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Verband warnt: Immer mehr heimischer Wald wird einfach verfeuert

Verband warnt: Immer mehr heimischer Wald wird einfach verfeuert

Der Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie (VHI) beklagt einen zunehmenden Raubbau beim heimischen Rohstoff Holz. Dabei sieht die Branche die Wälder vor allem durch eine „ungezügelte Förderung“ von Biomasse-Anlagen bedroht, die zu 85 bis 90 Prozent Holz verarbeiten.

Dresden. 2009 wurden darin bereits 55 Prozent naturbelassenes Holz verfeuert, um Strom zu gewinnen, sagte der VHI-Geschäftsführer Peter Sauerwein. Ursprünglich sollte aber nur Alt- oder Recycling-Holz wie Bahnschwellen verbrannt werden. „Die Menge an Anlagen hat dazu geführt, dass der Bedarf unheimlich gestiegen ist, was wiederum den Holzpreis in die Höhe trieb.“

Sauerwein versteht seine Kritik nicht als Votum gegen Biomasse, hält aber eine andere Reihenfolge in der Verwertung für notwendig. Demnach müsse das Holz zuerst in der Industrie verarbeitet werden und dürfe lediglich als Altholz zur Verbrennung kommen.

„Unser Ziel ist, den Kreislauf erst stofflich, dann energetisch zu forcieren. Alles gleich zu verbrennen ist der falsche Weg“, sagte Sauerwein und brachte das auf die Formel „Aus dem Wald - in die Anlage - durch den Schornstein - und weg. „Das führt dazu, dass die Verbrennung von Holz wahnsinnig zunimmt. Der Umwelt und dem Klima hilft das überhaupt nicht.“ Am Dienstag will die Branche auf einer Tagung in Dresden über diese Probleme debattieren.

Nach Angaben Sauerweins ist der Wald erstmals seit Jahrzehnten wieder an seiner Leistungsgrenze angelangt. Dies führe bereits heute zu Lieferengpässen. Laut Prognosen wird der Fehlbedarf an Holz in Europa bis 2020 auf 430 Millionen Kubikmeter wachsen, in Deutschland auf etwa 30 Millionen Kubikmeter jährlich. Das Dilemma lasse sich nur verhindern, indem man das Potenzial realistisch einschätze.

„In Deutschland wird inzwischen 93 Prozent des Holzaufwuchses genutzt. Da kann man sich in der Politik nicht hinstellen und sagen: Das lässt sich noch verdoppeln“, sagte Sauerwein. „Die Biomasse ist an ihre Grenzen gelangt. Es sei denn, man will den ganzen Wald verheizen. Das wäre dann Brandrodung - wie in Brasilien.“

„Die Mengen, die benötigt werden, um die Biokraftwerke zu füttern, sind einfach nicht vorhanden“, stellte der Geschäftsführer klar. Wenn die Politik auf diesem Kurs bleibe, gefährde das Arbeitsplätze in der Holzindustrie. Als Größenordnung nannte Sauerwein bis zu 300 000 Jobs. Der Verband warnte davor, die derzeit beim Bund gesperrten Haushaltsmittel des „Marktanreizprogrammes“ für erneuerbare Energien freizugeben.

Es fördert vor allem private Haushalte bei der Nutzung regenerativer Energie. Das Programm hat ein Volumen von 445 Millionen Euro, derzeit liegen 115 Millionen Euro auf Eis. Bei einer Freigabe würde der Holzbedarf weiter steigen, begründete Sauerwein seine Ablehnung.

dpa

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