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Warum es beim Katholikentag auch um den Islam geht

Respekt und Toleranz Warum es beim Katholikentag auch um den Islam geht

Zehntausende Katholiken feiern derzeit ihren Glauben in der Messestadt. Zum 100. Jubiläum spielt auch das Verhältnis zu anderen Religionen eine wichtige Rolle. Besonders aktuell ist die Beziehung zum Islam.

Timo Güzelmansur sieht sich als Vermittler zwischen den Religionen und den Kulturen.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Etwas versteckt im Innenhof der Volkshochschule in der Leipziger Löhrstraße steht ein weißes Zelt. Es ist verziert mit orientalischen Mustern, innen werden dunkle Holzpodeste von bunten Kissen geschmückt. Davor stehen Hocker um kleine Kupfertische mit Teeservice.

Das „Marokkanische Königszelt“ der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle (CIBEDO) ist eine der Begegnungsstätten auf dem 100. Katholikentag in der Messestadt. Hier bittet Geschäftsführer Timo Güzelmansur zum Gespräch über das Verhältnis zwischen Christentum und Islam, das gerade in diesen turbulenten Zeiten im Fokus der Aufmerksamkeit steht. „Das Interesse an Informationen über den islamischen Glauben ist groß, wir erhalten sehr viele Anfragen“, sagt der promovierte Theologe.

Kritische Auseinandersetzung

Güzelmansur selbst ist gebürtiger Türke, konvertierte aus dem Alevitentum zum Katholizismus. Durch seine Erfahrungen und die Kenntnisse beider Glaubensrichtungen sieht er sich als Vermittler zwischen den Religionen und Kulturen. „Wir leben in Deutschland seit Jahren in einer multireligiösen Gesellschaft. Pauschale Aussagen über die Muslime heizen die Stimmung jetzt auf, deshalb muss sich mehr mit dem Islam beschäftigt werden – auch kritisch“, sagt der 39-Jährige.

Geht es etwa um die Frage von Gewalt im Namen der Religion, sei es nicht zielführend, einen Zusammenhang mit dem islamischen Glauben auszuschließen. „Tatsächlich beziehen diese Menschen sich ja auf Inhalte des Korans. Ob das legitim ist oder nicht, ist das ist erstmal eine andere Frage“, betont er. Wichtig sei deshalb eine umfassende und kritische Auseinandersetzung mit den Texten. „Die Frage ist, ob etwas wortwörtlich genommen wird oder ob es nicht doch eher sinnbildlich gemeint sein könnte. In der Bibel gibt es immerhin auch solche Textzeilen“, vergleicht er. Er sieht deshalb islamische Theologen in der Pflicht klarzustellen, dass die Interpretation der Terroristen nicht im Einklang mit den Vorstellungen des Islams steht.

Der unsichtbare Teilnehmer

Um Vorurteile zwischen den Konfessionen abzubauen, ist für den CIBEDO-Geschäftsführer der Dialog, nicht nur zwischen dem Islam und dem Christentum, der Schlüssel. „Es geht darum, sich auszutauschen, sich kennenzulernen. Viele Religionen haben ähnliche Traditionen, nur eben aus unterschiedlichen Gründen. Es muss möglich sein, das Gegenüber in seinem Anderssein zu respektieren und auch zu verstehen“, so Güzelmansur. Außerdem plädiert er dafür, nicht jedes Phänomen anhand der Religion erklären zu wollen. „Es hängt doch nicht alles vom Glauben ab, es spielen auch Kultur und Traditionen eine Rolle. Es gibt so viel mehr.“

Einen Aspekt, so Güzelmansur, dürfe man bei allem, was besprochen und diskutiert würde, auf keinen Fall vergessen. „Egal,wer spricht, er gibt immer einen unsichtbaren Partner im Gespräch – und das ist die Verfassung, das Grundgesetz. Alles, was wir tun und sagen, muss damit konform sein“, betont er.

Der Katholikentag spielt für Güzelmansur eine wichtige Rolle für den Dialog zwischen den Religionen. „Wir machen auf den Podien deutlich, dass wir miteinander reden, nicht verfeindet sind. Das setzt hoffentlich Impulse. Trotz der Unterschiede ist ein friedliches Zusammenleben möglich.“

Von Nathalie Helene Rippich

Leipzig 51.3470695 12.3732582
Leipzig
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