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Umweltbundesamt sieht weiteren Nachholbedarf nach Hochwasserkatastrophe 2002

Umweltbundesamt sieht weiteren Nachholbedarf nach Hochwasserkatastrophe 2002

Dessau-Roßlau. Seit der Jahrhundertflut 2002 ist in Deutschland nach Expertenmeinung eine Menge zum besseren Schutz der Bevölkerung vor Hochwasser getan worden - aber noch nicht genug.

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Hochwasser-Katastrophe 2002 in Dresden (Archivfoto)

Quelle: Wolfgang Zeyen

„Die Flüsse brauchen nach wie vor mehr Platz, um sich bei Hochwasser auf natürliche Art und Weise ausbreiten zu können. In dem Bereich ist zu wenig passiert“, sagte der Gewässerschutzexperte beim Umweltbundesamt (UBA), Jörg Rechenberg, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Konkret bedeute dies, Deiche zurückzuverlegen, um ehemalige Auen wieder mit dem Fluss zu verbinden und damit bei Hochwasser mehr Wasser in der Fläche zu halten.

Zudem sollte in überschwemmungsgefährdeten Gebieten industriell bewirtschaftetes Ackerland in Grünland umgewandelt werden. „Bei den Agrarflächen erleben wir derzeit eher das Gegenteil“, sagte Rechenberg. So werde ein Großteil von Flächen in Deutschland für den Anbau von Getreidearten genutzt, um daraus Biokraftstoffe herzustellen. Wenn aber zum Beispiel bei Hochwasser auf einer großen Fläche hohe Rapspflanzen stehen, können die Wassermassen auf so einem Feld im Gegensatz zu einer Wiese nur sehr schwer abfließen und versiegen. Zudem haben Landwirte dann Ernteausfälle und finanzielle Verluste zu beklagen.

Unablässig sei darüber hinaus eine noch bessere europaweite Zusammenarbeit beim Hochwasserschutz, bei Vorhersagen und im Katastrophenfall, forderte der Experte. „Hochwasser macht auch vor Ländergrenzen nicht halt.“ Bestes Beispiel seien Grenzflüsse wie die Oder und Neiße. „Ganz wichtig ist es auch, das Siedlungsgeschehen an Flüssen nicht weiter ausufern zu lassen“, sagte Rechenberg mit Blick auf Baugenehmigung etwa für Wohngebiete. „Da haben wir seit der Hochwasserkatastrophe in Deutschland aber Fortschritte gemacht, so einfach geht das heute nicht mehr, einen Bebauungsplan in Wassernähe umzusetzen“, sagte Rechenberg, der vor zehn Jahren die Flut bei seiner Arbeit im UBA miterlebte.

Als große nationale Aufgabe der Zukunft sieht der Experte den besseren Schutz der Auenwälder in Deutschland und Europa. „Die natürlichen Überschwemmungsgebiete halten das Wasser in der Fläche zurück. Ferner: Wenn sie nicht regelmäßig überflutet werden, dann sterben sie ab“, warnte er. Dies habe dramatische Folgen für die Flora und Fauna und damit für die Umwelt. „Wir dürfen uns trotz der vielen Deichsanierungen und anderen Schutzmaßnahmen nicht der Illusion hingeben, so ein Hochwasser wie vor zehn Jahren wird uns in diesem Leben nicht mehr erreichen“, sagte er. Dazu trage schon der globale Klimawandel mit der Gefahr von Wetterextremen bei.

„Und Wasser sucht sich immer seinen Weg“, sagte Rechenberg. Mit so schweren Schäden wie vor zehn Jahren rechnet er angesichts der von Bund, Ländern, Kommunen und der EU eingeleiteten Schutzmaßnahmen bei einem vergleichbaren Hochwasser allerdings nicht. Aber: „Auch wenn man einen Deich noch so breit und hoch baut, irgendwann kann er extreme Wassermassen nicht mehr zurückhalten und diese überschwemmen dann das Hinterland“, sagte er.

Petra Buch, dpa

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