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Urteil im Prozess gegen Görlitzer Geiselnehmer erwartet

Urteil im Prozess gegen Görlitzer Geiselnehmer erwartet

Nach knapp zwei Monaten Verhandlung im Prozess um eine Geiselnahme im Gefängnis Görlitz sollen am Montag (11. Juli) die Plädoyers gehalten werden. Die Kammer des Landgerichts Görlitz will danach das Urteil für den Angeklagten verkünden.

Görlitz. Der 33-Jährige steht wegen Geiselnahme und schwerer Körperverletzung vor Gericht. Der Elektromechaniker soll am 10. November 2010 einen anderen 51 Jahre alten Häftling im Gefängnis in seine Gewalt gebracht haben.

Rund sieben Stunden hielt der mehrfach Vorbestrafte seine Geisel laut Anklage fest und bedrohte sie mit einem präparierten Feuerzeug. Der Angeklagte wollte so seine Auslieferung in sein Heimatland Polen verhindern. Einsatzkräfte befreiten schließlich das verletzte Opfer.

Während der Verhandlung stand der Geiselnehmer unter ständiger Beobachtung, bewacht von sechs Justizbeamten. Anfangs wurde der kräftig wirkende Mann mit kurz geschorenem Haar sogar an Händen und Füßen gefesselt in den Gerichtssaal geführt. Zum Prozessauftakt lag er regungslos mit dem Gesicht auf der Anklagebank, am nächsten Tag hielt er die ganze Zeit seine Augen geschlossen.

Dann wandelte sich das Bild, zuletzt kam der Angeklagte äußerst gepflegt mit Brille, Hemd und Anzug. Er blätterte in Unterlagen, machte sich Notizen, sprach angeregt mit Anwältin und Dolmetscherin, beantwortete Fragen auf Deutsch. Er durfte sogar ohne Handschellen an seinem Platz sitzen, nachdem das Gericht die strengen Sicherheitsauflagen gelockert hatte.

Der in Polen und Deutschland vorbestrafte Mann war mit einem Gefangenentransport aus Hessen über Bayern in die sächsische Haftanstalt gekommen, zeitgleich mit dem späteren Opfer. Kurz danach hatte er den Landsmann als Geisel genommen. Ungeklärt ist, wie der Angeklagte trotz mehrfacher Durchsuchung während des Transportes an das Tatwerkzeug kam, sagte Gefängnisleiter Frank Hiekel vor Gericht.

Hiekel beschrieb den 33-Jährigen im Prozess als „komplizierte Persönlichkeit“. Er sei über Jahre im Justizvollzug auffällig gewesen. Wegen zweifacher Vergewaltigung 2000 in Wiesbaden war er zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er sei selbstsicher und selbstbezogen, agiere „auf hohem Antriebsniveau“, urteilte der psychiatrische Gutachter Matthias Lammel.

dpa

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