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Vorurteile im Kopf: Viele junge Westdeutsche meiden Universitäten im Osten

Vorurteile im Kopf: Viele junge Westdeutsche meiden Universitäten im Osten

Graue Landschaften, heruntergekommene Plattenbau-Städte und jede Menge Rechtsextreme: Klischees über Ostdeutschland sind nach einer Umfrage weiterhin in den Köpfen vieler junger Westdeutscher verwurzelt.

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Die Technische Universität Dresden hat das begehrte Elite-Uni-Siegel erhalten. (

Quelle: Arno Burgi)

Berlin. Nur 13 Prozent der 16- bis 24-jährigen würden nach einer Umfrage der Hochschulinitiative Neue Bundesländer für ein Studium an eine ostdeutsche Hochschule gehen. Ein gutes Viertel kann sich das überhaupt nicht vorstellen.

Aber es gibt auch eine gute Nachricht. Im Vergleich zu 2009 haben die 44 ostdeutschen Hochschulen deutlich an Image gewonnen - auch im Westen. Ihre Pluspunkte: Keine Studiengebühren, niedrige Lebenserhaltungskosten und deutlich weniger Studenten pro Professor.

Seit 2009 befragt die Hochschulinitiative jeweils rund 500 junge Leute sehr genau zu ihren Studienwünschen - als repräsentative Gruppe innerhalb dieser Altersklasse. Drei Viertel der Befragten sind junge Westdeutsche, ein Viertel Ostdeutsche. „Die Vorurteile sind noch da, aber es ist besser geworden“, fasst Sprecherin Katrin Kuhn die Ergebnisse zusammen. 2009 wollten nur fünf Prozent der befragten Westdeutschen im Osten studieren. Diffuse Gefühlslagen, nach denen Ostdeutschland „irgendwie anders“ sei, aber blieben weiterhin. Auch Zweifel an guter Ausbildung, einer guten technischen Ausstattung und Karrierechancen herrschen bei rund der Hälfte der interviewten Westdeutschen weiter vor.

Direktoren wehren sich

Es sind Klischees, denen Peer Pasternack als Direktor des Instituts für Hochschulforschung in Halle, vehement entgegentritt. „Die ostdeutschen Hochschulen verfügen inzwischen nicht nur über eine sehr moderne Ausstattung, sondern auch über intensive Kontakte zu Forschungsinstitutionen und Unternehmen“, sagt er. Für eine ganze Reihe von Fächern gebe es wegen des Fachkräftemangels in Ostdeutschland nach dem Studium fast eine Jobgarantie. Zum Beispiel in den Branchen Biotechnologie, Maschinen- und Anlagenbau oder Public Health, ergänzt Kuhn. Die Vorurteile aus dem Westen nehmen die ostdeutschen Hochschulen inzwischen mit Humor: Sie werben mit dem Slogan „Studieren in Fernost“.

Nach der jüngsten Umfrage schauen künftige Studenten bei ihrer Hochschulwahl vor allem auf niedrige Lebenserhaltungskosten, die Höhe der Studiengebühren, eine hohe Qualität der Lehre und gute Jobchancen. Ein Drittel möchte dabei aber am liebsten erst einmal in der Heimatregion bleiben. Die jungen Westdeutschen zeigen sich insgesamt zwar etwas mobiler als die Ostdeutschen, die vor allem Berlin als Studienort im Visier haben. Aber Greifswald kommt Abiturienten zwischen Flensburg und München für ein Studium eher selten in den Sinn - wenn sie nicht in stark gefragten Fächern wie Medizin oder Pharmazie zentral dorthin „gebucht“ werden.

Ostdeutsche Absolventen im Rückblick zufriedener

Das liegt nicht immer daran, dass Vorurteile gegen Ostdeutsche gepflegt werden. Mehr als die Hälfte der befragten Westdeutschen hält sie für herzlich und freundlich - und nur eine Minderheit für arm, arbeitslos oder rassistisch. Die hohe Qualität der Lehre wird dann aber doch deutlich eher westdeutschen Unis zugetraut.

Fragt man die Absolventen, bekommt dieses Bild Risse. Denn Studenten in Ostdeutschland sind nach Angaben der Hochschulinitiative im Rückblick oft zufriedener mit ihrer Hochschule als die Kommilitonen im Westen. 87 Prozent würden hier noch einmal studieren - im Westen sind es 82 Prozent. Nach den Recherchen der Initiative spielt es bei der Jobsuche heute keine Rolle mehr, ob jemand im Westen oder Osten Deutschlands studiert hat. Die Hochschulen im Osten hätten sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert.

Das spiegelt sich auch in der Exzellenzititiative des Bundes. In diesem Jahr erhielten sowohl die Humboldt-Universität Berlin als auch die Technische Universität Dresden das begehrte Elite-Uni-Siegel.

dpa

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