Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Weitere Asyl-Notunterkünfte für Dresden - Kritik an Zeltlager wächst

Flüchtlinge Weitere Asyl-Notunterkünfte für Dresden - Kritik an Zeltlager wächst

Weil immer mehr Asylbewerber nach Sachsen kommen und die Erstaufnahmeeinrichtung ausgelastet ist, entstehen am Wochenende neue Notunterkünfte in Dresden. Schon jetzt campieren etwa 1000 Flüchtlinge in Zelten, davor marschieren immer wieder Rechtsextreme auf. Die Lage um das Flüchtlingscamp bleibt angespannt.

Notquartier: Asylbewerber sollen ab dem Wochenende vorübergehend auch in zwei Sporthallen der TU Dresden untergebracht werden (Symbolbild).

Quelle: dpa

Dresden. Dresden erhält weitere Notunterkünfte für Asylbewerber. Vom kommenden Wochenende an sollen die Flüchtlinge in zwei Sporthallen der Technischen Universität (TU) an der Nöthnitzer Straße untergebracht werden. Bis zu 600 Menschen werden hier künftig ein vorübergehendes Quartier beziehen, teilte die Landesdirektion Sachsen am Donnerstagabend mit.

Als Grund nennt die Behörde den „unverändert hohen Zustrom von Asylbewerbern nach Sachsen“. Die verfügbaren Kapazitäten der Erstaufnahmeeinrichtung seien ausgereizt, für das bevorstehende Wochenende sei mit der Ankunft mehrerer hundert neuer Asylbewerber zu rechnen. Um zu verhindern, dass die Flüchtlinge unter freiem Himmel campieren müssten, werde nun kurzfristig auf die Hallen der TU zurückgegriffen, so die Landesdirektion. Derzeit werden die soziale und medizinische Betreuung, der Wachdienst und die Verpflegung vorbereitet.

Behörde verspricht Verbesserungen in Zeltlager

Seit Tagen führt ein Dresdner Zeltlager für Flüchtlinge zu hitzigen Diskussionen wie auch zu Angriffen. Nach massiver Kritik sollen die Lebensbedingungen für die Bewohner besser werden. Das kündigte die Landesdirektion am Donnerstag an. Bereits am Freitag sollen die mobilen Toiletten durch Container ersetzt werden, die vom Deutschen Roten Kreuz aus Polen stammen, sagte ein Sprecher der Landesdirektion Sachsen. Außerdem stelle man zusätzliche Duschcontainer auf. Auch bei der Verpflegung, Abfallbeseitigung und Reinigung der sanitären Anlagen sei Besserung in Sicht. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) kümmere sich, viele Freiwillige Helfer würden von festangestellten DRK-Mitarbeitern ersetzt.

Rund 1000 Flüchtlinge campieren in Zelten, davor marschieren immer wieder Rechtsextreme auf. Die Lage um das Flüchtlingscamp in Dresden bleibt angespannt. Eindrücke aus dem Zeltlager. Fotos: dpa

Zur Bildergalerie

Weitere private Eindrücke aus dem Zeltlager auf Facebook

Sachsens Regierung sieht trotz steigender Flüchtlingszahlen bisher keinen Anlass, die Bundeswehr um Hilfe zu bitten oder den Katastrophenfall auszurufen. Das stellte Innenstaatssekretär Michael Wilhelm (CDU) am Donnerstag klar. Hintergrund war ein Bericht der Chemnitzer „Freien Presse“, wonach der SPD-Abgeordnete Mario Pecher logistische Hilfe der Bundeswehr für Erstaufnahmeeinrichtungen vorschlug. Pecher steht dem Innenausschuss des Landtags vor. Voraussichtlich Mitte kommender Woche wird sich das Gremium auf einer Sondersitzung mit der aktuellen Lage beim Thema Asyl befassen.

„Personen in Dynamo-Trikots“ wollen vor Lager demonstrieren

Die Situation rund um das Lager bleibt weiter angespannt. Nach Angaben der Polizei marschierten dort am Mittwochabend etwa 50 Menschen auf, um eine spontane Demonstration zu veranstalten. Die Polizei vermied am Donnerstag eine Zuordnung der Gruppe zu einem politischen Lager und sprach nur von „Personen in Dynamo-Trikots“. Nach übereinstimmenden Medienberichten hatten sich Rechtsextreme versammelt. Bei einzelnen stellte die Polizei später Sturmhauben und mit Quarzsand gefüllte Handschuhe sicher. Aus der Gruppe heraus wurde ein Böller gezündet. Die Beamten stellten die Identität von etwa 40 Personen fest und sprachen einem Betroffenen einen Platzverweis aus.

Vereine und Verbände übten am Donnerstag erneut scharfe Kritik an der Zeltstadt, die auch vom Betreiber DRK nur als Notlösung betrachtet wird. Laut Rechtsanwältin Kati Lang verletzt Sachsen mit der Unterbringung im Lager Grund- und Menschenrechte. Medizinische Versorgung, menschenwürdige Unterbringung, Schutz gegen rassistische Angriffe sowie hygienische Standards seien eine staatliche Pflicht. „Geflüchtete in diesem gesellschaftlichen Klima in Zelten unterzubringen, macht sie in höchstem Maße angreifbar für rassistische Gewalt. Zudem halten wir diese Form der Unterbringung von zum Teil traumatisierten Menschen für inakzeptabel“, betonte Kathrin Bastet für die Heinrich-Böll-Stiftung in Sachsen.

Feste Quartiere für Flüchtlinge: bislang kein verbindliches Datum

Das Kulturbüro Sachsen verlangte eine klare Aussage darüber, wie lange das Zeltlager stehen soll: „Diese Interimslösung kann und darf kein dauerhafter Zustand für die Unterbringung von geflüchteten Menschen in Sachsen sein.“ Das Innenministerium hatte zuvor erklärt, die Betroffenen so schnell wie möglich in festen Quartieren unterbringen zu wollen. Ein verbindliches Datum dafür gibt es nicht.

Der Sächsische Flüchtlingsrat reklamierte erneut die Bedingungen im Lager. „Die hygienischen und medizinischen Umstände innerhalb des Zeltlagers sind unzumutbar. Hier muss sofort eingegriffen werden“, erklärte Geschäftsführer Ali Moradi. Der Flüchtlingsrat forderte die Sachsens Regierung auf, Familien mit Kindern sowie Kranke anderweitig unterzubringen. Die Bewohner hätten ein Recht darauf, über die Dauer der Unterbringung und den Stand ihres Asylverfahrens informiert zu werden.

Im ersten Halbjahr 2015 hat Sachsen 10.500 Asylbewerber neu aufgenommen, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 3800. In den vergangenen Wochen hat sich die Dynamik des Zugangs noch einmal deutlich erhöht, hieß es seitens der Landesdirektion.

maf (mit dpa)

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr