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Vom Schmuddelkind zum Denkmal: Ost-Länder besinnen sich auf ihre DDR-Bauten

Vom Schmuddelkind zum Denkmal: Ost-Länder besinnen sich auf ihre DDR-Bauten

DDR-Bauten haben oft einen schweren Stand, sich zwischen jahrhundertealtem Erbe und neuer Architektur zu behaupten. Der Blick darauf schwankt zwischen Begeisterung und notwendigem Übel.

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Panorama-Hotel in Oberhof.

Quelle: dpa

Erfurt/Leipzig. Dabei bietet ostdeutsche Architektur häufig mehr als eintönige Neubaugebiete - vielfach überrascht sie mit gewagten Lösungen.

Länder, Kommunen, Firmen, Eigentümer und Investoren gehen höchst unterschiedlich mit der Hinterlassenschaft um. Nach Meinung von Thüringens Landeskonservator Holger Reinhardt hat seit 1990 ein Umdenken eingesetzt. Ideologisch begründete Berührungsängste würden schwächer, und junge Leute interessiere das Thema ohnehin eher nicht.

In Sachsen seien viele Bauten verschwunden, die zur Zeit des Abrisses nicht als Denkmale anerkannt waren, sagte Hartmut Ritschel vom Landesamt für Denkmalpflege. Als Beispiel nannte er für Dresden einzelne Gebäude der Prager Straße, das Centrum-Warenhaus und die HO-Gaststätte „Am Zwinger“ - im Volksmund Fresswürfel genannt - oder auch für Leipzig das Robotron-Gebäude.

Protest gegen Umbau der Leipziger Hauptpost

Oft rege sich Protest gegen die drohende Vernichtung oder zu starke Veränderungen des Originals, wie beim geplanten Abriss der TU-Mensa in Dresden oder beim Umbau der Leipziger Hauptpost. Das markante Gebäude am Augustusplatz soll einen Glasaufbau bei der Sanierung erhalten. Prominente protestieren dagegen und haben gerade einen Brief an Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) geschrieben.

Denkmalpfleger Ritschel sieht durchaus eine gewisse Ähnlichkeit bei Bauten in Ost und West. Oft laufe hier ab etwa 1960 die DDR-Architektur ein oder zwei Jahre hinterher, aber insgesamt drückten die Gebäude etwas Gemeinsames aus. Bestimmte Gattungen und Bauweisen in Ost und West seien unabhängig vom politischen System einander näher gewesen, als es vielleicht beiden Seiten lieb war.

Das sieht Reinhardt ähnlich. Er will das auf die gesamte Nachkriegsarchitektur in Westeuropa erweitert wissen. „Die Geschichte lehrt uns, dass ein gewisser Abstand notwendig ist, um objektiv bewerten zu können, ob etwas schutzwürdig ist oder nicht.“ Jüngstes Beispiel sei das 1988 übergebene Haus der Kultur in Gera - weniger wegen seiner architektonischen Erscheinung als wegen seiner Struktur, die die seinerzeit abnehmenden Möglichkeiten der DDR zeige.

Typisierte Verwaltungsbauten wie in Greiz-Döhlau und die Feuerwache in Gera stehen ebenso unter Schutz wie die einzige in der DDR erbaute Synagoge in Erfurt oder das 1967/68 in Oberhof entstandene Interhotel „Panorama“ in Gestalt zweier einander gegenüberstehender Sprungschanzen.

In Brandenburg umfasst die Liste rund 13.200 Denkmale, wobei die Zahl der aus DDR-Zeiten stammenden Bauten nicht extra ausgewiesen ist. In Potsdam sind mehr als 60 Objekte erfasst, darunter eine Villa, in der die sowjetische Delegation während der Potsdamer Konferenz 1945 wohnte, oder auch das Kulturhaus des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit, was heute als Seminargebäude der Universität dient.

Stadt vom Reißbrett

Das in den 50er Jahren entstandenen Eisenhüttenstadt wiederum gilt als Beispiel für eine am Reißbrett entstandene sozialistische Kommune. Als besonders schützenswert werden zudem das Verwaltungsgebäude des ehemaligen Atomkraftwerks in Rheinsberg, das Festspielhaus in Wittenberge oder das Kulturhaus in Rüdersdorf eingeschätzt.

„Nur Objekte, die hinsichtlich ihres historischen Zeugniswerts etwas Besonderes sind, werden in die Landesdenkmalliste eingetragen“, erläuterte Ralph Paschke vom brandenburgischen Landesamt. Nicht jeder Plattenbau verdiene das - es sei denn, er entstand in ganz besonderer Bauweise oder als Prototyp.

Sachsen-Anhalts Liste weist zwischen 300 und 400 DDR-Bauten aus. Um sie zu erhalten, brauche es viel Kooperationsbereitschaft, sagte Landeskonservatorin Ulrike Wendland. Oft gebe es bei den Jahrzehnte alten Objekten Probleme bei der notwendigen Sanierung, denn die Denkmalauflagen für Dächer, Fenster oder Wärmeschutz seien streng. Gerade bei jüngeren Denkmalen verhielten sich die Eigentümer oft nicht allzu kooperativ.

Denkmalgeschützt sind die drei sogenannten Y-Häuser in Dessau, das ehemalige Centrum-Warenhaus in Magdeburg, der „Chemie-Pavillon“ in Lutherstadt Wittenberg, der Bahnhof Sangerhausen sowie Plattenbauten an der Kleinen Klausstraße in Halle.

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Das Ernst-Thälmann-Denkmal in Berlin.

Quelle: Archiv

Auch Bauten bekannter Architekten wie die Hyparschale - eine Mehrzweckhalle in Magdeburg  nach einem Entwurf von Ulrich Müther - stehen unter Schutz. Rund 50 der futuristisch prägenden Bauwerke des Rügener Ingenieurs sind noch in Mecklenburg-Vorpommern zu finden, darunter ein Rettungsturm der Wasserwacht in Binz, der „Teepott“ Warnemünde, die Schwimmhalle des Cliff-Hotels Sellin, die neue Christus-Kirche Rostock und die Stadthalle Neubrandenburg. Das turmartige „Haus der Kultur und Bildung“ von 1965 in Neubrandenburg wird im Auftrag der städtischen Wohnungsgesellschaft für rund 20 Millionen Euro saniert und umgebaut.

Das ungenutzte Gebäudeensemble des „Jugendobjektes Friedländer Große Wiese“ (1958-62) in Schwichtenberg will der Kreis verkaufen. Berlin hat vor kurzem nicht die Karl-Marx-Allee auf die Liste der künftigen Welterbe-Nominierungen platzieren können. Der Senat hatte den einstigen Prachtboulevard Stalin-Allee im Ostteil mit dem grünen Hansa-Viertel im Westen als Beispiel für den Städtebau im geteilten Berlin vorgeschlagen. Die Allee gilt als Paradebeispiel für monumentale sozialistische Architektur der Nachkriegsjahre.

jr/dpa

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