und damit 79 400 Stufen - und bekamen eine Medaille. Der Mount Everest Stair Marathon sei was für Sportler mit „einem gewissen Hang zum Verrückten“, meint Organisator Kühne.

Für Harald Krauß von der Deutschen Ultramarathon Vereinigung sind „Treppenläufer die Exoten unter den Exoten“. Veranstaltungen dieser Art gebe es kaum in freier Natur - meist werden Treppenhäuser in Wolkenkratzern wie dem Empire State Building in New York genutzt. Der einzigartige Trail in Radebeul zieht Enthusiasten aus ganz Europa und Übersee an. Zahlreiche Zuschauer und die Trommler von Blechlawine Dresden mit ihren Ölfässern feuerten auch die Dreierseilschaften an, die sich „Wilde Täubchen“, „Gipfelstürmer“, „Treppenflitzer“ oder „Kenias letzte Reserve“ nannten. Am Wendepunkt gab es Getränke, Obst, Kuchen oder Nudeln, die meisten nutzen den Abstieg zur Stärkung, sagt Kühne. „Wer auf Angriff läuft, macht keine Pause im Verpflegungszelt.“

lvz

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