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Vogelpopulation schrumpft: Droht ein stummer Frühling in Leipzig?

Umwelt Vogelpopulation schrumpft: Droht ein stummer Frühling in Leipzig?

Ein Drittel aller Vogelarten in Deutschland zeigt seit 20 Jahren erhebliche Bestandsabnahmen. Vor allem in ländlichen Gebieten sind die Tiere durch Nahrungs- und Lebensraummangel bedroht.

Die Population der Feldlerche ist um ein Drittel geschrumpft.
 

Quelle: NABU

Leipzig.  Die Zahl der Vögel in Deutschland geht dramatisch zurück. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor. So soll die Anzahl der Brutpaare in den landwirtschaftlichen Gebieten der Europäischen Union allein zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen zurückgegangen sein – ein Minus von 57 Prozent.

In Deutschland ist unter anderem der Kiebitz betroffen: Seit 1990 ist der Bestand um 80 Prozent geschrumpft, 2015 landete die Art auf der Internationalen Roten Liste gefährdeter Vogelarten. Im selben Zeitraum ist die Anzahl der Feldlerchen und Braunkehlchen um 35 Prozent beziehungsweise 63 Prozent gesunken. Der Rückgang der Rebhühner liegt sogar bei 84 Prozent. Fazit: Ein Drittel aller Vogelarten zeige seit Ende der 90er Jahre signifikante Bestandsabnahmen. „Die Situation der Vögel ist dramatisch“, kommentierte Steffi Lemke, parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag, die Zahlen. „Es droht ein stummer Frühling.“

Weniger Nahrung durch Pestizide

Grund ist vor allem der Schwund des Lebensraumes und des Insektenbestandes – die Hauptnahrungsquelle vieler Vögel. Besonders in ländlichen Gebieten macht sich das bemerkbar. Verantwortlich ist der verstärkte Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft, aber auch in privaten Kleingärten. „In der Stadt macht sich das weniger bemerkbar, dafür haben wir hier andere Probleme“, erklärt Andreas Sievert, Vorsitzender des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) in Leipzig. „Aufgrund der vielen Sanierungen verlieren gebäudebewohnende Vögel wie der Haussperling ihren Lebensraum. Viele Bauherren wissen das gar nicht, anderen ist es egal.“ Auch Baumfällungen und Strauchrodungen, beispielsweise in Hinterhöfen, machen den Tieren zu schaffen. Allein 2016 registrierte der NABU einen Verlust von 50 Hektar tierischen Lebensraums in der Messestadt – das entspricht in etwa der Größe des Innenstadtrings. Rund 3000 Wildtiere seien durch menschliches Handeln ums Leben gekommen, ein Drittel davon Vögel.

Zugvögel sind durch menschliches Handeln ebenfalls bedroht. Schwalben, Mauersegler und Co. haben auf ihrer Reise zunehmend mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen, leiden auch hier an Nahrungs- und Lebensraumschwund. Besonders Störche haben es zurzeit schwer: „Rund 50 markierte Störche sind dieses Jahr nicht nach Deutschland zurückgekehrt“, erklärt Achim Roth, Storchenexperte des NABU im Raum Oschatz. Eine Untersuchung ergab, dass die Tiere in Afrika vergiftet und geschlachtet wurden – eine Folgen von Hungersnöten.

So kann geholfen werden

Wer im Kleinen zum Wohl der Vögel beitragen möchte, der kann bereits damit helfen, wenn er aufmerksam ist und den NABU informiert, sobald Lebensraum – Bäume, Sträucher, Hohlräume in Häusern – in größerem Maße verloren geht. Haus- und Gartenbesitzer können Nistkästen und Vogelhäuser aufstellen oder darauf achten, Gewächse zu anzupflanzen, die sowohl Nektar als auch Früchte tragen. Auch nachhaltiger Konsum ist eine Option, die jeder wahrnehmen kann.

Außerdem kann der NABU durch eine Teilnahme an den jährlichen Garten- und Wintervogelzählung unterstützt werden – die nächste ist für den 13. und 14. Mai angesetzt. „Die deutschlandweit hohe Beteiligung ist immer sehr erfreulich, doch gerade im Raum Leipzig könnte sie noch höher sein“, so Sievert. Weiter Informationen dazu unter www.nabu-leipzig.de/veranstaltungsreihen

Gute Nachrichten aus dem Auwald

Gute Nachrichten für Vogelfreunde gab es hingegen vor einigen Wochen aus dem Leipziger Auwald: Hier haben mehrere Eisvögel – jahrelang und noch immer vom Aussterben bedroht – neue Brutstätten gefunden. „Eine Folge der Schutzbemühungen, die die Gesellschaft bei akut bedrohten Arten ergreift – und natürlich auch der Gewässerqualität, die sich seit der Wende zunehmend verbessert hat“, erklärt Sievert. Der Auwald sei eines der wenigen, bedeutenden Brutgebiete des Eisvogels in Europa – die Stadt solle dies auch stolz nach vorn tragen, meint er.

„Vögel sind Bioindikatoren“, erläutert Sievert weiter. „Ihre Population lässt Schlüsse darüber zu, wie es derzeit um unser Ökosystem bestellt ist.“ Es bräuchte grundlegende Veränderung in der europäischen Landwirtschaftspolitik, um die aktuellen Probleme anzugehen. In einer Online-Abstimmung des NABU unter dem Namen „#LivingLand“ beteiligten sich zuletzt knapp 260.000 Bürger, die eine grundlegende Reform der EU-Kommission für eine verantwortungsbewusste Landwirtschaft forderten. Ziel ist unter anderem, Betriebe, die nachhaltig wirtschaften, stärker zu fördern.

Von Christian Neffe

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