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Übergriff bei Pegida: Journalisten erstatten Anzeige

Foto vom Täter liegt vor Übergriff bei Pegida: Journalisten erstatten Anzeige

Nach den Übergriffen auf zwei Journalisten am Rand der Dresdner Pegida-Demonstration erstatten die Reporter jetzt Anzeige. Vom Schläger liegt ein Foto vor. Der Täter und sein Helfer waren am Montag in der johlenden Menge untergetaucht.

Bei einer Kundgebung der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung sind am Montagabend in Dresden Journalisten angegriffen worden.

Quelle: LVZ

Dresden. Die Redner auf der Dresdner Pegida-Bühne waren am Montag in Hochform: Zig Minuten lang arbeiteten sich Lutz Bachmann und die anderen Sprecher an Journalisten ab. Dass Medienvertreter eine „Schande“ seien, war da noch einer der harmloseren Sprüche. Die Menge antwortete mit lauten „Lügenpresse“-Parolen.

Einige der rund 7500 Teilnehmer fühlten sich von den Reden besonders angestachelt: Vor dem Landtag griff später ein Grüppchen Pegida-Demonstranten drei am Straßenrand stehende Journalisten an. Ein Reporter der Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN) erhielt einen Faustschlag ins Gesicht, ein Fotograf des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) einen Tritt.

Der Täter näherte sich den drei Journalisten ohne Anlass und von hinten. Weder hatten die Journalisten ihn fotografiert, noch irgendeinen Teilnehmer angesprochen. Sie standen schlicht mit ihren Kameras mit einigen Metern Abstand am Straßenrand und ließen den Tross an sich vorbei ziehen.

Nach verbalen Provokationen begann der Mann, die Medienvertreter zu schubsen und lockte damit weitere Demonstranten an. Plötzlich waren die Pressevertreter umringt, einer der Männer griff dem DNN-Reporter in die Kamera, der daraufhin laut nach den 50 Meter entfernt stehenden Polizisten rief. Doch die Einsatzkräfte kamen zu spät. Ein Tritt gegen den Kollegen des MDR, ein Schlag ins Gesicht des DNN-Mannes – und der Täter war samt seinen Begleitern in der jubelnden Menge untergetaucht. Was bleibt ist ein Foto, auf dem er festgehalten ist.

"Wir erstatten Strafanzeige", sagte Björn Steigert, Geschäftsführer des Verlags Dresdner Neueste Nachrichten. DNN-Chefredakteur Dirk Birgel ergänzte: „Wir lassen uns nicht einschüchtern und werden auch weiterhin kritisch über Pegida berichten."

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) verurteilte die Angriffe scharf. „Das ist eine bedrohliche Situation, die wir außerordentlich ernst nehmen“, sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner am Dienstag. Tätliche Angriffe auf Journalisten seien etwas, das „überhaupt nicht geht“. Auch der DJV ermunterte betroffene Kollegen, sich mit Anzeigen zur Wehr zu setzen. Der Verband selbst will prüfen, ob die bei der jüngsten Pegida-Demonstration gehaltenen Reden Straftatbestände erfüllen. „Wenn wir da eine Handhabe sehen, juristisch dagegen vorzugehen, werden wir es tun“, sagte Zörner.

Die Medien gehören neben Politikern, Flüchtlingen und Muslimen schon seit Beginn der Pegida-Demos zu den Lieblingsgegnern der Demonstranten. Doch aus Gesprächsverweigerung wurden irgendwann Beschimpfungen und Schubsereien, nun schlugen Pegida-Teilnehmer erstmals zu. Der Vorfall reiht sich in eine ganze Kette von Vorfällen ein. Allein in der vergangenen Woche wurden vor dem Schauspielhaus Jugendliche von Pegida-Teilnehmern bedroht. Es flogen Steine ins Radebeuler Bürgerbüro von Sachsens SPD-Chef Martin Dulig, in Niederau wurden Helfer des THW von Rassisten angegriffen, „Dresden für alle“-Sprecher Eric Hattke wurde in einem anonymen Anruf bei der Polizei des Mordes bezichtigt. Hinzu kommen die vielen Fälle von Gewalt gegenüber Flüchtlingen in Heidenau, Stetzsch oder am Dresdner Hauptbahnhof.

„Die Richtung solcher Attacken auf Journalisten ist eindeutig:  Sie sollen einschüchtern und Angst verbreiten. Damit stehen diese Angriffe in einer Reihe mit Anfeindungen, Drohungen und Tätlichkeiten gegen Asylbewerber, gegen DRK- oder THW-Mitarbeiter, gegen freiwillige Helfer in Asyl-Unterkünften oder gegen Polizisten“, so der Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag, Dirk Panter.

„Und die Attacken wie zuletzt in Dresden zeigen einmal mehr, dass es in unserem Land bei einem Teil der Bürgerinnen und Bürger große Defizite in Sachen Demokratie gibt.  Umso wichtiger ist es, dass sich diejenigen noch nachdrücklicher zu Wort melden, die dagegenhalten.“

„Erneut wurde in dramatischer Weise unter Beweis gestellt, dass die Parole von der „Lügenpresse“ keine Meinungsäußerung, sondern eine Kampfansage ist“, meinte ihr medienpolitischer Sprecher Falk Neubert. Diesem Angriff auf Grundwerte einer demokratischen, offenen Gesellschaft müsse man gemeinsam entgegentreten. „Die Antwort kann nur von uns allen Demokraten gegeben werden, noch entschiedener im praktischen Alltag Gesicht für Grundwerte zu zeigen, wie das trotz Pegida auch in Sachsen sehr viele Menschen tun.“

LVZ

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