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Weihnachten hinter Gittern - 3500 Menschen verbringen Festtage in Sachsens Gefängnissen

Weihnachten hinter Gittern - 3500 Menschen verbringen Festtage in Sachsens Gefängnissen

Krippenspiel, Stollen, Plätzchen - auch in Sachsens Justizvollzugsanstalten (JVA) weihnachtet es. Rund 3500 Menschen verbringen die Festtage hinter Gittern. Vielerorts organisieren die Haftanstalten gemeinsam mit den Gefangenen ein Weihnachtsfest, was zumindest etwas an das in Freiheit erinnert.

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Eine kleine Flucht aus dem Gefängnisalltag: Weihnachtliche Dekoration in der Justizvollzugsanstalt Torgau.

Quelle: Laura Becker

Leipzig. Weihnachten ist das Fest der Familie. Auf die müssen die Gefangenen der sächsischen Justizvollzugsanstalten zwar weitestgehend verzichten, nicht aber auf Besinnlichkeit und Tradition. Auf vielen Stationen sorgen festlich geschmückte Weihnachtsbäume für stimmungsvolle Atmosphäre, auch hinter den Türen der Zellen ist es ruhiger geworden. "Die Adventszeit ist selbst hinter Gittern eine besinnliche Zeit. Dieses Fest allerdings ohne die Angehörigen verbringen zu müssen, stimmt viele Häftlinge melancholisch", sagt der Anstaltsleiter der JVA Torgau, Karl-Heinz Herden. Die Ruhe in der Anstalt sei deutlich zu spüren, müsse allerdings auch aufmerksam beobachtet werden. Psychologen sowie Sozialpädagogen hätten ein offenes Ohr für die Inhaftierten, denen ihre Unfreiheit besonders in dieser Zeit deutlich wird.

Auch in der Jugendstrafanstalt Regis-Breitingen wird das Fest zur emotionalen Herausforderung für viele Gefangene. In der Strafanstalt sitzen 250 Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren ein - die meisten wegen Gewaltstraftaten. Einige könnten unter bestimmten Bedingungen für ein paar Tage in Hafturlaub gehen und Heiligabend in Familie verbringen, allen anderen wird zumindest ein bisschen Weihnachten in die Zelle geholt. Auf dem Torgauer Speiseplan stehen Hirschgulasch und Minihaxe. In Dresden will der Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heiner Koch, den Gefangenen persönlich "zumindest ein wenig Trost der Weihnachtsbotschaft" vermitteln.

Manche Gefangene haben sich sogar eine Gans geleistet und werden diese auch selbst zubereiten. "Uns liegen Anträge vor, in denen die Häftlinge gemeinsam kochen und das Festessen auch gemeinsam auf der Zelle zu sich nehmen wollen. So etwas ist in unserer Haftanstalt eigentlich nicht möglich, an Weihnachten kann man das allerdings auch etwas lockerer sehen. Wir geben uns große Mühe, dass die Gefangenen bemerken, dass es sich hier um Feiertage handelt.", so der Leiter der JVA Torgau. Für Ablenkung und Kurzweil organisiert man sowohl in der JVA Görlitz als auch andernorts sportliche Wettkämpfe, wie beispielsweise im Tischtennis oder Billard. Auch die Gefängnisschulen, in denen sonst wochentags für Haupt- und Realschulabschluss gelernt wird, schließen zwischen Weihnachten und Neujahr und bilden damit die einzigen Ferien im Jahr.

Trotz allem Entgegenkommen zum Fest, verliert man aber in den Gefängnisanstalten nicht aus den Augen, dass es sich immer noch um Straftäter handelt. In Torgau werden vor allem während der knapp zweiwöchigen Weihnachtsamnestie, in der es zu keinen Disziplinarmaßnahmen kommt, verstärkt Kontrollen durchgeführt. Auch Weihnachtsgeschenke werden überall umfangreich geprüft, bevor sie den Empfänger erreichen.

Besonders bedürftigen Gefangenen überbringen karitative Vereine kleine Aufmerksamkeiten. Laut Anstaltsleiter Uwe Hinz vom Jugendgefängnis Regis-Breitingen sei es nicht einfach, die oft aus zerrütteten Verhältnissen kommenden Jugendlichen in Adventsstimmung zu bringen. "Es gibt viele, die das klassische Weihnachten mit Familie und Plätzchenbacken gar nicht kennen." Backen gehört daher ebenso zum Adventsprogramm wie der Filmabend, an dem der Märchenklassiker "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" läuft.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.12.2013

Laura Becker

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