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Unwetter über Nordsachsen: Tornado oder Böenwalze?

Augenzeugen berichten Unwetter über Nordsachsen: Tornado oder Böenwalze?

Die Wetterexperten bleiben bei ihrer Einschätzung, dass es sich bei dem extremen Gewitter in Mitteldeutschland vor einer Woche um eine Böenwalze gehandelt hat. Auch wenn Augenzeugen von Tornados berichten – bisher gibt es dafür keine offizielle Bestätigung.

Das völlig zerstörte Caterinzelt auf dem Flugplatz Roitzschjora.

Quelle: Wolfgang Sens

Leipzig. Es hält sich hartnäckig unter Augenzeugen die Annahme, dass ein Tornado vor einer Woche über den Flugplatz in Roitzschjora (Kreis Nordsachsen) gewirbelt ist. Tief „Thompson“ hatte im Zusammenspiel mit der heißen „Bigi“ für ein starkes Unwetter gesorgt, dass wie eine Walze durch Mitteldeutschland zog. Eine sogenannte Gewitter-Superzelle, die sich auf ihrem Zug ständig selbst betankte und immer mehr Fahrt aufnahm. Mit Windböen über 100 Kilometer in der Stunde, Regen, Hagel, Blitz und Donner.

Das vom Deutschen Wetterdienst (DWD) angekündigte Unwetter hatte die Helfer beim Abbau und Aufräumen auf dem With-Full-Force-Festivalgelände überrascht. Als sicherer Zufluchtsort auf der kilometerlangen Freifläche des Flugfeldes wurde das robuste Catering-Zelt von den Helfern angesteuert. „Erst zog ein starker Wind auf“, beschrieb eine Augenzeugin, die die Szenerie aus diesem beobachtete. „Einige Männer versuchten, das Zelt an der einen Seite zu schließen, als die Situation plötzlich eskalierte. Sand von den Kieswerken wurde mit voller Kraft über den Boden gewirbelt und jemand schrie, dass die Holzdielen hochkommen. Ich drehte mich um und sah, wie die Stück für Stück nach oben in den Himmel gezogen wurden, dann fingen Gegenstände an, durch die Luft zu fliegen und das Zelt hob sich an einer Seite nach oben und schlug dann wieder nach links auf.“

Das Zelt hielt, wie LVZ.de berichtete, der Belastung nicht stand und fiel in sich zusammen. Zwei Männer wurden dabei verletzt, das bestätigte die Polizei. Die Augenzeugin aus Leipzig spricht von weiteren Verletzten. Unter anderem einer Frau mit offenem Armbruch. Zudem wurden Scheiben zerstört, Zäune und Dixiklos umhergewirbelt. „Wir konnten uns nicht wirklich erklären, was genau passiert ist. Als wir von Augenzeugen erfuhren, dass ein Tornado die Ursache war“, sagte sie.

DWD geht von Böenwalze aus

Das wurde bisher seitens des DWD nicht bestätigt. „Unserer Einschätzung nach war es ein Mix aus Downburst und Bogenecho“, erklärte Meteorologe Mario Voigt, der in Wittenberg die Schäden des Gewitter-Sturmes begutachtet hatte. Was der Experte damit beschreibt, ist eine auf dem Radar bogenförmig ziehende Böenwalze. Die nahm im nördlichen Hessen Fahrt auf, zog über den Südharz in Richtung Halle und über Roitzschjora nach Wittenberg ab. Dabei hatte die Zelle, die sich durch Mitteldeutschland fraß, laut Wetterexperte Jörg Oehmichen, einen Durchmesser von 20 bis 30 Kilometern.

Wie bei einem umgekippten Wassereimer schwappte die Böenwalze über den Boden. Je größer der Temperaturunterschied zwischen kalt in der Höhe und warm am Grund, desto heftiger der kreuz und quer wirbelnde Wind. „Die Wolkengrenze hängt sehr tief, aus einer gewissen Perspektive wirkt es, als ob sie auf dem Boden aufsetzt“, erklärte Voigt. Und damit könne der Eindruck eine Windhose fege umher, begünstigt worden sein.

Anhand der auf der Mitteldeutschland-Tour hinterlassenen Spuren schließen die Experten deshalb auf eine Böenfront. „Tornados treten räumlich sehr begrenzt auf“, sagte der Wetterexperte. „Dabei hinterlassen diese eine Schneise von 20 bis 50 Meter.“ Dagegen hatte sich „Thompson“, wie eine Welle im mitteldeutschen Raum den Weg gebahnt. Und das auf einer Breite von mehreren Kilometern. „Also großräumig und länger anhaltend“, begründete der Experte.

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