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Unter diesen Bedingungen glauben Deutsche an Lösung der Flüchtlingskrise

LVZ-Umfrage Unter diesen Bedingungen glauben Deutsche an Lösung der Flüchtlingskrise

Die Mehrheit der Deutschen folgt immer noch dem Optimismus der Bundeskanzlerin und glaubt, die Flüchtlinge können untergebracht und versorgt werden. Das zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Leipziger Volkszeitung. Doch sie knüpfen das „Wir schaffen das“ an Bedingungen.

Quelle: Patrick Moye (Grafik)

Leipzig. Eine Mehrheit der Deutschen folgt dem Credo der Kanzlerin in der Flüchtlingskrise: „Wir schaffen das“. Die meisten binden diese Zuversicht allerdings an die Voraussetzung, dass der Zustrom in irgendeiner Form geregelt wird, durch eine Verteilung der Flüchtenden in Europa oder durch Obergrenzen.

Als Handlungsmaxime pur wird der Satz, mit dem Angela Merkel (CDU) seit Ende August immer wieder Mut machen will, bundesweit nur von jedem Vierten (25 Prozent) akzeptiert. Im Osten, wo Skepsis und Ressentiments größer sind als im Westen, stimmt nur jeder Fünfte (20 Prozent) dem Slogan „Wir schaffen das“ völlig uneingeschränkt zu. Ein knappes Drittel (31 Prozent) vertritt die Gegenposition und sagt: „Wir schaffen das nicht, die Aufgabe überfordert uns“. 37 Prozent (Ost 35, West 38 Prozent) sind der Meinung „Wir schaffen das, aber nur, wenn die Flüchtlinge gerecht in der Europäischen Union verteilt werden“. Weitere 15 Prozent sagen: „Wir schaffen das, aber nur wenn es Obergrenzen für die Flüchtlinge gibt“. Das sagen im Osten mit 22 Prozent deutlich mehr als im Westen mit 13 Prozent.

Erstellt hat die Studie das Leipziger Uniqma-Institut im Auftrag der Leipziger Volkszeitung. Es befragte dafür vom 11. bis 16. Dezember 2015 bundesweit telefonisch 1007 repräsentativ ausgewählte Männer und Frauen ab 18 Jahre. Auf die Frage: Bewältigt Deutschland den Flüchtlingsstrom? waren Mehrfachantworten möglich.

Bündelt man alle drei „Wir schaffen das“-Antworten der Umfrage, wird deutlich, dass eine große Mehrheit der Deutschen grundsätzlich bereit ist, Flüchtlinge aufzunehmen und zu integrieren.

Vertrauen zu Merkel

Diese Bereitschaft ist ein Vertrauensvorschuss für Kanzlerin Angela Merkel (CDU), der die Befragten mit 37 Prozent am ehesten die Lösung der Flüchtlingskrise zutrauen. Dabei stärken ihr im Westen mit 38 Prozent mehr den Rücken als im Osten mit 32 Prozent. Mit großem Abstand folgt dann auf Platz zwei CSU-Chef Horst Seehofer mit 13 Prozent. Auch Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel überzeugt die Bürger nicht, ihm trauen nur neun Prozent die Lösung der Flüchtlingsfrage zu. Die Bundestagsfraktionschefin der Linken, Sahra Wagenknecht, bekommt die Zustimmung von vier Prozent, Grünen-Parteichef Cem Özdemir erhält drei Prozent.

Überraschend ist, dass die Bundessprecherin der Alternative für Deutschland (AfD), Frauke Petry, in Ost wie West nur von zwei Prozent der Befragten als die ideale Problemlöserin benannt wird. Immerhin hat die Flüchtlingskrise der rechtskonservativen AfD mit ihrer restriktiven Zuwanderungspolitik bundesweit Umfragewerte zwischen acht und zehn Prozent beschert. „Die Frage nach der Person bevorzugt jene Politiker, die eine klare und bekannte Haltung haben, wie in diesem Fall die Kanzlerin. Welche Haltung Frauke Petry im Einzelnen hat, dürfte vielen nicht bekannt sein; das macht die Gefolgschaft schwieriger. Dieses Problem haben auch Gabriel, Wagenknecht und Özdemir, deren persönliche Werte auch unter den Parteiwerten liegen“, erklärt dazu Andreas Czaplicki, der Leiter des Uniqma-Institutes.

Zerbricht die EU?

Ein großer Teil der Deutschen von 44 Prozent schließt nicht mehr aus, dass die EU an der Flüchtlingskrise zerbricht. 56 Prozent sehen das nicht so.

Zusammenleben mit Muslimen

Zum Zusammenleben mit Muslimen haben die Deutschen eine klare Position. Drei Viertel (72 Prozent) in Ost (71 Prozent) wie West (73 Prozent) sagen, das gelinge nur dann, wenn sich die hier lebenden Menschen muslimischen Glaubens an die Werte des Gastlandes anpassen, die Gesetze achten und die demokratischen Spielregeln einhalten. Eine deutliche Mehrheit in Ost wie West sieht das Verhältnis zu den Muslimen entspannt. 56 Prozent verweisen darauf, dass die Deutschen schon lange friedlich mit Muslimen zusammenleben und gehen davon aus, dass auch der neuerliche Zustrom von einer Million Flüchtlingen vor allem aus islamisch geprägten Ländern nichts daran ändern wird. Ein gutes Drittel teilt diese Zuversicht allerdings nicht, darunter im Osten mit 39 Prozent noch mehr als im Westen mit 34 Prozent.

Insgesamt zeigen die Antworten eine weit verbreitete Skepsis in der Bevölkerung. So sieht die Hälfte der Bevölkerung (47 Prozent) deutliche kulturelle Unterschiede und fürchtet Ärger und Probleme. Im Osten ist diese Befürchtung mit 52 Prozent stärker präsent als im Westen mit 45 Prozent. Mehr als jeder Fünfte (22 Prozent) spricht dem Islam sogar die Fähigkeit zu einem friedlichen Miteinander ab. Nur acht Prozent finden, dass aus dem Miteinander erst dann etwas wird, wenn sich auch die Deutschen an die islamische Kultur anpassen.

Ein Muslim als Bundeskanzler?

Ein Muslim als Bundeskanzler? Ist das im Jahr 2030 vorstellbar? Zwei Drittel der Bundesbürger (65 Prozent bundesweit, davon 78 Prozent im Osten und 62 Prozent im Westen) bezweifeln, dass es trotz aller Integration auf absehbare Zeit so weit kommen wird. Ein Drittel (35 Prozent) hält es aber für möglich. Im Osten können sich mit 22 Prozent aber deutlich weniger als im Westen mit 38 Prozent einen Muslim als Regierungschef in Deutschland vorstellen.

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