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Vor 50 Jahren: Delitzscher Ingenieur fördert erstes Erdöl in der DDR

Vor 50 Jahren: Delitzscher Ingenieur fördert erstes Erdöl in der DDR

Vor 50 Jahren, am 21. März 1961, stieß die DDR an der Suchbohrung E Reinkenhagen 2/2a/60 in Nordvorpommern erstmals auf Öl. Der V. Parteitag des SED hatte im Juli 1958 die Richtlinie vorgegeben, neue Energiequellen zu erschließen und die Suche nach Öl zu intensivieren.

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Der erste Erdölfund vor 50 Jahren in der DDR löste fast Euphorie aus.

Quelle: dpa

Reinkenhagen. Der Messingenieur Dieter Landes, 1938 im sächsischen Delitzsch geboren, folgt nach dem Studium in Leipzig und erster Berufsstation in Dessau dem Lockruf des schwarzen Goldes in den Norden.

Nicht nur die Arbeit, die nach Abenteuer und Freiheit roch, zog ihn an die Küste. „Ich habe hier die saubere Luft eingeatmet. Das war was ganz anderes als Bitterfeld“, erinnert er sich heute. Anfangs campierten die Männer provisorisch in Wohnwagen neben den Bohrlöchern - später wuchs der Betrieb zu einem DDR-weiten Kombinat mit mehr als 6000 Mitarbeitern an. Allein in Grimmen westlich von Greifswald arbeiteten 2000 Menschen. Plattenbauten wurden auf Äcker gepflanzt.

Seit Anfang der 1960-er Jahre pumpten die Mitarbeiter von Erdöl-Erdgas Gommern in der DDR mehr als drei Millionen Tonnen Erdöl an die Oberfläche. Die DEFA drehte im Jahr 1965 einen heroischen Film mit dem Titel „Terra incognita“, der die Umstände der Erdölförderung und vor allem die Unterstützung durch russische Geologen beschrieb. Im Januar 1962 wurde die industrielle Förderung aufgenommen.

Dieter Landes und frühere Kollegen wie Geologe Detlef Schwahn, den es Mitte der 1960-er Jahre aus Berlin an die Küste spülte, haben nach der Wende in Reinkenhagen ein Erdölmuseum aufgebaut und dafür intensiv recherchiert. Dabei fanden sie auch Belege, dass die Ölförderung durchaus gefährlich war. Am 25. Juli 1969 kam bei der Bohrung E Rambow 12/69 in Nordbrandenburg der Anlagenleiter Helmut Kringel ums Leben. Sieben Menschen wurden schwer verletzt.

Fast unmerklich hatte sich kurz nach Schichtbeginn eine bläulich-neblige Wolke über das Bohrloch gelegt. Kringel und seine Kollegen können den unkontrollierten Gasaustritt nicht mehr stoppen. Um 14.58 kommt es zur Explosion. Staatliche Behörden beziffern später den volkswirtschaftlichen Schaden auf 9,6 Millionen DDR-Mark - Ermittlungsbehörden machen menschliches Versagen als Ursache für das Unglück aus, heißt es in dem Buch „Schatzsucher“, in dem die Geschichte des Erdölbetriebs dokumentiert ist.

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Der Messingenieur Dieter Landes, 1938 im sächsischen Delitzsch geboren, folgt nach dem Studium in Leipzig und erster Berufsstation in Dessau dem Lockruf des schwarzen Goldes in den Norden.

Quelle: dpa

„Nach diesem tragischen Vorfall wurden die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärft“, erinnert sich Landes, der kurz vor der Wende die Leitung der Erdölförderung in der DDR übernahm. Doch die Suche nach dem schwarzen Gold wurde auch weiter von Rückschlägen begleitet. Probebohrungen wurden wochenlang ins Gestein getrieben - doch oftmals blieb der Erfolg aus. Die Ausbeute war gering. Der Traum der DDR, sich mit eigener Erdölförderung weitgehend unabhängig von teuren Importen zu machen, erfüllte sich nicht.

„Fördermengen-Vorgaben durch Partei oder Staat gab es nicht“, sagt Landes. „Doch den politischen Druck haben wir gespürt.“ Die Maßgabe, das Öl so schnell wie möglich aus der Erde zu holen, führte dazu, dass das für eine langfristige Förderung günstige Förderverhältnis zwischen Öl und Erdölbegleitgas verschoben wurde, wie Landes sich erinnert. So schnellte im Spitzenjahr 1969 die Jahresausbeute auf rund 350 000 Tonnen Öl hoch, sank aber in den Folgejahren genauso schnell in den Keller, weil kein Druck mehr auf den Löchern war. Selbst die Fördermengen der Spitzenjahre aber konnten nur einen Bruchteil des in der DDR benötigten Erdöls von jährlich 13 bis 15 Millionen Tonnen decken.

„Ökonomisch war die Förderung nicht“, bilanziert Landes. Doch darum sei es damals wohl auch nicht gegangen. Jeder in der DDR geförderte Liter Erdöl ersparte der finanzschwachen DDR Valuta-Ausgaben. „Letztendlich war unsere Arbeit der Frachter mit Bananen, den die DDR zu Weihnachten im Ausland einkaufen konnte.“

 Noch heute fördert die französische GDF Suez aus zwei Löchern in Mesekenhagen und Lütow (Ostvorpommern) Öl - hohe Weltmarktpreise machen die Förderung offenbar wirtschaftlich. Das kanadische Unternehmen Central European Petroleum versucht derzeit, mit neuer Bohrtechnik Ölreserven auf die Spur zu kommen. Das Unternehmen hat die Genehmigung für drei Probebohrungen im Nordosten erhalten.

Martina Rathke, dpa

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