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Was vom Wachturm übrig blieb - Frühere Grenzanlagen im Osten fast verschwunden

Was vom Wachturm übrig blieb - Frühere Grenzanlagen im Osten fast verschwunden

Wer hier wartete, brauchte viel Geduld. Manch einem trieb die Prozedur auch den Angstschweiß auf die Stirn. Seit dem Wegfall der innerdeutschen Grenze sind Kontrollen jedoch Geschichte.

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Der deutsch-polnische Grenzübergang Stadtbrücke in Frankfurt (Oder) am 24.09.2012 (oben) und darunter den Grenzübergang am 10.09.2012. Zurzeit werden die meisten Teile der Anlage abgerissen.

Quelle: dpa

Frankfurt. An den Schranken auf dem Weg nach Tschechien und Polen dauerte es dagegen etwas länger. Erst, als diese Staaten 2004 der Europäischen Union beitraten, konnten Personalausweise oder Pässe daheim in der Schublade bleiben. Unterdessen gibt es auch hier kaum mehr Spuren der Vergangenheit. Allerdings erinnern Gedenkstätten etwa an die Zeit des Kalten Krieges.

Hier und da rosten noch immer Teile der früheren Grenzanlagen vor sich hin. Wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab, sind aber schon die meisten Wachhäuschen, Schlagbäume und Lichtmasten in Ostdeutschland verschwunden - oder erinnern innerhalb des Landes als Gedenkstätten an die deutsche Teilung.

Zum Beispiel in Sachsen-Anhalt: An dem früheren DDR-Grenzübergang Marienborn an der A2 (Berlin-Hannover) steht heute die Gedenkstätte Deutsche Teilung. Sie wurde im August 1996 eröffnet. Dort sind Sperr- und Kontrollanlagen sowie Zollräume erhalten, Autofahrer bei der Rast oder Schülergruppen auf Ausflug können Ausstellungen besichtigen.

Der Übergang lag an der früheren Transitstrecke zwischen der alten Bundesrepublik und dem Westteil Berlins und galt nach Angaben der Gedenkstätte als größte und bedeutendste Grenzübergangsstelle an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Zwischen 1985 und 1989 seien dort 34,6 Millionen Reisende abgefertigt worden. Gedenkstätten gibt es auch in Thüringen, etwa Point Alpha in Geisa und das Grenzmuseum Schifflersgrund am Originalort im Gebiet Hessen/Thüringen.

Touristen, die heute in der wiedervereinigten Hauptstadt Berlin unterwegs sind, müssen mitunter eine Weile suchen, bis sie Relikten der Teilung begegnen. Ganz augenfällig ist die Gedenkstätte Bernauer Straße auf dem früheren Todesstreifen, in der regelmäßig am 13. August an den Mauerbau der DDR-Führung 1961 erinnert wird.

In Berlin-Mitte muss man schon genauer hinsehen, wenn man dem Band aus zwei Reihen dunkler Pflastersteine folgen möchte. Es markiert den Verlauf der Mauer, von der nur noch wenige Teile im Stadtbild stehen - etwa bunt bemalt als East Side Gallery. Es gibt auch Kritik daran, dass nur noch ein kleines Stück von der Mauer zu besichtigen ist. Einst war das Bollwerk rund 155 Kilometer lang.

In Sachsen sind die ehemaligen Anlagen an den Grenzen zu Polen und Tschechien abgerissen. „Wir haben gleich 2006 nach dem Beitritt zum Schengen-Abkommen begonnen, die Grenz- und Zollanlagen abzubauen“, sagte der Sprecher der Bundespolizeidirektion Pirna, Sascha Reichelt.

Am früheren Grenzübergang Ludwigsdorf bei Görlitz an der A4 sitzt die Bundespolizeiinspektion allerdings noch in einem ehemaligen Verwaltungsgebäude. Der letzte DDR-Wachturm stand auf dem Blosenberg im Vogtland. „Er musste weichen, weil dort jetzt ein Funkverteiler der Telekom gebaut werden soll“, sagte der Leiter des Deutsch- Deutschen Museums, Robert Lebegern. „Der Rückbau der eigentlichen Grenzanlagen war in Sachsen etwa 1992 abgeschlossen, die Minenräumung endete offiziell 1995.“

In Vorpommern sind die alten Grenzanlagen bis auf wenige Gebäude an der A11 in Pomellen verschwunden. Während es 2004 nur sieben Straßen, Gleise und Wege gab, die zwischen der Insel Usedom und Penkun offiziell nach Polen führten, ist die Zahl auf 15 gestiegen. Meist wurden Straßen zum alten Zentrum um Stettin geöffnet, auf polnischer Seite fehlt aber auch Geld für eine Sanierung von Sandwegen oder Kopfsteinpflasterstraßen.

Dagegen verschwanden erst in den vergangenen Tagen weite Teile eines wichtigen früheren Grenzübergangs in Brandenburg. Acht Jahre nach dem EU-Beitritt Polens rissen Arbeiter in Frankfurt (Oder) das 92 Meter lange Dach der Grenzanlage an der Stadtbrücke nach Slubice ab. „Das ist ein sehr symbolträchtiger Standort“, sagte Baudezernent Markus Derling (CDU).

Dass es nicht schneller ging, habe am Geld gelegen. Die, die die Grenzanlage errichtet hätten, sollten auch zahlen, meinte Derling. Also der Bund. Es gab jahrelange Debatten über die Kosten. Die 1,4 Millionen Euro würden nun wesentlich vom Bund getragen. Zuständig ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Bis zum Frühjahr 2013 stehen in Frankfurt (Oder) weitere Arbeiten an. An der „zentralen Eingangsstelle“ nach Deutschland wünscht sich Derling den Ableger einer europäischen Institution. „Das ist eine Wunschvorstellung.“

Leticia Witte, dpa

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