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Vollzugsbeamten geht es besser - Torgauer Gefängnis erhält unterirdischen Gang

Vollzugsbeamten geht es besser - Torgauer Gefängnis erhält unterirdischen Gang


Torgau/Leipzig. Den beiden am vergangenen Samstag bei einem Ausbruchsversuch im Torgauer Gefängnis schwer verletzten Vollzugsbeamten geht es wieder besser.

. Beide Männer sind am Montag aus dem Kreiskrankenhaus der Elbestadt entlassen worden. Ihre Kollegen erhalten von drei Psychologen aus dem Gefängnis Zeithain. "Sie gehören zu einer Task Force, die für solche Fälle geschult ist", sagte Sachsens Justizminister Geert Mackenroth.

Er kündigte eine Verbesserung der Sicherheitsstandards in der Torgauer Anstalt an. Bisher mussten die Schwerverbrecher von ihrem Zellengebäude quer über das Gefängnisgelände zur Freianlage laufen. Künftig soll dieser Weg wie im Dresdner Gefängnis durch einen Tunnel zurückgelegt werden. Die Unterführung werde bis 2012 fertiggestellt.

Die beiden Vollzugsbeamten Torsten M. und Gunnar S. hatten am Samstag sechs Häftlinge während ihres Hofganges zwischen 12 und 13 Uhr beaufsichtigt, berichtete Mackenroth weiter. Der 39-jährige Torsten M. habe nach dem einstündigen Freiluftaufenthalt die Tür zum Gefängnis aufschließen wollen, als ihm Tahan T. auf den Rücken gesprungen sei. Der gebürtige Iraker habe dem Wärter dann einen Schlag in den Nacken versetzt.

Torsten M. konnte den Angreifer abschütteln und und auf das Gefängnisgelände flüchten. Zeitgleich wurde auch sein 41-jähriger Kollege angegriffen. Der 54-jährige Insasse Lutz V. habe Gunnar S. von hinten gewürgt. Tahan T. sei dann dazugekommen und habe dem Wärter in die Brust gestochen.

Dazu hat er nach Aussagen des Justizministers einen angeschliffenen Löffel und ein Messer aus dem Anstaltsbesteck benutzt. Wie die Waffen geschärft wurden und auf den Hof gelangten, ist noch unklar. Beide Männer hätten zuvor weder in der Tischlerei noch in der Schlosserei der Anstalt gearbeitet.

Nun sollen ihre Zellen genau untersucht werden. Dabei soll auch geprüft werden, ob es möglich war, die Waffen am Betonfußboden oder anderem Gestein zu schleifen. Alle Gefangenen seien vor dem Hofgang auf Waffen kontrolliert worden, so Mackenroth weiter. Entweder hätten die beiden Verbrecher das Besteck in einer Körperöffnung hinaus geschmuggelt oder es sei bereits im Freien versteckt gewesen.

Den beiden Angreifern gelang es dann, Gunnar S. das Schlüsselbund abzunehmen. Die anderen vier Häftlinge beteiligten sich nicht an der Aktion. "Zwei Gefangene leisteten erste Hilfe, die beiden anderen verhielten sich passiv", beschrieb Erico Anselmi, stellvertretender Anstaltsleiter, die weitere Situation.

Die beiden Flüchtlinge gelangten allerdings nur bis in den Besucherraum der Anstalt. Hier trafen zu diesem Zeitpunkt sechs Gefangene ihre Familien. Die Häftlinge hätten nicht in das Geschehen eingegriffen, sondern sich schützend vor ihre Angehörigen gestellt. Die Besuchszeit wurde von vier Beamten, drei Männern und einer Frau, überwacht.

Die JVA-Bedienstete reagierte geistesgegenwärtig und verschloss die nächste Tür in Richtung Ausgang und ließ ihren Schlüssel stecken. "Sie hat sich prächtig und intelligent verhalten", sagte Mackenroth. Da V. und T. den Weg zurück blockiert hatten, um den Wärtern den Zugang zu verstellen, saßen sie nun in der Falle und seien dann vom JVA-Personal überwältigt worden.

"Wir haben zwei Mal mächtig Glück gehabt", so der Justizminister. Zum einen gehe es den verletzten Beamten den Umständen entsprechend gut. Gunnar S. erlitt bei dem Angriff Stiche in Lunge und Hals, sein Kollege wurde wegen der Schläge im Hals- und Nackenbereich behandelt. Zum anderen sei er froh, dass die Situation im Besucherraum nicht eskalierte und keine weiteren Menschen zu Schaden gekommen seien.

Ferner hätten Lutz V. und Tahan T. mit den entwendeten Schlüsseln das Gefängnis gar nicht verlassen können. Die letzten Türen in die Freiheit werden mit einem elektromagnetischen Schließsystem bedient. Die gestohlenen Schlüssel hätten den beiden Schwerverbrechern nichts genutzt.

Die JVA Torgau gilt als "Sachsens Endstadion", berichtete Mackenroth. Hierher kämen die "besonders schweren Jungs." Auf Station 1 sitzen neben den beiden Ausbrechern zehn weitere Schwerkriminelle ein. Sie gelten als besonders gewalttätig und fielen bereits in anderen Anstalten durch Übergriffe gegenüber Mithäftlingen auf. Insgesamt verbüßen derzeit 340 Männer in der Elbestadt ihre Strafe hinter Gittern.

Lutz V. wurde im Januar 2009 aus Leipzig nach Torgau verlegt. Im Dezember 2008 verurteilte ihn das Landgericht Leipzig wegen schweren Raubes zu neun Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung. Grund dafür war eine Gefährlichkeitsprognose und 20 Vorstrafen, darunter auch wegen Vergewaltigung. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Leipzig im vergangenen Jahr hatte Lutz V. sich selbst als unvermindert gefährlich eingestuft: Wäre er auf freiem Fuß, würde er umgehend das nächste Ding drehen, weil er von dem bisschen Sozialhilfe nicht leben könne.

Tahan T. kam im März 2007 aus Bautzen nach Torgau. Der 27-jährige wurde wegen Mordes verurteilt. Der Iraker lebte seit 1999 in Deutschland. Die beiden Straftäter wurden nach dem Vorfall am Montag in andere Haftanstalten des Freistaates verlegt. Außerdem müssen sie erneut mit einer Angeklage wegen eines versuchten Tötungsdelikts rechnen.

 

 

Anne Sturm/Matthias Roth

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