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Unter Dampf zum Protest - 1000 Menschen fahren mit der Döllnitzbahn

Unter Dampf zum Protest - 1000 Menschen fahren mit der Döllnitzbahn

Mit viel Rauch und regem Einsatz der Dampfpfeife fuhr der „Wilde Robert“ am Sonnabend zweimal von Mügeln nach Oschatz und retour. Die von der 99 Jahre alten Lok IV K gezogenen fünf Personen- und zwei Packwagen waren dabei stets mehr als gut besetzt.

Oschatz/Mügeln. Da die Mitfahrt bei dieser Protestaktion gegen die Streichung der Finanzierung des Schülerverkehrs auf der Döllnitzbahn kostenlos war, lässt sich die Zahl der Passagiere nur schätzen. „Ich denke, dass insgesamt 800 bis 1000 Leute bei der Protestfahrt unterwegs waren“, sagte Döllnitzbahn-Geschäftsführer Lutz Haschke. Das Gros davon seien keine Schnorrer gewesen, die sich einen billigen Tag auf der Schmalspurbahn gegönnt hätten. Dank der Spenden, die sich zu einem „niedrigen vierstelligen Betrag“ summierten, wurde die Fahrt für die Organisatoren kein wirtschaftlicher Verlust.

Zu den Fahrgästen gehörte auch Ines Leidel, die in Naundorf zustieg. Sie war schon Mitte der 1970er Jahre bei der letzten Personenzugfahrt zu DDR-Zeiten dabei. Es gäbe diesmal mehr Grund zu Optimismus, meinte die Naundorferin. Damals gab es ja keinen Protest. Da sei die Streckenschließung von oben angeordnet worden.

„Wir sind mit der Kleinbahn aufgewachsen. Sie ist ein Stück Heimat. Ich wäre unglücklich, wenn sie wegkäme“, meinte Maria Otto, die in Schweta wohnt. Zur Protestfahrt war sie nicht nur mit ihrem Mann Dieter, der sich gern an Skatrunden auf der Fahrt zur Oberschule in Oschatz erinnert, unterwegs. Auch die Kinder und Enkel fuhren mit. „Die Preise schrecken die Leute ab, die Bahn im Alltag öfter zu nutzen“, schätzt Maria Otto ein. „Wenn Zug und Bus fast parallel fahren, ist die Schiene der Verlierer“, meint Constanze Otto.

„Als ich früher mit der Bahn zur Arbeit gefahren bin, war es fast immer so voll wie heute“, erinnert sich der Naundorfer Werner Finger. Jürgen Hamm aus Brandis war am Sonnabend zum ersten Mal auf dieser Strecke unterwegs: „Ich möchte ein Zeichen setzen. Die Bahn ist ein Denkmal. Das Werk unserer Vorväter sollte erhalten bleiben.“

„Die Bahn gehört zu Oschatz, ist ihr eigentliches Wahrzeichen“, meint Beate Benker. Ohne sie fahren die Dampfzüge zu ihren Sonderfahrten eigentlich gar nicht ab, outet sich die Oschatzerin als wahre Eisenbahnenthusiastin.

Egal ob aus Kesselsdorf, Dresden, Stauchitz oder direkt von der Bahnstrecke – die meisten Teilnehmer an der Protestfahrt beließen es nicht bei einem vorfrühlingshaften Ausflug, sondern sorgten auch für eine imposante Kulisse bei der Kundgebung auf dem Mügelner Bahnhof. „Die Menschen kommen, wenn der Wilde Robert ihre Unterstützung braucht“, zeigte sich Lutz Haschke am Abend erleichtert von diesem Signal.

Axel Kaminski

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