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Versandhändler Neckermann nicht mehr zu retten - letzter Interessent abgesprungen

Versandhändler Neckermann nicht mehr zu retten - letzter Interessent abgesprungen

Für Neckermann ist nichts mehr möglich. Am Donnerstag ist bei dem insolventen Versandhandel der letzte Interessent abgesprungen, wie die vorläufige Insolvenzverwaltung am Donnerstag in Frankfurt mitteilte.

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Besser nicht in Vorkasse treten sollte, wer jetzt noch Waren bei Neckermann bestellt.

Quelle: Boris Roessler

Frankfurt/Main. Damit wird das einstmals erfolgreiche Traditionsunternehmen 52 Jahre nach seiner Gründung zum 30. September geschlossen. Das von Josef Neckermann gegründete Unternehmen nimmt damit das gleiche Schicksal wie vor drei Jahren die ehemalige Arcandor-Konzernschwester Quelle.

Die meisten der rund 2000 Beschäftigten am Stammsitz Frankfurt und am Standort Heideloh (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) in Sachsen-Anhalt sind damit ab der kommenden Woche arbeitslos. Über die österreichische Tochter Neckermann.at läuft ein gesondertes Insolvenzverfahren. Nur eine kleine „Rumpfmannschaft“ soll in Frankfurt die Arbeiten zur Abwicklung des Unternehmens begleiten.

Am Montag werde vom Amtsgericht Frankfurt voraussichtlich das ordentliche Insolvenzverfahren eröffnet und mit der Verwertung des restlichen Vermögens begonnen, berichtete der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Kühne. Zu den noch vorhandenen Werten gehörten Markenrechte, Internet-Adressen und die Kundenliste.

Der potenzielle Investor habe wie zahlreiche andere Interessenten zuvor letztlich abgewunken, sagte Kühne. Der finanzielle Aufwand sei wegen des lange Jahre entstandenen Investitionsstaus im zweistelligen Millionenbereich zu groß gewesen. Dem letzten, erst kurzfristig eingesprungenen Interessenten habe letztlich die Zeit zur Prüfung auch kartellrechtlicher Fragen gefehlt. „Der Markt hat entschieden, dass dieses Unternehmen nicht mehr zu retten war. Vollprofis haben sich das Unternehmen angesehen und festgestellt, dass die Kosten für ein Durchstarten viel zu hoch gewesen wären.“

Nach Meinung von Experten hat der klassische Katalogversand Neckermann den Wandel zum Internetversender nicht gepackt. Zahlreiche Eigentümer- und Managementwechsel haben wichtige Investitionen zum Beispiel in die Informationstechnologie verhindert. Zuletzt hatte der US-Investor Sun Capital weitere Geldspritzen abgelehnt und das Unternehmen in die Pleite entlassen. Gerettet werden konnte lediglich die auf Übergrößen spezialisierte Tochter „Happy Size“, die mit 80 Arbeitsplätzen an den Konkurrenten Klingel aus Pforzheim verkauft wurde.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi werden ab der kommenden Woche nur noch knapp über 100 Menschen bei Neckermann arbeiten, um das Unternehmen sauber abzuwickeln. Ein Ausverkauf sei nicht geplant, die restlichen Waren gingen an Großabnehmer, sagte der Frankfurter Gewerkschaftssekretär Wolfgang Thurner. Bereits in den vergangenen Woche waren Produkte mit hohen Rabatten an die Kunden gebracht worden. Viele Artikel erscheinen auf der Internet-Seite bereits mit dem Vermerk „ausverkauft“. Laut Insolvenzverwalter Kühne werde noch so lange ausgeliefert, wie Waren über die Seite bestellbar seien.

Eine noch unbekannte Zahl von Beschäftigten muss sich neue Arbeit suchen. Die Arbeitsagentur hatte ihre Daten bereits in der vergangenen Woche aufgenommen, damit ihre Ansprüche nicht verloren gehen. Genaue Zahlen liegen nach Angaben einer Sprecherin der Regionaldirektion Hessen noch nicht vor.

In den Neckermann-Büros und -Hallen herrschte am Donnerstag erst einmal Endzeitstimmung. „Viele haben sich schon voneinander verabschiedet. Es war sehr emotional“, berichtete Betriebsratschef Thomas Schmidt, der mit seinen Kollegen auch zu einer letzten Betriebsratssitzung zusammengekommen war. Viele Arbeitnehmer haben nahezu ihr ganzes Berufsleben bei dem Versandhandel bestritten.

Christian Ebner, dpa

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