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Verjüngungskur für Stahlkoloss F60 - Förderbrücke wird erneuert

Stille im Tagebau Verjüngungskur für Stahlkoloss F60 - Förderbrücke wird erneuert

Vattenfall legt im Tagebau Nochten seine riesige Förderbrücke still - allerdings nur für 13 Wochen. An der F60 müssen zwei tonnenschwere Bauteile erneuert werden - für die Beteiligten ein Riesenprojekt.

Die Förderbrücke F60 im Braunkohlentagebau in Nochten wird erneuert.

Quelle: dpa

Nochten. Die Förderbrücke F60 schweigt. Normalerweise lässt der riesige Stahlkoloss nicht nur Menschen neben sich winzig erscheinen, er lässt sie an Arbeitstagen mit brummendem Getöse verstummen. Dann transportiert er den Abraum, der über dem Kohleflöz im Tagebau Nochten liegt. Nun steht der Gigant still. Für den Austausch von zwei gewichten Bauteilen - der Großen Schwinge und des darüber liegenden Rollentischs - müssen die Arbeiter unter anderem einen Teil der 13 000 Tonnen schweren Förderbrücke mit Hilfe von Kränen zum Schweben bringen.

Henning Möbius stemmt die Hände in die Hüften. Als Chef der Förderbrücke kennt er wohl fast jede Schraube seiner F60. Gemeinsam mit den planenden Ingenieuren beim Energiekonzern Vattenfall ist er sich über das Mega-Projekt einig. „Beide Bauteile haben die Grenze ihrer Lebensdauer erreicht“, sagt er. 40 Jahre waren ursprünglich für den Einsatz der Förderbrücke - auf einer Querstrebe der Stahlkonstruktion steht das Baujahr 1974. Langsam wird es Zeit.

Vattenfall legt im Tagebau Nochten seine riesige Förderbrücke still - allerdings nur für 13 Wochen. An der F60 müssen zwei tonnenschwere Bauteile erneuert werden - für die Beteiligten ein Riesenprojekt.

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Nötig ist der Austausch auch, weil sich durch Umbauten in der Vergangenheit das Eigengewicht der riesigen Förderbrücke verändert hat. Der einst verwendete Stahl wurde immer spröder. „Bei Kälte ging seine Elastizität verloren. Er brach wie Glas und war schlecht zu schweißen“, erklärt Projektleiter René Zimpel.

Seine Planung für die F60-Verjüngungskur begann bereits 2008. „Im Tagebau Nochten soll bis in die 2030er Jahre Braunkohle gefördert werden, egal, zu wem wir dann gehören. Das geht nur mit funktionierender Technik“, sagt Lutz Mickel, Leiter der Tagebaue Nochten und Reichwalde. Ein vergleichbares Projekt werde es nicht wieder geben. Deutschlandweit existieren nur vier solcher aktiven Förderbrücken. Sie stehen in den Tagebauen Reichwalde, Welzow und Jänschwalde im Lausitzer Revier. Die anderen Anlagen verfügen über eine andere Technologie.

Nach langer Vorbereitungszeit geht es nun für die Ingenieure in die heiße Phase. Die neuen Bauteile wurden ab Februar in Plauen gefertigt. Ein Nachttransport hat die 550 Tonnen Stahl bereits zur Vormontage in den Tagebau gebracht. Dort warten sie in etwa zwei Kilometer Entfernung von der Baustelle auf ihren Einsatz. Seit der Nachtschicht vom 20. Juli pausiert die Förderbrücke. Was nicht heißt, dass der Tagebau still steht. Zwei Millionen Tonnen Rohbraunkohle wurden angebohrt, so dass der Abbau weiterlaufen kann. „Die Versorgung unserer Kraftwerke ist so gesichert“, sagt Mickel.

Bevor jedoch die neuen Bauteile ihren Platz wieder finden, müssen die alte Schwinge und der Rollentisch ausgebaut werden. Dazu werden unter anderem Stahlhilfskonstruktionen mit einem Gewicht von 450 Tonnen Stahl errichtet. Sie drückt die Brücke nach oben. Kräne übernehmen dann die Last, damit die zu wechselnden Bauteile freiliegen können. Zu den genauen Kosten für die Aktion äußerte sich Vattenfall nicht, der Konzern sprach lediglich von einem mehrstelligen Millionenbetrag.

Um den zügigen Ablauf kümmern sich im Vier-Schicht-System rund um die Uhr bis zu 300 Arbeitern auf der Baustelle. Anfang September machen sich die beiden neuen tonnenschweren Teile mit Hilfe eines Spezial-Transports im Schritttempo auf den Weg. Dieser Umzug wird mindestens acht Stunden dauern. Am 22. Oktober soll die Förderbrücke dann nach 13 Wochen Stillstand wieder ihren Betrieb aufnehmen.

Miriam Schönbach

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